Topographie —X herzogtums Schleswig
Henning Oldekop
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Topographie
Herzogtums Schleswig Henning Oldekop.
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Riel 1906. Derlag von Lipſius & Tifcher
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Den
Drud von A. F. Jenſen, fiel
Holflen:Str. 48.
Gewidmet dem Andenfen
an
Sohannes von Schröder.
Johannes von Schröder. Lebensbild.
Johannes von Schröder wurde ald Sohn des Beamten Peter Schröder ,‚ aus Kiel und dejien Ehefrau Elfe Earithe Friederike, geb. Tanderup aus Kopen: bagen, auf einer Reije der Eltern zu Praeftoe auf Seeland am 14. Mai 1793 geboren. Aus Aufzeichnungen, welche der Bater Hinterlajfen hat und die bis zum Sabre 1643 zurücreichen, geht hervor, daß die Familie Schröder früher in Eiderftedt anfällig geweſen ift. Früh verlor Kohannes den Vater, worauf ih feine Mutter in zweiter Ehe mit dem Kaufmann Thöming aus Kiel wieder verheiratete.
Schon in früher Jugend zeigte der Knabe eine ausgefprochene Neigung zum Soldatenjtand. In Rendsburg, wo er als fogenannter Freilorporal in das unter Zeitung des fenntnisreichen Majord von Mollwitz ftehende militärische Suftitut aufgenommmen wurde, genoß er feine erfte Ausbildung. Nach rühmlich beitandenem Eramen wurde er am 9. Dezember 1809 — im Alter von 16 Jahren — zum GSefondeleutnant ernannt und in die Jägerkompagnie des ſchleswigſchen Infanterie-Regiments, welches damals auf Falfter ftand, angeftellt. Schon dort gab von Schröder Beweiſe jeiner Gefchidlichleit im Zeichnen; er verfertigte eine hübſche Karte diefer Inſel und überreichte fie dem König Friedrich VI. Als im April 1813 das Regiment zu den Auriliartruppen beordert wurde, welche Dänemark zur Berfügung Napoleons ftellte, fungierte dv. Schröder als Adjutant beim Generallommando der 4. Armeedivifion unter dem Befehl des Generals von Kardorf. Im folgenden Sabre, 1814, trat er in fein früheres Regiment zurüd und machte mit diefem beide Male, 1814 und 1815, die Märjche an den Rhein mit. Nach Rückkehr wurde das Regiment nach Schleswig verlegt.
&3 begann die lange Zeit des Friedens, in der von Schröder feine Muße— ftunden für litterarifche Tätigkeit auszunutzen wußte und ftatiftifche und gefchicht: liche Arbeiten verfertigte. Er begann Manuffripte und Bücher zu ſammeln und erwarb fi) im Laufe der Zeit viele und jeltene Schäße der Art. Im J. 1827 gab von Schröder im Gelbitverlag eine Gejchichte und Beichreibung der Stadt Schleswig heraus und 1837 fchrieb er die Gejchichte feines Regiments, welches 1775 errichtet war. In feiner Topographie der Herzogtümer Hat dv. Schröder ein Werf von höchſtem Wert für das Land gejchaffen. Die Regierung ließ den wiſſenſchaftlichen Verdienften von Schröders volle Würdigung zu Teil werden. König Ehriftian VIII. verlieh ihm am 28. Juni 1840 das Nitterfrenz vom Danebrog, der Herzog von Meiningen die Medaille für Kunft und Willenfchaft.
In feinem Dienftverhältnis avancierte von Schröder am 24. Februar 1827 zum Kapitän und Chef der Jägerkompagnie. Anfang der 30er Jahre, als die großen Vorkehrungen getroffen wurden, um das Eindringen der Cholera ab-
6 Johannes von Schröder, Yebensbild.
zuwehren, erhielt von Schröder das Kommando über den Kordon nördl. von Flensburg und entwidelte hierbei eine erfolgreiche Tätigleit. Im J. 1841 zum Major befördert, wurde er 1842 nad Auflöfung des jchlestwigjchen und Der anderen alten Regimenter der Herzogtiimer zum Slommandanten des 15. Bataillons in Rendsburg ernannt. Nach dem 24. März 1848 trat er, wie die Mehrzahl feiner Kameraden, zur proviforifchen Regierung über, trat in die ſchleswig— holjteinifche Armee ein, fungierte während des Krieges kurze Beit als Kommandant von Flensburg, darauf in gleicher Stellung mehrere Jahre in Altona, wo diejes Amt bei den Durchmärfchen und Anmwerbungen ebenfo mühſam wie verdienftuoll für ihn war. Inzwifchen zum Oberftleutnant und Oberft befördert, jah von Schröder mit der Auflöfung der ſchlesw.-holſt. Armee feiner militärifchen Laufbahn ein Ende gejegt. Wie alle anderen fogen. vormärzlichen Offiziere mußte auch er ohne Anspruch auf Benfion das Vaterland verlafjen und wurde des Danebrog-Ordens verluftig erklärt. Erſt Ende 1856 wurde diefen Offizieren die Rücklehr ins Baterland bedingungsweife geftattet, doch Hat von Schröder von diefer Erlaubnis feinen Gebrauch gemacht. Seine legten Lebensjahre verbrachte er in Hamburg; dort hatte er eine Beamtenftelle in einer Gaskompagnie angenommen, durch die er zwar fein reichliches aber genügendes Auskommen fand. Seine Lieblings: beichäftigung mit der Topographie feßte er auch Hier fort. Der Lebenönbend des verdienten Mannes wurde durch ſchwere körperliche Leiden getrübt, aber ein echte und tiefes religiöfes Gefühl Half ihm diefe in Ergebenheit zu tragen, bis er durch den Tod am 8. Januar 1862 Erlöjung fand.
Johannes von Schröder war vermählt mit der Tochter deö medlenburgifchen Domänenrats Pauly, Franzista Amalie, welche er in Schleswig bei ihrer ver: witiweten Mutter fennen gelernt hatte. Aus der Ehe waren vier Kinder ent- Iproffen, von denen die beiden ältejten, eine Tochter und ein Sohn, Dragoner: rittmeifter, ohne Nachtommenjchaft vor dem Vater verftarben. Eine Tochter befindet fich im 85. Lebensjahr und lebt in Kiel. Der jüngfte Sohn, Kaufmann in Hamburg, ift 1893 verftorben. Bon dejjen zwei Söhnen lebt der älteite als Kaufmann in Hamburg; der jüngere, von der Armee, in welcher er den Rang eined Hauptmann bekleidete, aus Gejundheitsrüdfichten zur Militär-Intendantur übergetreten, ift 1899 aus dem Leben gefchieden. Die vierte Generation ift in männlicher Linie durch je einen Sohn der beiden Teßtgenannten im Alter von 14 und 16 Jahren vertreten.
Herausgegeben durch den Buchhändler E. Frändel in Oldenburg (Holftein) erichien die erfte Auflage der Topographie von Schleswig im Jahre 1837, Die von Holftein und den Hanjaftädten Hamburg und Lübeck 1841: neuverlegt und verbefjert erjchienen beide Werte in derfelben Reihenfolge in den Jahren 1854 und 1855. Die Topographie bon Holftein und den Hanfaftädten war durch die des Herzogtums Lauenburg ermweitert. Da von Schröder die Herzogtiimer nicht betreten durfte, jo mußte er für die zweite Auflage vielfach fremde Hilfe in Anspruch nehmen. Einen eifrigen Mitarbeiter fand er in dem Genator Hermann Biernagfi aus Altona, welcher auf dem Zitelblatt der zweiten Auf: lage als Mitarbeiter aufgeführt if. — In der lebten Lebenszeit verfaßte von Schröder: Darftelung von Schlöfjern und Herrenhäufern der Herzogtümer Scleswig-Holftein und Lauenburg. Das Werk enthält neben dem bejchreibenden Zeil felbftangefertigte Zeichnungen und erjchien nach feinem Tode 1862 bei Perthes, Beller und Maucke in Hamburg.
Inhalts-Verzeichnis.
I. Johannes von Schröder, Biographie und Bild (nach) einem Selbſt— porträt).
1. Vorwort.
ILL. ——— l. Kurze Geſchichte des Herzogtums Schleswig.
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Geographijches und anderes:
a. Allgemeiner Überblid.
b. Spezieller Teil: Flüſſe, Buchten, Noore, die Inſeln Alfen, Föhr, RMöm, Sylt, die Halligen (follektiv), (die anderen Inſeln und Halligen fiehe bei den reifen), Eiderfanal, Kaifer Wilhelm-Kanal, Oſtſee, Nordjee; ferner Ebbe und Flut, Klima, Kriegsichauplag in den Jahren 1813, 1848-50, 1364; Küftenbezirtsämter, Mageichiftung, Runenfteine, Verkehrswege, Verfchöten, Watten u. a.
. Hiftorifhe Topographie. . Zändlide Bejigverbältnifje; Größe und Benennung der länd—
lichen Befigftellen; Landmaße.
. Bodenbefchaffenheit. . Die Landwirtichaft von heute.
Heidelulturverein, Zentralverein für Obft: und Gartenbau, BZentral:Fifcherei: verein, Zentralverein für Geflügelzucht, Landesverband für Bienenzucht, Ver: bände zu Meliorationen.
IV. Spezielle Topographie, I. Kreis Apenrade. I. „ Ecckernförde. Il. „ Eiderftedt. IV. „ Flensburg Stadt. V. „ Flensburg Land. VI. „ Sabersleben. VI. Huſum. VIII. „ Schleswig. IX. „ Sonderburg. X. Kondern. ⸗
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V. Ramensverzeichnis. ‘I. Berichtigungen.
Vorwort.
Für die vorliegende Topographie de3 Herzogtums Schleswig ift der In— halt im mejentlichen den Mitteilungen der Herren Gemeinde: und Gutsvorfteher und Forftbeamten ſowie der (Ober-)Bürgermeifter zu danken. Viele Prediger und Lehrer haben dabei Hilfreiche Hand geleijtet. Allen diefen Herren fage ich biermit meinen aufrichtigen Dank; nicht minder aber den Herren Yandräten, welche der Sache ihre Unterjtügung und Bermittelung zugewendet haben.
Den Rahmen bilden folgende Werke: „Topographie des Herzogtums Schleswig” von Johannes von Schröder, 1854; „Gemeindelerifon für die Provinz Schleöwig-Holftein,“ 1885 und 1895; „Biehftands: und Obftbaum:- lerifon vom Jahre 1900 für den preußifchen Staat, Provinz Schleswig-Holitein;“ „Provinzial-Handbuch für Schleöwig-Holftein,“ 1897; „Handbuch des Grund: befige8 im Deutjchen Reich, die Provinz Schleswig: Holftein,” 1881; vom Landes: direftorat bereitwilligit zur Verfügung geftellte Speziallarte; Atlas betr. Boden: bau und Biehftand in Schleswig-Holftein von Th. H. Engeldredt.
Die Ordnung des Stoffs nad Kreiſen in alphabetifcher Reihenfolge: Apenrade, Edernförde, Eiderftedt, Flensburg Stadtkreis, Flensburg Landkreis, Hadersleben, Hufum, Schleswig, Sonderburg, Tondern, erfchien mir den Bor- zug zu haben gegenüber etiwaiger Aufeinanderfolge der Einzelartifel ohne ſolche Einteilung, in welchem Falle viele Wiederholungen unvermeidlich geweſen fein würden; auch bildet der Kreis als folder ein abgefchloifenes politifches Gebiet. Die furzen Mitteilungen betr. Lage und Grundfteuerreinertrag der Amtsbezirke babe ich dem Atlas von Engelbrecht entnommen; zu Anfang der Bejchreibung der einzelnen Gemeinden Habe ich aus dem Gemeinde-Lexikon, bezw. Vieh: ſtands-Lexikon das Areal, Wohngebäude, Einwohner, Viehſtand, Gefamtgrund- fteuerreinertrag jowie Örundfteuerreinertrag pro ha Ader, Wiefen, Hölzung aufgenommen, da aus Vergleichen bei einiger Übung fich leicht ein Anhalts— punft iiber Beichaffenheit der Yändereien gewinnen läßt. Allerdings haben dieje zum Zeil etwas veralteten Zahlen der Gebäude, Einwohner und des Viehes durch die Angaben der Herren Gemeindevorfteher oftmals eine Änderung erfahren.
Bei den Gutsbezirkten find diefe Angaben nicht immer in ſolcher Weije gemacht und namentlid dann nicht, wenn Widerjprüche mit den mir direft gewordenen Mitteilungen vorlagen. Solche Abweichungen fommen öfters vor, 3- B. wenn e3 fi) um zugehörige Teile des politisch zufammengehörigen Guts— bezirt3 Handelt, welche in dem einen Fall dem Haupthofe zugerechnet find, im andern nicht.
Es ift mein Befireben gewefen, nad) Möglichleit den kleineren Grund: befiß dur Angabe des Areals, Neinertrages und Namen der Befiger zu der
10 Vorwort.
ihr gebührenden vollen Gleichberechtigung zu bringen, aber auch troß neben: herlaufender Privatkorreſpondenz hat dieſes Ziel nicht immer erreicht werden fünnen.
Im allgemeinen babe ich mich bemüht, auf Koſten eines vielleicht befferen Stils und zufagender Diktion die Eintönigkeit zu vermeiden, die ermüdend wirft, auch oftmal3 die befondere Ausdrucksweiſe eines Berichterftatters nicht ändern zu follen geglaubt.
Aus ähnlichen Gründen find Abturzungen nicht gleichmäßig und regel- mäßig durchgeführt, allenfalls P. = Poſt, ESt. — Eifenbahnftation, ha =- Heftar, SA = Marl, $ — alte Markt (1,20.M), ag’ — Taler, t -- Tonne Land, ins: bejondere aber n. — nördlich, nördliche, ö. — öſtlich, öſtliche, ſ. — ſüdlich, ſüd— liche, w. — meftlich, weftliche.
Erhebliche Schwierigkeiten liegen in der Schreibweife der Ortsnamen, ins: befondere da, wo es fi) um deutjche und dänifche Schreibung Handelt, 3. B. Dorf = Drup, grön — grün, höft = boved, ö — oe, ſchau — ſkov, jee = damm, jchlief = Slip, ftabe = ftau, vad = matt, wig = big u. a. m. Im großen ganzen babe ich die Ortographie des Gemeinde-Lexikons feftgehalten, in anderen Fällen nicht, 3. B. dann nicht, wenn die von mir gewählte Schreibung vom Gemeinde: vorfteher geändert wurde. Ein höherer Forftbeamter aus Kr. Sonderburg läßt fich darüber aus wie folgt: „Obgleich die Landbevölkerung auf der Inſel Alfen und dem Sundewitt gegenwärtig faft nur däniſch fpricht und in politifcher Beziehung doch vorwiegend däniſch gefinnt, ijt fie ihrer Stammeszugehörigfeit und Abftammung nach durchaus nicht rein däniſch. Wie ſchon die zahlreichen Ortöbezeichnungen mit den Endungen rup Miederſächfiſch) und büll (friefilch, daniftert böll) zeigen, ift namentlich die Zandbevölferung Alſens, wenn nicht vorwiegend, jo doc) zu einem großen Teil deutich-germanifcher Abſtammung. In diefer Beziehung erwähne ich 3. B., dab die Hiefigen Staatsforftbehörden bis zum Fahre 1848 ſich in allen Schriftftüden und Wirtjchaftsbüichern, die Hier noch vorhanden find, der dänifchen Sprache bedienten. Offenbar ift damals die Kenntnis und der Gebrauch der deutjchen Sprache auf dem Lande verbreiteter gewejen als jeßt. Verfchiedene urfprünglich deutjche Ortsnamen auf der Inſel Alfen Haben erft in der Zeit von 1850— 1864 die dänische Bezeichnung erhalten und eigentümlicherweife hat die deutfche Verwaltung die legtere ruhig beibehalten. So hieß 3. B. das Revierförftergehöft bei Schwenftrup bis 1848 Neuenhof, feit- dem Nygaard und erit jeßt foll es die deutjche Bezeichnung Neuhof wieder er: , halten.“ Man erkennt hieraus, daß auch in der Namensfchreibung fich ftändig Veränderungen vollziehen, oftmals merklich, recht häufig weiß man in der Tat nicht, woran man ift.
Wenn id nun Dank der Unterftüßung, welche von jo vielen Geiten Der vorliegenden Arbeit zuteil geworden ift, hoffen möchte, daß ftarfe in die Augen fallende Unrichtigfeiten und Auslaffungen einigermaßen zu vermeiden geweſen find, umfomehr, da die erfte Bearbeitung und Zuſammenfaſſung der Einzelartifel jeitend der Herren Amts-, Gemeinde: und Gut3vorfteher einer Prüfung und Berichtigung unterzogen ift, fo werden doch Fleinere Mängel mit unterlaufen fein. Darauf gerichtete Mitteilungen werde ich dankbar entgegennehmen. Wenn diejes Nachſchlagebuch etwaigen darauf gerichteten Wünfchen im großen ganzen entfprechen follte, würde ich mich für die aufgewendete Mühe reichlich entjchädigt Halten.
Kiel, September 1906. Oldekop.
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Bon großem Wert für die vorliegende Arbeit find folgende Werke gewefen und ich jage den Herren Berfaffern, joweit ich nicht dazu gelangt bin dieſes perjönlich zu tun, herzlichen Dank für die Hilfe, welche mir dadurch geworden ift:
Der Kreis Hadersleben, Dr. J. Erichfen, 1895.
Schwanjen von Ehriftian Kod, Lehrer in Bohnert, Hr. Edernförde, 1898.
Der Kreis Tondern, Seminarlehrer Ottſen, 1906.
Das Herzogtum Schleöwig in jeiner nationalen und etbnographiichen Entwidlung, 3 Abteilungen, Prof. Dr. Auguft Sad.
Geſchichte der Stadt Schleswig, derjelbe, 1875.
Geographie dev Provinz Schleswig:Holftein und des Fürſtentums Lübeck, derfelbe, neunte verbeſſ. Auflage, 1904.
Die Bau: und Kunftdenktmäler der Provinz Schleswig:Holftein, Prof. Br. R. Haupt.
Nordſeetüſte von Prof. Dr. Hippolyt Haas, 1900.
Die Provinz Schleswig : Holftein von J. Schmarje, Rektor in Altona, zweite Auflage, 1904.
Schleswig-Holftein in geographifchegeichichtlichen Bildern von H.H.v. Oſten, Lehrer in Üterjen, 1893.
Schleswig-Holftein meerumfchlungen, in Wort und Bild,
Graf Adelbert Baudilfin, der ſchleswig-holſteiniſche Krieg.
. Der dentfch » dänische Krieg 1864, vom großen Generaljtabe heraus— negeben.
General Auguft von Goeben, fein Leben, von Gebhard Zernin. Berfchiedene kleinere Werke.
Geſchichtlicher Überblick
des Herzogtums Schleswig.
Ans Vaterland, ans teure ſchließ dich an, Das halte feſt mit deinem ganzen Herzen, Hier find die ftarfen Wurzeln deiner Kraft.
Schiller (Wilhelm Tell.
Wie für den Einzelnen Vorkommniſſe von anfcheinend untergeordneter Bedeutung, oftmals Begegnungen und Verkehr mit anderen Menjchen, ungeabnten Einfluß auf den LZebensgang ausüben, fo gilt ein gleiches in erhöhtem Maß für das Gejchie eines Volkes, für die politifche Geftaltung eines Landes.
E3 nimmt unfer höchftes Intereſſe in Anfpruch, daß das Gebiet nördlich der Eider, das heutige Schleswig, troßdem im 5. und 6. Jahrhundert die Blüte germanifcher Stämme, Angeln und riefen, die cimbrijche*) Halbinfel verließen und fie den von Norden eindringenden Dänen und Jüten preisgaben, und andererfeit3 unfer Land durch Jahrhunderte fremder Herrjchaft flavifchen und bänijchen Einflüffen ausgejegt gewejen ift — es erjcheint geradezu wunderbar, daß Schleswig deutjches Wejen bewahrt Hat. Berjchiedene, oftmals verborgen liegende Urſachen find hierfür bejtimmend und fördernd geweſen. Wir wollen die Begegniſſe, welche in diefer Beziehung von Einfluß gemwejen find, hervor: heben, indem wir einen flüchtigen Blid auf die überaus wechjelvolle Gefchichte von Schleswig richten, fie fteht in unmittelbarem Zuſammenhang mit der Gejchichte Holfteind und Dänemarks, jo daß es erforderlich ift auch diefe — mit tunlichfter Einſchränkung — zu berüdfichtigen.
Das Herzogtum Schleswig war nicht immer ein beftimmt abgegrenztes Gebiet, jondern bildete in frühfter Zeit einen Teil des Landes, welches Jütland genannt wurde. Nach dem legten Angeljachjenzuge nach Britannien, welcher etwa um dad Jahr 600 ftatigefunden Hat, fing man allmählich an das jütifche Land zu teilen und der jüdlich der Königsau belegenen Hälfte den Namen „Sübjütland” beizulegen. Zwei ganz verjchiedene Vollsftämme waren in diefen Gebieten ſeßhaft, im Norden die Züten, ein dänifcher Stamm, und im Süden der große niederdeutjche Vollsſtamm der Sachſen, und zwar der Zweig der Nordalbinger, welche in die Gaue der Holften, Stormarner, Dithmariher und Bagrier gefchieden wurden. Ihre Wohnfige waren zu beiden Seiten der Elbe. Nördlich der Schlei wohnten die Angeln (Angli), ebenfalls ein deuticher Volls— ſtamm, bei Tacitus eines der 7 Heineren Völker, die den gemeinjchaftlichen Kult
*) Gimbern, d. 5. Räuber, follen in ältefter Zeit das Yand nördlic der Elbe bewohnt haben.
14 Gejhichtlicher Überblid des Herzogtums Schleswig.
der Erdenmutter Nerthus Hatten. An der Weitküfte, auf den Inſeln umd den |
Marſchen war noch ein anderer Stamm jeßhaft, die riefen.
In ältefter Zeit lag zwijchen den Grenzen verfchiedener Völker neutrales |
Gebiet, confinium genannt, meiften® war es unbebautes Land, oftmals au Wald (Waldmark, daher die Namen mit diejfer Endfilbe, z. B. Hemmelmart, Eſchelsmark; diefem „mark“ entipricht das Holfteinifche „Hagen”). Nachdem man
fi dann fpäter über die Feitfegung der Grenzen geeinigt Hatte, erfolgte die |
Kultivierung und Beftedelung diefes Grenzlandes von außen nach innen zu. Als erfter deutjcher Name tritt in Verbindung mit der Geſchichte Jütlands der des erften deutichen Kaiſers uns entgegen, welcher zweifellos auf die Bildung
und Gejchichte des Herzogtums Schleswig großen Einfluß gehabt Hat. Karl |
der Große wollte die aufrührerifchen Sachſen befriegen, welche fich feiner Ober: hoheit nicht fügen wollten und der Einführung des Ehriftentums Widerftand entgegenfegten. Sie hatten Bundesgenofjenichaft und Hilfe beim Dänenkönig Götrick (Gottfried) gefunden. Da drang Karl in ihr Gebiet ein und fam bis zur Eider, welche ald Grenze des römifchen Reiches angejehen wurde, lautete doch eine Infchrift am alten Tor von Rendsburg: „Eidora Romani Imperii Terminus.“ Nun beißt es, daß König Götrid im %. 804 mit feinem Heer zu Schiff im Hafen von Sliesthorp (Später Sleasvif genannt) erjchienen fei, um durch Errichtung eines Schutzwalls die Grenzen gegen Süden zu ſchützen (Annales Einhardi), es war das nachmald berühmte Dannewerf (f. d.) zwiſchen Schlei und Treene. Zur Zeit Qudwig des Frommen, 815, z0g ein fräntifches Heer über die Eider und drang D Tagemärjche weit in Fütland ein. Um das Jahr 826 kam der däniſche König Harald Klag, der von den Göhnen Gottfrieds vertrieben war, bilfefuchend zu Ludwig nad) Mainz, er zeigte fich geneigt das Ehriftentum anzunehmen und ließ fich mit feiner Gemahlin und dem Gefolge taufen. Zurüdfehrend nahm er den Möncd Ansgar aus Corvey a. d. Weſer mit fi. Sie fuhren den Rhein Hinab, jegelten alsdann nach der cimbrifchen Halbinjel und landeten bei Hollingftedt a. d. Treene. Ansgar, der Apoftel des Nordens, begann fein großes Miſſionswerk. In jütifchen Landen wurde zu Sleasvik (Hethaby von den Füten genannt) auf dem „Holm“ die erjte Kirche gegründet (850).
Im 3. 934 309 Kaiſer Heinrich I. gen Norden, um den in Schleöwig refidierenden König Knuba, der an den Plünderungszügen normannifcher See- räuber an den friefiichen Küften fich beteiligt Hatte, zu befriegen. Heinrich machte ihn tributpflichtig und zwang ihn die Taufe anzunehmen. Heinrichs Sohn, Otto J., wußte ebenfalls deutiche Macht zur Geltung zu bringen. Sein Hobeitsrecht fand Ylnerkennung, die Bistümer Schleswig und Ripen wurden errichtet. Wenn auch jet von der Gründung einer deutjchen Mark noch nicht geiprochen werden kann, jo läßt fich doch unfchwer erkennen, daß Otto nicht nur die Eroberungen feines Vaters aufrecht erhalten wollte, fondern darauf bedacht war das däniſche Reich mehr und mehr in Abhängigkeit von Deutjch: land zu Bringen; er hatte die Genugtuung, auf feinem legten Hoftage zu Quedlinburg däniſche Gefandte, welche mit Gefchenten zu ihm kamen, zu empfangen.
Dtto II. folgte dem Beiſpiel des Baters. Als König Harald fich der deutſchen Oberhoheit zu entziehen fuchte, trat der junge Kaiſer für des Reiches Macht und Ehre unverweilt ein und zog gegen den Dänenkönig zu Felde. Mit ftiirmender Hand nahm Otto den von Feinden bejegten Grenzgraben und drang bis zum Dddejund (Limfjord) vor. Thietinar von Merfeburg, ein alter Ehronift,
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Geichichtliher Überblid ded Herzogtums Schleswig. 15
erzählt, daß der Kaiſer eine fefte Burg errichten und durch eine Beſatzung fihern ließ. Somit fann man nunmehr (974) von einer deutfchen Mark fprechen. — Diele erfolgreichen Beitrebungen, die Grenzen des Reiches gegen fremde Einflüſſe ficher zu ftellen fowie das Ehriftentum in jene Gegenden zu tragen, bilden den Ausgangspunkt für die Ausbreitung des Deutjchtums im Norden.
Leider fehlte den nachfolgenden Kaijern die Neigung, vielleicht auch die Macht, um den eingejchlagenen Weg weiter zu verfolgen. Konrad II., welcher fich 1027 in Rom frönen ließ, traf dort mit Anud dem Großen von Dänemark zuſammen und überlieg ibm die Mark Schleswig, weil er ſich in ihm nicht noch einen Gegner an der nordifchen Grenze erftehen laſſen wollte.
Die Eider wurde wieder ald Grenze beider Länder fejtgejebt.
Bon Kaiſer Heinrich IV. (1056—1106) Heißt es, daß er König Svend Eitridfen ganz Nordelbingen angeboten habe, wenn er ihm im Kampf gegen die Sachſen beiftehen wolle. Mit dem Tode des Ießtgenannten Herrichers trat ihlimme Berwirrung in Dänemark ein. Fünf Söhne waren da, welche fich befehdeten und nacheinander den Thron einnahmen (unter ihnen Knud der Heilige, ermordet zu Ddenje, 1086). Unter ſolchen Umftänden konnten die riefen und Ditmarjcher ihrer Neigung, das Seeräuber-Handwerk zu betreiben, ungeftraft nachgeben, ihnen gefellten fich jlavijche Beuteluftige zu. Als Folge ergab fich, daß die am meiften Heimgejuchte Stadt Schleswig und Umgebung des Schubes umd der Fürſorge dringend bedurften. Da ſah ſich der lebte jener königlichen Brüder, Niels, veranlaßt, gegen feine und der Anverwandten Neigung den tat: kräftigen Bruderſohn Knud Lavard (Herricher — Lord) zum Regenten von Sild- jütland einzufegen (1115), er jollte vornchmlich der Anführer ded Heeres im Kriege fein und hieß als folder „Herzog von Jütland.“ Knud gelangte bald zu hohem Anfehen. Er erfreute fich überdied der Gunft des deutichen Kaijers Lothar von Supplinburg, an deſſen vormals herzoglichem Hof er deutfche Sitte und die Kunſt der Kriegsführung erlernt Hatte. Als er nun eine Reihe von Jahren mit großer Tüchtigkeit in Schleswig gewaltet Hatte, fand er Gelegen- beit, den Kreis jeiner Herrichaft bedeutend zu erweitern. Das Obotritenland war nämlich durch den Tod des Regenten in große Unruhe verjegt. Da begab Knud ſich zu feinem Gönner, dem Kaijer Lothar, und erlangte von ihm, der jeinen Wert zu ſchätzen wußte, die Ernennung zum König der Obotriten, 1129. Fortan herrſchte er in Wagrien, Medlenburg und Lauenburg. Er war zugleich Lehnsmann des deutjchen Kaifers und des dänijchen Königs. Seinen Aufenthalt batte er oftmald in Wagrien.
Knuds wachſende Macht erregte den Neid der königlichen Anverwandten, he warfen ihm vor, daß er nad) der Königskrone trachte. Sein Better Magnus batte ſich an die Spike der Widerfacher gejtellt und lockte den Argloſen unter nichtigem Borwand nad) Seeland. Umſonſt gewarnt, verbrachte Knud nach den Anftrengungen der Jagd die Nacht in einem Waldſchloß — e8 war zu, feinem Verderben, nur wenige Begleiter hatte er bei fich, der wohlgeplante Überfall gelang nur zu gut, die Getreuen wurden überwältigt und Knud empfing den Todesftoß aus der Hand des Vetterd. Der tragifche Untergang des erften Herzogs von Schleöwig Hatte im Gefolge, daß abermals der mächtige Einfluß des deutichen Kaiſers fich unmittelbar geltend machte. Lothar fühlte fich als Schutzherr des von ihm eingefegten Königs verantwortlich und rückte mit ftatt- licher Heeresmacht gen Norden. Im Berlauf der hieran fich reihenden Kämpfe um den Befiß des dänifchen Throns erlitt Magnus eine Niederlage bei Fod— wig in Sübdjütland und verlor das Leben, 1134. So zog gleich anfangs der
16 Gefchichtlicher Überblid des Herzogtums Schleswig.
Widerftand feitend Angehöriger des däniſchen Königshaufes gegen den erften Träger ber herzoglicden Gewalt in Schleswig verhängnisvolle Folgen nach fich. Acht Tage nad dem jähen Tode Knuds jchenkte die Witwe Ingeborg einem Knaben das Leben — er wurde Waldemar genannt.
Wir müſſen nun eines Greignijjes in Holftein gedenken, welches für Die Geftaltung der Verhältniffe in Nordelbingen ausfchlaggebenden Einfluß Hatte — der Belehnung des Grafen Adolf von Schauenburg mit der Grafichaft im Holftenlande.
Die Gaue ber Holften und Stormarner waren durch kaiſerliches Gebot den jächfifchen Herzögen aus dem Haufe der Billunger unterftellt. Dieje betrauten ihnen untergebene Grafen mit ihrer Stellvertretung. Hierfür fiel die Wahl des Herzogs Lothar von Supplinburg auf den Grafen Adolf von Schauenburg. Selten ift die Wahl eines deutichen Machthabers in deutjchen Yanden von jo Jegensreichen Folgen geweſen ald wie diefe; über drei Kahrhunderte hat das Gejchlecht der Schauenburger die Grafichaft behnuptet, von den Trägern ftrahlte deutjcher Einfluß mächtig nach Schleswig hinein, als deutjches Land wurde Holftein und Schleswig in jahrhundertelangen blutigen Kämpfen der dänifchen Übermacht gegenüber behauptet.
Wir kehren zu Schleöwig zurüd. Die Thronftreitigleiten in Folge der Ermordung Knuds dauerten fort, 3 königliche Prinzen, unter ihnen der Sohn Waldemar, begaben ſich an den Hof des gefürdhteten Kaiferd Barbarofja, um jeine Gntjcheidung für Schleswig entgegenzunehmen. Der Kaifer belehnte Waldemar (den Sohn Knud Lawards) mit Schleswig und überwies ben beiden Rivalen Teile des dänischen Reiche. Abermals entbranute der Streit hierüber und ald nach) 5 Jahren der ſogen. däniſche Prinzenkrieg ein Ende fand, wurde der Herzog Waldemar von Schleswig auch König von Dänemark, als folcher Waldentar I., nachmals „der Große” genannt. Er verjtand fich dazu, die Lehns— hoheit des deutjchen Kaiſers anzuerkennen, 1162; e8 war dies die leßte Lehns— Huldigung, welche jeitens däniſcher Könige dem deutjchen Kaijer geleiftet ift. Diefe Erhebung des Herzogs auf den Königsthron hätte nun leicht die Ein- ziehung des Herzogtums als erledigtes Lehn im Gefolge haben können, Waldemar ließ es aber als gejondertes erbliches Zubehör des dänifchen Reiches beitehen und übertrug die mit dem Befig verbundene Würde auf feinen zweiten Sohn gleichen Namens.
Wir übergehen die für Dänemark ruhmvollen Regierungen Waldemar |. und feiner Söhne Knud VI. und Waldemar II., des „Siegers.” Das Herzogtum blieb in der Hand de3 Trägers der Krone, war aber während diefer Tangen Beit nach wie vor ein felbftändiger Teil des däniſchen Reichs. König Waldemar II. ift der erfte gewejen, der die bejondere Stellung des Herzogtums dadurch an: erfannte, daß er die Herzogswürde ausdrüdlich neben feinem königlichen Titel auf: führte. Nachdem die Herrjchbegierde und Tatenluſt des leßtgenannten Königs in der für die deutſchen Verbündeten ruhmvollen Schlacht bei Bornhöved 1227 unter Adolfs IV. Führung einen entjcheidenden Stoß und endgültige Zurüdweifung erfahren Hatte, verfolgte Waldemar der Sieger jeine urfprünglichen Abfichten auf Machterweiterung nicht mehr, jondern widmete fi) Werken des Friedens: er ließ das nachmals berühmte jütiſche Low aufftelen und zur befjeren Überficht des Grumdbejiges und der Einnahmen das ſogen. Erdbuch anfertigen, 1231. Dem Herzogtum Südjütland ficherte er die Gelbftändigfeit durch Verleihung „zu wirklichem Beſitz“ an jeinen Sohn Abel, 1232. Abel tat num im weiſer Erkenntnis, daß fein Befigtum eines Rückhalts bedürfe, einen Schritt, der für
Geihichtliher Überblid des Herzogtums Schleswig. 17
das Herzogtum von weitgehendfter Bedeutung wurde: er vermählte fich mit Mechtildis, der Tochter Adolfs IV., des Gegners feines Vaters bei Bornhöved. ‚Übrigens Hatte ſich zwiſchen beiden leßtgenannten Fürften in fpäterer Zeit ein freundichaftliches Berhältnis herausgebildet.) Abel knüpfte dadurch eine Ber- bindung mit dem Nachbarlande an, welche fchließlich zur ftaatlichen Vereinigung von Schleswig und Holftein geführt Hat. Ä
1241 ſtarb Waldemar Il. Das Herzogtum Schleswig gewann nun bald eine größere Selbftändigfeit, e8 trat ein Streben nach Trennung von Dänemarf und nach näherem Anſchluß an Holftein Hervor. Hatte fich Schon früher, fo lange Schleswig ald Teil des dänifchen Reichs galt, eine Verſchiedenheit diejes Zeild von den übrigen dänifchen Reichslanden gezeigt, jo lag es in der Natur der Berbältniffe, daß das Herzogtum fich dem Königreich Dänemark immer mehr entfremden, dem benachbarten deutjchen Reichslande Holftein immer näher zuwenden mußte, jobald die Jchleswigjche Herzogswürde als erblich anerfannt wurde und der Herzog von Schleswig die Stellung eines Landesherrn, wenn auch in fortdauernder Lehnsabhängigkeit von dem König von Dänemarf, einnahm.
Die nächite Folge des Ableben Waldemars war die übliche Befehdung der nah Machterweiterung jtrebenden Söhne. Abel verweigerte feinem könig— lichen Bruder die Lehnsfolge und lebte mit ihm in Feindfchaft. Dem Scheine nah fand eine Ausſöhnung ftatt, der Beſuch Erich! in Schleswig gab Abel Gelegenheit, den Bruder bei der Rückkehr auf der Schlei ermorden und dem Unglüdlichen ein naſſes Grab bereiten zu laſſen. Natürlich beftieg Abel den Thron, die Nemefis ließ nicht lange auf ſich warten. Es reizte den neuen Herrscher, in Friesland einzufallen, um das freiheitsliebende Inſel- und Küften: volf in Abhängigkeit zu bringen. Er drang bis Oldenswort vor und plünderte und brandichagte die Gegend; beim Niüdmarjc ‚fand er den Weg von den Eiderftedtern verlegt, erlitt bei Koldenbüttel eine jchtwere Niederlage und fand dabei jelbft den Tod, 1252. 18 Jahre war Abel Herzog von Schleswig gewejen, 2 Jahre Hatte er den Königstgron eingenommen. Während diefer Zeit war aber, wie vorhin ſchon angedeutet ift, das Deutjchtum in Schleswig erftarft, nach deutjcher Art Hatte fich ein neues Gemeindeweſen in den Städten heraus: gebildet, deutiche Kaufleute und Handwerker Hatten Fuß gefaßt, der alte däniſche Name Hethaby (KHaddeby) wurde auf ein Dorf zurüdgedrängt, das Bedürfnis einer deutfchen Überfegung des jütifchen Lovs machte fich geltend und wurde verwirklicht.
Unter dem Stamme König Abels, der bei Lebzeiten ſeines Vater! das Lehen des Herzogtums Schleswig erhalten und es als König von Dänemarf abgejondert regiert hatte, wurde dies Lehen erblich, es ging vom Vater auf den Sohn, vom Bruder auf den Bruder über und wurde fpäter durch die constitutio Waldemariana Grundgeſetz.
Wir gehen über den Zeitraum vom Tode Abels 1252 bis zum Jahr 1326 rajher hinweg. Die Nachlommenjchaft Waldemars II. zerfiel nunmehr in zwei Linien: im Herzogtum folgten Herzog Waldemar III. (Abeld Sohn), Herzog Erich J. Herzog Waldemar IV., Herzog Erich II. Den Thron nahmen folgende vier Könige von Waldemars Gejchlecht ein: Ehriftoph I. (Abels jüngerer Bruder), Erich Glipping (dev Blinzler), Erich Menved, Chriftoph II. (Bruder des vor.). Diefer Zeitabjchnitt bietet ein Bild fortdauernder Kämpfe zwiſchen beiden Linien; öfters find die Inſeln Arroe, Alfen, Fehmarn die Urfache, in anderen Fällen will der König die erbliche VBelchnung des Herzogs überhaupt nicht anerkennen und trachtet felbft nach dem Befig, und umgekehrt gönnt der Nachtomme Abels
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18 Geſchichtlicher Überblick des Herzogtums Schleswig.
dem königlichen Vetter nicht die Krone. Eine größere Schlacht wurde 1261 auf der Lohheide bei Schleswig geliefert, der unmündige König Erich Glipping (Sohn Chriſtophs 1.) geriet mit ſeiner Mutter Margarete (die „ſchwarze Grete” genannt wegen ihrer dunklen Gefichtäfarbe) in die Gefangenfchaft des Herzogs Erich I. (Bruder Waldemars III.). Dreißig Jahre fpäter befiegte König Erich Menved (Sohn Erich! Glipping) den Herzog Waldemar IV. (Sohn des Herzogs Erich I.) in der Seefchladht im grünen Sund, zwifchen Falfter und Moen, und erziwang deſſen Verzichtleiften auf die Infeln. Dagegen Heißt e8 vom Herzog Waldemar IV., daß er das in feinem Lande befindliche Krongut an fid) gebracht und die ftaatlichen und juriſtiſchen Beziehungen, die ihn noch an das Königreich feffelten, gelöjt habe; daß er mit weitjchauendem Blid das Erbe der Väter ſorg- jam an Holfteins Gefchid gefnüpft, an allen Verhandlungen der norddeuticher: Staatögewalten teilgenommen und den Städten gleiche Stadtrecht zugewendet babe, wie es in Holftein der Fall war. Diefer rühmliche Nachtomme Abels ftarb 1312. Gein Nachfolger Herzog Erich II. wirkte im Sinne de3 Vaters. Durch feine Vermählung mit Adelheid, Schwefter Gerhard des Großen, wurde ein neues Band mit Holftein gefmüpft. Mehr und mehr drangen die Holfteiner in Schleswig ein, das Deutfchtum machte weitere Fortjchritte. Erich ftarb 1325 mit Hinterlaffung des minderjährigen Waldemars V. Die Vormundjchaft wurde Gerhard III., dem Großen, übertragen.
Diefer Gerhard II. von Schauenburg von der Nendsburger Linie (nach dem Tode Adolfs IV. teilte fich das Schauenburgifchhe Haus zunächſt in zivei, jpäter in mehrere Linien) war auf Koften der Segeberger Linie zu erheblicher Macht gelangt und hatte fich in dänischen Kriegsdienften einen geachteten Namen als Heerführer erworben.
Als nun König Ehrijtoph II. gegen Schleswig kriegeriſch vorging, nahm Gerhard der Große fich jeined Neffen, des unmilndigen Waldemars V. an und befiegte den König in der Schlacht am Hefterberg, fo daß dieſer unbelichte Herrjcher den Thron verlor und das Land verlaſſen mußte.
Da offenbarte ſich, welch imponierende Berfönlichfeit Gerhard II. war — die Dänen erwählten ihn, den bolfteinifchen Grafen, zum dänijchen Reichs: verivefer. In diefer machtvollen Stellung wußte er feinen Schußbefohlenen:, den jungen Waldemar, der ja in direkter Linie von Waldemar dem Großen abjtammte, auf den Thron zu erheben und fich jelbjt das Herzogtum Schleswig zuweiſen zu lajjen. Zu Viborg (1326) wählten die dänischen Großen einftimmig ben I2jährigen Waldemar von Schleswig zum König von Dänemark. Won größter Bedeutung war die Erklärung, welche al® constitutio Waldemariana in der Zandesgejchichte bekannt ift und von dem jungen Negenten abgegeben wurde: „daß das Herzogtum Süderjütland dem Reiche und der Krone nicht vereinigt noch verbunden werde, jo daß ein Herr fei über beide.” Es war die Anerfennung und Bejtätigung deſſen, wofür feit einem Jahrhundert die Hol: jteinifchen Grafen gelämpft Hatten — daß das Herzogtum als felbftändiges Sürftentum daftehen und auf feine Weife wieder mit dem Königreiche vereinigt werden follte.
Schleswig ftand aljo Dänemark gegenüber in einem unabhängigeren Ver: hältnis als Holftein dem deutjchen Reiche gegenüber. Dennoch wurde das Recht Schleswigs wiederholt in Frage geftellt.
Die folgenden Jahre brachten große Umwälzungen. Waldentar konnte fi) auf dem Thron nicht behaupten, er trat zurüd und nahm fein Herzogtum
Geſchichtlicher Überblid des Herzogtums Schleswig. 19
wieder in Befi und fagte dem Oheim Gerhard für den Fall des Aus: terbens feines eigenen Geſchlechts die Nachfolge im Herzogtum zu.
Gerhard behielt einen Teil von Jütland in feiner Hand und wußte fein Mactgebiet immer mehr zu erweitern. Acht Jahre lang war jet fein König in Dänemarf, das Reich war aufgelöft und in dem weitaus größten Teile fchaltete Gerhard zufammen mit feinem Better von der Plöner Linie, Johann dem Milden. Gerhard plante noch Großes, aber vor der Zeit ereilte ihn das Ver— bängnis. Als er in Jütland weilte, um einen Aufſtand gegen deutjche Herrichaft zu unterdrüden, fiel er von der ruchlofen Hand des Ritters Niels Ebbefen, am 1. April 1340. Gerhards Leben fand ein Ziel in dem Augenblid, als er dur eine letzte große Tat jeine Macht ins ungemefjene ausdehnen, vielleicht — wie gemutmaßt wird? — das bänijche Reich in feine Gewalt bringen wollte. Eines ift aber gewiß: Die Gejtaltung der Gefchichte Schleswigs ruht auf dem Grunde, den Gerhard gelegt Hat. Gerhard ift die bedeutendfte Erfcheinung in der alten Gejchichte unferes Landes, eine der großen Geftalten, welche die deutiche Gefchichte dann und warın aufweiit. — In den Beiten, two der beutjche Raifer in Nordalbingen garnichts bedeutete, Hat Gerhard den deutichen Namen zu Ehr und Anfehn gebracht und deutſches Schwert und deutjchen Ruhm in die entfernten Gegenden des Dänenreichs getragen. Er ſuchte die im Vollke lebende Idee eines verbundenen Schleswig:Holfteins zu verwirklichen — dieſes Ziel, diefe ideale Auffaffung Haben dem Grafen Gerhard II. aus dem Schauen: burger Haufe den Namen „Gerhard der Große” eingetragen. Diefe Beurteilung Gerhards wird von allen Autoren fchleswig:Holfteinifcher Landesgeſchichte geteilt.
Als nächſter Abjchnitt iſt die Zeit von 1340 bis 1386 (Vertrag zu Ryborg) feitzuhalten.
Nah der Ermordung Gerhards II. wurde der Sohn Chriſtophs II., Baldemar Atterdag (jo genannt wegen dev von ihm gebrauchten NRedensart: „Morgen ift wieder ein Tag”) als dänifcher König anerkannt, der darauf bedacht war, das zerftüdelte Reich wieder in feine Gewalt zu bringen. Nun mußten die Herzöge Waldemar V. (1340—65) und fein Sohn Heinrich (1365-75) ihr Herzogtum, welches auf den nordöftlichen Teil Jütlands befchräntt war, gegen dänifche Vergewaltigung verteidigen. Nicht anders erging es den Göhnen Berhards, Heinrich dem Eijernen und Claus, welche Mühe hatten, ihren bedeutenden Beſitz in Schleswig und auf den Inſeln zu behaupten und die dem Vater zu: geſagte Erbberchhtigung im Herzogtum mit den Waffen in der Hand zu fichern. Dabei ergaben fich vielerlei Wechielfälle des Krieges und die verjchiedenartigften Öruppierungen der Parteien. Kein Mittel der Gewalt und Lift wurde von Atterdag unverſucht gelaffen, um feine Abficht, dem dänischen Reich wieder zu der frühern Machtftellung zu verhelfen, zu erreichen.
Da trat ein nener mächtiger Kämpfer auf den Plan — die Hanfa, welche wegen der Berftörung und Plünderung ihrer Stadt Wisby auf Gotland durch König Atterdag mit vollem Recht aufs höchſte aufgebracht war. Sie hatte fich unter Lübecks Führung eine imponierende Machtjtellung in der Oft: und Nord: lee ertvorben. Nach manchen Kämpfen, nad) Erfolgen und Niederlagen auf der nen wie auf der anderen Seite — Kopenhagen murde zweimal genommen, dann Waffenruhe vereinbart und wieder gebrochen — wurde die Macht des Königs mehr und mehr geſchwächt, er vermochte ſich gegen den vereinigten Anſturm nicht länger zu behaupten, die Unzufriedenheit und Mutlofigfeit im Lande nahmen Überhand, es blich ihm nichts anderes übrig, als zeitweilig das Reid zu verlaffen und den Machthabern anheim zu geben, an feiner ftatt
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20 Geichichtlicher Überblid des Herzogtums Schleswig.
Frieden zu fchließen. Diefer geftaltete fich äußerft glänzend für die Verbündeten. Die Holfteinifchen Grafen verjtanden es, ihre Anfprüche erfolgreich zu vertreten, ihnen wurden die alten Rechte auf Schleswig in vollem Umfang zugefichert.
Im Sabre 1375 ftarb der letzte Herzog von Abels Stamm, Heinrich, ohne Erben zu Hinterlaffen. Damit fiel dem alten Vertrage zufolge das Herzog: tum den Holfteinifchen Grafen zu. Sie nahmen alsbald Schloß Gottorp mit den Bogteien Gottorp, Flensburg und Edernförde in Befik.
In demfelben Jahre, 1375, ftarb König Waldemar Atterdag. Ihm folgte als Regentin feine Tochter Margarete in Vormundjichaft für ihren minder: jährigen Sohn Dluf. Die neue Gewalthaberin — die nordiſche Semiramis — verfolgte große Pläne, fie wollte die drei großen nordifchen Reiche zu einer Herrichaft vereinigen. Im Befig von Norwegen war fie die Erbin ihres .ver- ftorbenen Gemahls — es fehlte noch Schweden. Unter diefen Umſtänden wollte fie fich die Holfteinifchen Grafen zu Freunden halten. Der Anfang wurde auf dem Kongreß zu Lübeck, 1386, gemacht, wofelbft Margarete bemüht war, die Gunft des alten Grafen Klaus zu gewinnen. Gefrönt wurde das Werk einen Monat darnad zu Nyborg auf Fünen, am 15. Auguft 1386, dort wurde von Der Regentin, mit Zuſtimmung aller Räte des Reiches, in Gegenwart des dänijchen und boljteinifchen Adels, dem ältejten Sohn Heinrichs des Eifernen, dem Grafen Gerhard VI. von Holftein, durch Überreichung der Fahne die Belehnung mit dem Herzogtum Schleswig fir fich und feine Erben feierlich erteilt.
Es war dies die erjte ftaatsrechtlich gültige Bereinigung der Lande Schleswig und Holftein. Das Schidjal des Herzogtums war in der folgenden Periode aber noch jehr ungewiß, die Verbindung beider Lande fo in Frage geftellt, daß der folgende ZBeitabjchnitt von 1386 bis 1460 der Gejchichte Schleswigs angefchloffen zu werden Anſpruch Hat.
Königin Margarete verfolgte ihre Pläne mit Eifer und erreichte den Abſchluß der weltberühmten „Kalmarfchen Union,“ 1397. Gie hatte den Entel ihrer Schwefter Ingeborg, Erich von Pommern, zu ihrem Nachfolger auserfehen und lie ihn als Unionstönig frönen. In demjelben Jahre ftarb Graf Klaus von Schauenburg.
Zunädft gerieten die Söhne feines Bruders Heinrich des Eifernen um die Erbfolge in Streit, diejer wurde beigelegt und die jungen Grafen lenkten ihren Tatendrang nach anderer Geite, leider nicht nach einer geeigneten. Gie hatten den Wunjch, ihr Gebiet abzurunden, und fielen in Dithmarfchen ein, bis Meldorf drangen fie ungeftüm und ungehindert vor, da traf fie das Schid: fal, bei Süderhamme unterlagen die Ritter den Bauern, die kriegerijche Kraft deö Adels wurde gebroden, die Blüte des Adels ſank dahin. Gerhard büßte das fühne Unterfangen mit dem Leben, 1404.
Nun glaubte König Erih von Dänemark den Zeitpuntt für gelommen, die alten Pläne auf Schleswig aufzunehmen, er ftieß aber auf zähen Wider: ftand auf Seiten der Grafen, der Krieg wurde mit wechjelnden Erfolgen geführt. Da griff — traurigen Gedenkens — der deutjche Kaiſer Sigismund zu Gunften des ihm verwandten Dänenkönigs ein, er ließ durch ein in Ofen abgehaltenes Schiedsgericht verkünden, daß das ganze Herzogtum Südjütland oder Schles— twig dem König und dem Reich der Dänen zugehöre. Ein folcher Schiedsſpruch war denen, welche noch deutjches Blut in den Adern Hatten, ein Fauſtſchlag ins Geficht. Der Yugenblid war gelommen, two deutfches Ehrgefühl eriwachte und die Überzeugung fich Bahn brach, daß ſolchem Ausſpruch gegemitber Schtweig- ſamkeit die Zuftimmung zu eigenem Untergange bedeute, die Hanfaftädte gaben
Gejchichtlicher Überblid des Herzogtums Schleswig. 21
ihr Zaudern auf, fie reichten den Fürſten die Hand, gemeinſam erklärten fie dem däniſchen König den Srieg.
In damaliger Zeit, ald Dampfkraft und Elektrizität noch micht zu Reben erwedt waren,. pulfierte das Leben der Einzelnen wie daS der Völker langſamer, die Eriegerifchen Unternehmungen nahmen nur jchleppenden Verlauf. So war es auch jeßt wieder der Fall, der Krieg verzettelte fich in verjchiedene Unternefmungen von nicht ausfchlaggebender Bedeutung. Flensburg fiel den Verbündeten in die Hände — leider teuer erfauft, der jchmerzlichite Berluft traf fie, der tapfere Schauenburger Heinrich IV., die treibende Kraft bei allen Unternehmungen, fand bier den Tod. Ihm folgte in der Führung Adolf VIIL., der nicht minder tatkräftig vorging, unverjehends in Jütland einfiel und den Feind ſchädigte, wo er nur konnte; er erreichte, daß endlich die Macht des durch lange Kriege geichwächten dänifchen Reichs mehr und mehr zurüdging, io daß ſchließlich die legten Hilfsquellen verfiegten und das ftolze nordijche Reih in offenkundigen Verfall geriet. Die Unzufriedenheit wuchs im Lande, in Schweden drohte offener Aufruhr. Angefichts diefer veränderten Verhältniſſe überzeugte König Erich fi von der Nußlofigfeit, ja Unmöglichkeit, weiteren Widerſtand zu leiften. Er verließ das Land und zog fich nad) der Inſel Got: land zurüd. Da blieb den Machthabern des dänijchen Reichs nichts anderes übrig, als an Einftellung der Feindfeligkeiten zu denken. Günftig konnte der Friede nicht ausfallen, das erichöpfte, zur Zeit ohmmächtige Land, welches auf eine Mjährige Kriegszeit zurüdjah, mußte alle Bedingungen annehmen — im Juli 1435 wurde der Friedensſchluß vereinbart. Adolf VIII. der legte von des großen Gerhard Stamm, erhielt da3-Herzogtum Schleswig, vergeblich Hatte die ver: einigte Macht dreier Reiche gegen die deutfchen Grafen gerungen. Ihre erbliche Belehnung wurde feitens de3 neuen Königs Ehriftoph III. bejtätigt, fein geringerer als der deutfche Kaifer Albrecht II. verbürgte fich für dieſe Beftätigung und hob damit die unfelige Entjcheidung des Kaijerd Sigismund auf. So wurden Müh und Arbeit, ſchier endlofer Kampf mit Hoffnungen und Enttäufchungen, Siegen und Niederlagen zu glücdlichem Abſchluß gebracht. Schleswig und der größte Teil von Holftein waren unter allfeitiger feierlicjer Anerkennung in des legten Schauenburger® Hand vereinigt. Adolf verftand es, die Wunden, welche der Krieg gejchlagen Hatte, zu Heilen, Ruhe und Ordnung und Wohlftand her: zuftellen und fich die Liebe des Volkes zu erwerben. Das Deutſchtum machte im Herzogtum unaufhaltſame Fortſchritte, deutich, d. h. niederdeutſch (plattdeutjch) wurde die herrſchende Sprache, Geſetze und Urkunden deutjch abgefaßt. Schles- wig wurde ein deutſches Land.
Aber jeltiame Fügung! Nun dieſes Werft vollendet, war dad Schauen: burger Haus im Mannesftamm dem Erlöfchen nahe. Adolf jtand da als der (e$te vom Stamm des großen Gerhard. Der Gedanke an die Nachfolge trat allmählich in den Vordergrund des allgemeinen Intereſſes. Da war es Adolf ſelbſt, welcher bei Zeiten diejer Frage jeine Aufmerkjamteit zumandte. Er dachte an die Nachkommen feiner Schwefter Hedwig, welche mit dem Grafen Dietrich von Oldenburg vermählt war. Der älteite Sohn ChHriftian war ihm bejonders lied — ein ftattlicher Züngling, der fich allfeitiger Wertſchätzung erfreute.
Jetzt trat unerwartet ein Ereignis ein, welches weitergehende Gedanken an die Erbfolge in Schleswig zunächjt wieder zurück drängte. Nach dev Ab— dankung des Königs Erich war deſſen Neffe Chriſtoph II. von Baiern, dejjen bereit3 Erwähnung getan ift, von den Großen Dänemarks auf den Tron berufen, 1439. Chriftoph war ein begabter Zürft, der fich allfeitiger Anerkennung erfreute
22 Geichichtlicher Überbiid des Herzogtums Schleswig.
und allem Anjchein nach die Union zu volllommener Bufammengebörigfeit geführt Haben würde — da erlag der junge Regent einer plößlich) herein— brechenden Krankheit und hinterließ feinen Nachfolger.
Der dänische Thron war erledigt, wer follte ihn einnehmen?
E3 lag nahe genug, an den Schleswigichen Herzog zu denken. Auch in ihm war däniſches Blut, er war überdies Mitglied des dänifchen Reichsrats, feine Erhebung konnte das Mittel fein, das Herzogtum wieder mit der Krone zu verbinden.
Und in der Tat, die dänischen Großen trugen dem Herzog die Krone an. Adolf lehnte für fich felbft ab, für ihn mußte es Bedenken haben die Herrichaft des nordifchen Reichs mit der des Herzogtung zu vertaufchen. Adolf ging alfo nicht auf das Anerbieten ein, fondern brachte feinen Neffen Ehriftian von Olden: burg in Vorſchlag. Dieſer Hinweis fand Zuftimmung, die dänischen Machthaber zeigten fich geneigt, an Ehriftian von Oldenburg die Frage zu richten, ob er ihrem Ruf auf den däniichen Thron folgen wolle. Ehriftian war entfchloifen anzunehmen, er wurde König des dänifchen Reiche. Er mußte aber die Ber: ficherung abgeben, daß das Herzogtum Schleswig nicht wieder mit dem Neih und der Krone Dänemark vereinigt werden follte, er leijtete das Verjprechen, daß zwiichen dem Reich Dänemark einerfeit3 und dem Herzog: tum Schleswig und der Graffchaft Holftein andererſeits eiwiger Friede fein follte.
Die Wahl tam alsbald zuftande und Chriftian empfing am 26. September 1448 zu Viborg die Huldigung.
1459 ftarb Herzog Adolf.
Dies war ein Wendepunkt in der Gejchichte des Herzogtums. Nun handelte es fi) um die Wahl des neuen Herzogs.
Wir wollen nicht verfuchen, die verjchiedenen ſich gegenüberftehenden Meinungen und Erwägungen mit Bezug auf die Nachfolge wiederzugeben. Die Mitglieder der Schanenburg: Binneberger Linie und des Oldenburger Haufes famen in Frage. Die Stände traten zufammen und ſchwuren, daß fie einträchtig einen Herrn wählen wollten. In Ripen kam die Wahl zum Abfchluß, fie fiel auf Ehriftian I. von Dänemark. Der Biſchof von Schleöwig verkündete vom Rathaus, daß der Rat um des Landes beiten Willen zum Herzog von Schles- wig und Grafen von Holftein erwählt Habe den König Ehriftian von Dänemart, am 5. März 1460.
Beides zugleich ift er geworden — Herzog von Schleswig und Graf von Holſtein. Chriftian legte das Belenntnis ab, zum Heren des Landes gewählt zu fein — „nicht als ein König zu Dänemark, fondern aus Gunft zu feiner Perſon.“ Er ſchwur, die Lande nicht zu vererben, fondern auf das Erbrecht für ich und feine Nachlommenfschaft zu verzichten, vielmehr das Necht der Wahl bei feinem Ableben den Einwohnern des Landes zu überlafjen.
Wie in frühejten Zeiten das Heine Schleswig im Bordergrund des Intereſſes bei mächtigen Herrfchern großer Reiche geftanden Hat, fo ift e8 ge: blieben für weitere Jahrhunderte — ein deutfches Land ift Schleswig all: a geworden, deutſch wird es bleiben, vereint mit der alten Grafichaft Jolitein
ewig tofamende bliven, ungedcelt,
Gejichichtlicher Überblid des Herzogtums Schleswig. 23
NB. Bon mın an ift die Gefchichte Schleswigs mit der Geſchichte Holftelns aufs innigfte verbunden. Eine Darftellung dieſes letzteren Zeitraums dürfte einer Topographie Holfteind vorauszufchiden fein. Der Berfafler.
Die Gefellidait für ſchlewig-holſteiniſche Geſchichte gibt jährlich einen Band ihrer Zeitichrift Heraus, außerdem zwangslos Regeften und Urhimden und eine Onellenfammlung. Gegr. 1836. Borfigender: Landeshauptmann v. Graba, ftellvertr. Borfigender: Prof. Dr. Kaufmann, Schriftführer: Brof. Dr. R. v. Fiſcher-Benzon, Kaſſen— und Rechnungsführer: Landesrat Mohr. Drud von N. F. Jenſen-Kiel.
Schleswig:Holfteinifhe Landesbibliothek, Kiel, Fleethörn 56. Geöffnet Sommerhalbjahr von 4—7 Uhr nadm., Winterhalbjahr von 1—4 Uhr nahm. Landes: bibliothefar Prof. Dr. R. v. Fiſcher-Benzon, Garten-Str. 6.
Berein zur Bilege der Natur: und Landeskunde in Schleswig-Hol: tein, Hamburg, Lüber und dem Fürftentum Lübed. Geſchäftsführender Aus- ſchuß: Vorfigender Rektor Peters, Schriftleiter Rektor Eckmann-Ellerbek, Schriftführer Lehrer Barfod, Kaffenführer Lehrer Lorentzen, Beifiger Oberfifchmeifter HintelmannzKiel, Stadtrat a. D. Kähler:Kiel. Drud von U. %. Jenſen-Kiel. Vereinsſchrift: „Die Heimat,” jährl. Beitrag 2,50.%, wofür die illuftrierte Monatsfchrift gratis. Auskunft erteilt Xehrer Barfod, Geibelallee 2.
Geographiſches und anderes.
a. Allgemeine Überjidt.
Unſere Zukunft liegt auf dem Waſſer. Wilhelm II
Die alten Herzogtümer Schleswig und Holftein bilden feit 1867 die Provinz Schleswig-Holftein. Die Unterfcheidung zwiſchen diefen beiden Teilen ift im wejentlichen nur noch von Hiftorifcher, in diefer Beziehung aber von böchfter Bedeutung; im übrigen ift auf allen Gebieten der Verwaltung und Auftiz, in allen öffentlichen Angelegenheiten und Beftrebungen Einbeitlichleit vorhanden. Das Herzogtum Schleswig ift dasjenige deutjche Gebiet, welches mehr als andere Teile des Vaterlandes unter dem Einfluß des Meeres fteht. Der Verkehr des nördlichen Europa fand auf der zimbrifchen Halbinfel feinen natürlichen Mittelpunlt; von hier aus gelangte man zu Schiff nach den gegenüber: liegenden Küften der Nord» und Dftjee, von Hier aus ijt England befiedelt und das Geſtade ber Oftfee, Livland und Kurland, in den Kreis des deutichen Lebens gezogen. Schleswig ift die Brüde nach dem jkandinaviichen Norden. Es ift das Land gewefen, welches auf die Entwidlung und die Gejchichte Deutſchlands von ausfchlaggebender Bedeutung gewefen ift, das nordiſche Land, welchem ſtets die Sympathien des großen PVaterlandes gehört Haben und noch gehören. Die Namen der Städte Schleswig: find in der Welt befannt und beliebt, ſoweit die deutſche Zunge Klingt.
Zu Schleswig gehören 1 Stadtkreis: Flensburg und 9 Land— freife: Apenrade, Edernförde, Eiderftedt, Flensburg, Hadersleben, Huſum, Schleswig, Sonderburg und Tondern. Die 10 Kreife haben eine Fläche von 8860 Dkm oder 161 DMeilen (die Provinz hat 19004 [km oder 345 [ JMeilen); 429733 Einwohner (die Provinz hat 1387968 Ein: mwohner). Die Grenzen des Herzogtums Schleswig find folgende, im Norden: das dänische Zütland; die Grenzlinie ſetzt bei 55° 17° nördlicher Breite un— weit Hridding an der Weſtküſte ein, läuft 15 km nad Oſten, wendet fich dann mit rechtem Winkel nach Norden und erreicht die Königsau (meitlich von dieſer vertifalen Linie ragt dänifches Gebiet mit den Mündungen der Königsau und Nipsau und der Stadt Nipen keilförmig herunter), fteigt dann mit dem nach Norbdoften gerichteten Lauf der Königsau bis zu 55° 28° um nun wieder herunter zu gehen, bis fie bei 55° 23° in der Heildmünde den Kleinen Belt erreicht. Grenze im Oſten: der Kleine Belt und die Dftfee mit
Geographiiches und anderes. 25
der Ichmalen Haderslebener Förde, Schliefgmünde, Gjenner Bucht, Apenrader Bucht, Aljener Förde, Auguftenburger Förde, Alfen-Sund, der Inſel Alfen, der Flensburger Förde mit Wenningbund und Nübel:Noor, Geltinger Bucht, Schleimünde mit Maasholm und Lotfeninfel, Edernförder Bucht, Kieler Bucht. Im Süden: der Kaifer Wilhelm - Kanal von Holtenau bis Flemhude, dann die Eider auf eine Strede von 115 km bis zur Mündung bei Tönning. Im Weiten: die Nordjee mit der Bucht von Tönning (Halbinfel Eiderftedt), Bucht von Hufum, die Inſeln Nordftrand und Pellworm, die Halligen, die Inſeln Föhr, Amrum, Sylt, Röm. Die Länge der Linie von Chriftianzfeld bis Rendsburg beträgt 120 km (16 Meilen), in der Mitte 136 km (18 Meilen); bon Weften nad Dften ift die nördliche Grenzlinie 60 km (8 Meilen) lang, die jüdlihe von Tönning nach Kiel 75 km (10 Meilen), in der Mitte von Hufum bis Edernförde nur 53 km und von Hufum nach Schledwig nicht mehr als 36 km. Die äußerften Punkte find im Norden das Gehöft Lundsgaard an der Königsau, im Dften die Bülkerhuk in der Kieler Förde, im Süden die Eider, im Weiten auf dem Feftland die Düne von Ording in Eiderftedt; die nel Sylt Tiegt noch weiter weftlich.
Die Hauptmwafferfcheide trennt das Entwäfjerungsgebiet der Nordjee von dem der Oſtſee; fie ftellt eine gefrünmte von Süden nach Norden verlaufende Linie dar und liegt der Dftküfte weit näher als der Weſtküſte, fie geht bis in die unmittelbare Nähe der Förden. Das Kirchborf Husby in Angeln, 10 km öftlich von Flensburg, liegt z.B. auf der Wafjerfcheide: Die Kielftau führt zu dem ſüdlich belegenen Winderatter See und weiter zum Tresſee, aus welchem die Treene den Ausgang nimmt, dagegen fließt die Langballigau der Dftjee zu. Adnliches wird von Maasbüll, Amtsbezirk Hitrup, berichtet, ebenfall3 von Möll- mark, Amtsbezirk Sörup; aus Lußhöft wird mitgeteilt, daß das Dachwaſſer eines Haufes von einer Seite in die nach der Dftfee fließenden Bäche, von der andern Seite nach der Nordſee läuft.
Gewäſſer. Die meiften und bedeutendften Flüſſe und Auen gehen in die Nordjee, die Quellen liegen weit im Often, die mwichtigften find: die Eider mit der Sorge und Treene, die Hufumerau, die Arlau, die Soholmerau Meynau, Schafflunderau) mit der Ledau, die Widau mit der Grönau und Siüderau, die Bredeau, die Brönsau, endlih die Nipsau und die Königsau, deren Miündungen auf dänifchem Gebiet liegen. In die Dftjee fließen die Füſingerau (Loiterau) und Hütteneran (beide in die Schlei), Lippingau, Langballigau (beide in Angeln), Tapsau. Kanäle: Der Kailer Wilhelm-Kanal ift an Stelle des früheren jchlestwig : Holjteinifchen Eiderfanals neu gebaut und 1895 eröffnet. Unter mehreren Heineren Kanälen find zu nennen: der Tonderniche Kanal zwiſchen Tondern und der Widau, 2/ km lang; Süderbootfahrt zwijchen Garding und Katingfiel, 6 km lang. Sandjeen. Die bedeutenderen find: Aventofterjee, Gotteskoogſee, Bott— Ihlotterjee (füdlich von Tondern), Heilgminderjee, Haderslebenerdamm, Langſee und Südenſee (in Angeln), Wittenjee, Biftenfee (zwifchen Eckern— förde und Rendsburg).
Bodenerhebungen. Die Erhebungen find nicht bedeutend und ftehen denen in Jütland und Holftein nach. Eine anfehnliche Höhenfette find Die „Hüttener Berge” zwifchen Schlei und Eider, mit dem ScheelSberg (106 m), Aichberg (97 m), von welchem neben zahlreichen anderen Kirchen der Schles— wiger Dom zu jehen ift. Diefen Höhenzug können wir bis an den weſtlichen Endpuntt der Schlei und darüber hinaus bis nach Zdftedt, Överjee und Flens—
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burg (Langberg) verfolgen, von hier zieht fich eine Höhenkette von Weften nach Dften durch Angeln, weldhe in dem Scheersberg bei Gt.:Quern den bödjiten Punkt Hat (72 m); 8 km nördlich von Flensburg an der Gehlau liegt Der Stagehöi (69 m), nordweftlich bei Fröslee ein S km von DOften nad) Weiten ftreichender Höhenzug mit „Waldemars Sandberg.”“ Auf Alfen ift Die größte Erhebung der Hügeberg (80 m) bei Atzerballig. Weiter erjtredt fich die Waſſerſcheide bis Apenrade und von Hier geht ein Zweig durch Sundewitt bis zu den Diüppeler Bergen (72 m). Nördli von Apenrade liegen der Brunberg (67 m), Höfeberg, Blauberg (86 m) und der Knivsberg mit dem Bismardturm an der Gjenner Bucht. Bei Wittftedt ſüdlich von Haders: leben der Pothöi (54 m), Aaſtruphöi (74 m), im Weften der Jellumhöi und Steensberg, im Norden der Höiberg (97 m) bei Hjerndrup. In der Mitte ded Landes find die Höhenzüge fleiner, bei Schwabftedt der Gloden- berg, bei Wittbet der Sandesberg (d+ m) mit jchöner Fernficht über das Treenetal und die Eiderftedter Mari; der Nimmeelsberg (44 m) bei Groß: Sörl, der Kammberg (37 m) bei Roldelund; unweit Stedejfand nördlich von der Soholmerau ein Höhengebiet mit dem Langenberg und Werbdi, öftlich Davon bei Dfterby der Zundtop (54 m) und die hochgelegenen Kirchdörfer Medelby, Ladelund und Süderlügum, ferner bei Zeifing und Hoftrup beträchtliche Erhebungen, und unweit Scherrebet ein Höhenzug mit dem Gaſſehöi (DI m). Näheres im ſpeziellen Zeil.
b. Einzelnes.
Alſen, Kr. Sonderburg, die größte und fchönfte von allen Iufeln, der „Barten” Schleswig-Holfteins; die größte Länge beträgt 32 km, größte Breite 17 km, Flächeninhalt 321 qkm (andere Angabe 314 qkm). Lage und Geftalt find eigenartig, die Inſel kann mit einer Tiergeftalt verglichen werden, deren Rüden der dänifchen Inſel Fühnen, die ausgeftredten Gliedmaßen dem Feſt— lande zugelehrt find. Diefe mit vielen Einfchnitten verfehene Weftfeite mißt als gerade Linie 30 km, mit allen Krümmungen mehr al3 das doppelte. Die Inſel wird durch die von Nordweften eindringende Alfener Förde mit dem ſich an- Ichließenden Alfen-Sund vom Sundewitt getrennt, während die Auguftenburger Bucht oder Förde etwas weiter nach Dften zu ebenfalls als Fortfeßung der Alſener Förde anzufehen ift. Die Auguftenburger Förde läuft mit dem Alfen: Sund annährend parallel und bildet mit diefem die Halbinfel Arntiel (Königl. Gehege, Denkmal) mit der Kreisſtadt Sonderburg. Die Alfener Förde ift 12 km lang und 2—3 km breit, in die Küfte dev Inſel fchneiden die Buchten Stegmwig mit Düwig (f. Holm) und Sandwig ein; der Aljen-Sund 10 km lang (R.— ©.), Ya—*/a km breit, 7—21 km tief, die Ufer find mit Wäldern gefchmücdt; die Auguftenburger Förde 10 km lang, 1—3 km breit, hat Einfchnitte bei Ketting, Osbek und Auguftenburg. Schließlich trennt das Hörup-Haff (NW.— SO.) die Halbinfel Kelenig von Alfen.
Die Inſel ift fruchtbar und mit großen fchönen Waldungen, twelche befonders die Oftküfte auf weite Streden ſchmücken, ausgeftattet, fie hat einen ichönen Wechſel von Berg und Tal, viele Meeresbuchten und größere und Kleinere Seen. Bon Norden nad Süden erftredt fi) ein zufammenhängender Höhenzug mit dem SHügeberg 81 m, öftlich von Aberballig, als Höchften Punkt. Die Mythologie bezeichnet Alfen als die Inſel der Nerthus (Hertha), der alles er: nährenden Göttin der Erde, welche dann und warn fi) herabließ, zu den
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Menſchen Herabzufteigen; die vier alten Kirchen Nottmark, Schtwenftrup, Hagen: berg, Tundtoft (Norburg) liegen in einer Linie und follen die Ruhepunkte für den Umzug der Göttin gewejen fein; wenn die Feierlichleit beendet war, wurden Bild und Wagen in dem Heiligen See gereinigt und die damit beauftragten Sklaven in dem See erträntt. Auf Alfen find viele Steingräber, Riejenbetten, Urnenfriedhöfe. Von Intereſſe find die Fürftenfchlöffer zu Sonderburg, Auguften: burg, Norburg. Alte Schnigereien und Malereien zeugen von dem Kunftfleiß vergangener Jahrhunderte.
Alfen bildete lange Zeit ein GStreitobjeft zwijchen den Königen von Dänemark und den Herzögen von Schleswig. Die Gefchichte der Inſel ift eng verbunden mit der des Schloffes zu Sonderburg (f. d.) Im Jahre 1375 be- mächtigten fi) die den Herzögen zu Hilfe kommenden Grafen der Inſel, im Frieden von 1435 wurde Alfen an Graf Adolf von Holftein abgetreten. Bei der Landesteilung im Jahre 1564 itberließ König Friedrich II. feinem Bruder Johann dem Jüngeren die Amter und Harden Sonderburg, Norburg und Arrö. Im Fahre 1658 wurde Aljen durch brandenburgifche Truppen unter dem großen Kıurfürjten den Schweden entriſſ en und gelangte in däniſchen Beſitz. Der Über⸗ gang auf die Inſel wurde in der Nacht vom 15. auf 16. Dezember bewerk— ſtelligt. — Über die Kriegsereigniffe 1848/50 fiehe Düppel. — 1864 war die Eroberung der von 10000 Dänen unter General Steinmann bejeßten Inſel Aljen durch General von Bittenfeld eine der glänzendften Waffentaten. Der Übergang erfolgte am 29. Juni mitteld Boote und Pontons in vier Kolonnen unter General von Manftein. Eine Rejervebrigade und noch eine andere folgten über den Sund, jo daß ſchließlich 18000 Preußen auf Alfen ftanden. Beim Dorfe Kjär kam es zu einem lebhaften. Gefecht, das fich erft 6 Uhr früh zu Gunften der Preußen entjchied; auf den Höhen von Sonderburg war der lebte bartnädige Kampf. Die brennende Stadt Sonderburg wurde genommen. Am folgenden Tage war die Inſel von den Dänen geräumt.
Vorhin ift bereit3 erwähnt, daß die ganze Inſel bei der Zandesteilung 1564 dem Herzoge Kohann dem Süngeren, dem Stifter des Haufes Schleswig Holftein-Sonderburg, zuerlannt wurde. Diefer erhielt bier und in den übrigen wertvollen Gebieten, welche ihm zufielen, die Rechte eines Landesherrn, er mußte aber auf die Teilnahme an der gemeinfamen ſchleswig-holſteiniſchen Regierung verzichten. Diefer Fürſt erwarb eine Reihe von Edelhöfen und vereinigte fie zu größeren Gütern. Sein Enkel Herzog Ernft Günther, der Stammpvater des Auguftenburgifchen Fürftenhaufes, erwarb vom König Friedrich III. die Dörfer Stavensbüll und Gebbelau und erbaute Auguftenburg (f. d.). Sein Urentel Herzog Friedrich Ehriftian I. erhielt 1756 vom König Friedrich V. außer dem Schloſſe Sonderburg eine Reihe von Gütern, die den füdlichen Teil der Inſel umfaßten und zu dem fürftlich Auguftenburgifchen Güterdiftrift zufammengelegt wurden. Die Herzöge refidierten auf dem Schlojje Auguftenburg. Im Sabre 1851 wurde der Herzog Ehrijtian Auguft, der Großvater der deutjchen Kaijerin, des Landes verwiejen, weil er in dem Kampfe gegen Dänemark die Rechte Schleöwig: Holfteing verteidigt hatte, auch mußte er feine Güter auf Alfen und im Sundemitt für 3 Millionen Reichsbanktaler der dänischen Krone überlafjen. Nach der Ver- einigung Schleswig-Holfteind mit dem preußifchen Staat erfolgte die Einteilung der Inſel in die beiden Harbdesvogteibezirte Norburg und Auguftenburg. Um diefe Zeit waren die früheren Auguftenburgifchen Güter ſchon alle durch Kauf in andere Hände übergegangen. Im Jahre 1885 fiel das Schloß Auguftenburg
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auf Antrag der Staatsregierung durch Beſchluß des Abgeordnetenhaufes an Die berzogliche Familie zurüd.
Amrum, nordfriefiiche Infel und Amtsbezirk im Mr. Tondern mit den Ortjchaften Nebel, Norddorf, Steenodde, Süddorf, Wittdün, Amrumer Leuchtturm, 24 km von Dagebüll entfernt, die Nordipige 2 km weftl. von Föhr, bei hohler Ebbe kann der Weg nach dort durch das Watt zuricgelegt werden.
Die Inſel ift LO—11 km lang (S.—N.), unten 3 km breit und nach N. pi auslaufend. Flächeninhalt 2036 ha, davon Ader 535 ha, Wiefen 168 ha, Hölzung 15 ha. 234 Wohng. (jebt mehr). 927 Em. (vergl. Amrum, Amtsbez.) Amrum gehörte früher zu der dänifchen Enklave (ſ. Mögeltondern). Die Weſt— füfte ift flach und jandig, eine lange jchmale Halbinfel, Kniepfand genannt, liegt vorgelagert und ift durch den Kniephafen von der Inſel getrennt. Im NW. zwilchen Amrum und Sylt ift das Vortrepp-Tief.
Im Weiten der Inſel liegen Dünen, die Mitte ift im allgemeinen flach, obwohl auch Hier einige Bodenerhebungen vortommen, u. a. liegt zwilchen Süd— dorf und Nebel eine Höhe von 18 m, Hinter welcher fich die St. Clemens-Kirche verſteckt. Der Dftküfte find jchmale ſandige Marjchbildungen angelagert.
Das in den legten Jahren entjtandene und rajch emporgelommene See: bad Wittdün (f. d.) liegt auf der Südfpige der Jnfel, n. der Hafen Steenodde, weitl. auf den bier beginnenden Höhen fteht der Leuchtturm, der höchſte der deutſchen Nordjeefüfte, dad Drehfeuer leuchtet in 67 m Meereshöhe und ift 22 Geemeilen weit fichtbar. In der Mitte der Inſel folgen aufeinander Die Dörfer Süddorf, Nebel und Norddorf, fie haben fich durch den ftark zunehmenden Verkehr jehr gehoben, die Lage inmitten gutgepflegter Gärten mit vielen Objft- bäumen ift anjprechend. Bei Norddorf liegen 2 Seehofpize, Schöpfungen des Paftors von Bodelichwingd. Hier finden Erholungsbedürftige aus anfpruchs: loſeren Lebensverhältniffen gute Aufnahme; aber auch in den Ortſchaften ift ausreichende Wohngelegenheit vorhanden. Zu erwähnen ift noch dad Kurhaus Satteldün, welches ifoliert in den Dünen liegt mit einem hübſchen Kiefern: gehölz nahe dem Strande. Von einer bier befindlichen hohen Düne bietet fich ein weiter jchöner Rundblick. An den Badeſtrand führt eine Bretterbahn mit Pferdebetrieb. Eine Spurbahn, von Wittdün ausgehend, dient während der Sommermonate dem Verkehr auf der Inſel, fie geht auch nach dem Kniep— jander Badeftrande, der fich durch ſehr kräftigen Wellenfchlag auszeichnet. Die Bevölkerungs Amrums ift friefifcher Abkunft, fie beanfprucht ein befonders edler Stamm zu fei. Amrum zeichnet ſich durch reiche Flora aus, Enzian, Gras: nelfen und andere Blumen gedeihen bier in Fülle, die Dünen und die fleinen Hölzungen find Hier der Aufenthaltsort vieler Kaninchen, welche gejagt werden.
Für Altertumsforfcher ift die nordweftlich von Nebel befindliche altheidniſche Opferjtelle von Interefje: ein von Dünenmwällen eingerahmtes 100 Schritt Ianges und 80 Schritt breites Tal mit 22 verjchiedenen Steinfreijen von mannigfaltiger Form und Größe.
Von Norddorf aus kann die Südfpike Sylt® an bejtimmten Tagen mit Dampfichiff in einer Halben Stunde erreicht werden. Für direfte Verbindung Amrums mit verjchiedenen Häfen der Nordjeetüfte während des Sommers ift geforgt.
Angeln, Halbinjelartige Landichaft zwiſchen Flensburger Förde und Schlei, fruchtbar, ftark bevölkert, Tandjchaftlich reich ausgeftattet, Kleingrund: bejig ift vorwiegend.
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Apenrader Bucht, 10 km lang, 3"/ km breit, öftlichen Winden aus: geſetzt, kann aber große Handelsſchiffe und tiefgehende Kriegsichiffe aufnehmen. Die Schiffahrt war zeitweilig recht bedeutend.
Arlau, entipringt in der Gegend von Sollbrüd, nimmt die aus der Gegend von Lömenftedt-Oftenau kommende Oftenau füdli von Almdorf auf und ergießt fich beim Reußen=Hafen (gegenüber der Hallig Nordftrandijchmoor) in die Nordfee.
Aunewig, Bucht zwifchen Heilsminde und Haberslebener Damm, in welche der von Sillerup fommende Sillerupbel, mit einer Eleinen Nebenau, eins mündet.
Banfeldamm, Bantieldanın, See, ſüdöſtl. von Habdersleben, von ziemlich runder Form, ca. 1'/s km breit und ebenfo lang, 217 ha groß, fteht durch einen ſchmale Rinne mit der Dftjee in Verbindung; der See gehört zu Ultang (Soed) und ift filchreich.
Beenshnllig, Kleine unbewohnte Hallig zwilchen Pellworm und Gröde, zum Kr. Hufum. Auf der Karte ift eine Bafe dort vermerft.
Bokenau, Keine Au in Schwanfen, welche Schwanftrum vorbeifließt und zwiſchen Dorotheenthal und Boknis in die Ditfee fließt.
Bongfieler Kanal ift 1856 fertig geitelt. Er nimmt zwifchen den Dörfern Enge und Bargum die Soholmerau (ſ. d.) auf, jpäter bei Waygaard den nachgebliebenen nördlichen Arm der Soholmerau (nach dejjen Vereinigung mit der Lederau), alddann einen füdlichen Arm der Soholmerau und ergießt fd) bei Bongfiel (Ockholmhafen) mittelft einer Holz: und einer Steinfchleufe in die Nordſee.
Borrishoded, Hohes Ufer an der Oſtſpitze der Halbinfel Broader.
Bredeau, Bredau, entjteht aus dem Fiſchbek und dem Schmedebet (wird auch NRiisbel genannt). Der Fiſchbek entfpringt zwiſchen Toftlund und Aggerihau, wendet fi zunächit nad; Norden und dann nach Süden, nimmt den Friskjerbek auf, fließt Norderlügum vorbei, vereinigt ſich vor Ulftrup mit den Schmedebek und Heißt nun Zohbel. Er nimmt die Zandebyau anf, fließt unmittelbar Lügumkloſter vorbei, erhält den Namen Bredeau und fließt Brede vorbei. Nun wendet der Fluß fich nach Nordweften, nimmt ben Rögelftrom auf fließt zwijchen Forballum und Mebolden und ergießt fich in die Nordſee. Schmedebek entjpringt in der Gegend von Aggerichau, fließt füdlich Branderup vorbei und vereinigt fich mit dem Fiſchbek.
Brönsau, Uhlbek mit dem Ellerbach, Sölvbek, Bjönterbet, Steenbel, Elbek, Holbel, mündet mit vielen und ftarken Krümmungen weftlich vom Kirch: dorf und Eifenbadnftation Bröns (Kr. Habersleben) in die Nordjee.
Däniſchenwohld, Däniſchwohld. Halbinfelartige Landſchaft zwifchen Edernförder Bucht und Kieler Bucht, bezw. Kaiſer Wilhelm-Kanal. Großgrund— befig wiegt vor.
Erernförder Bucht (Förde), 15-20 km lang, mit dem Windebyer Noor. Vernichtung ziveier dänischen Kriegsichiffe am 5. April 1849 (f. Eden: förde). Es wird jeßt füdlich der Stadt nahe der Ehaufjee ein großer Leucht: turm gebaut.
Die Eider ift in ihrem Mittel: und Unterlauf der Grenzfluß zwiſchen Schleswig und Holftein — ein Stüd de3 Kreiſes Rendsburg Liegt allerdings nördlich der Eider. Sie entfpringt jüdlich von Kiel im Bothfamper Gut, geht aus dem Bothkamper See in jüidlicher Richtung nach Brügge, nimmt den Abfluß des Bordesholmer Sees auf und wendet ſich wieder nach Norden in der Richtung
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nach Kiel. Sie erweitert fih zum Schulenjee, fließt aus diefem nach Weiten und erreicht den Weftenfee und weiter nördlich den Flemhuder See. Vom Gut Steinrade an führt fie den Namen Schirnauer See und Obereider und teilt fi) vor Rendsburg in zwei Arme, welche eine Inſel einjchließen, auf der die Altjtadt liegt. Hier ftand im 11. Jahrhundert die Reinholdsburg. Nach der Wiedervereinigung Heißt fie Untereider, wendet ſich zunächſt nach Süden, dann nach Weften und fließt mit vielen Krümmungen durch weite Marſch— gelände, welche durch Deiche vor Überſchwemmungen geſchützt find. Bei Friedrich: ftadt ift fie 180 m, bei Tönning 300 m breit. Ihr ganzer Lauf von der Duelle bis zur Nordjee ift etwa 185 km lang. Unterhalb der Stadt Tönning erweitert fie fi) und bildet einen Meerbufen von 10 km Breite und 15 km Länge. Der Fluß trägt daher feinen Namen nicht mit Unrecht, denn Eider heißt Meerestor (Tor des Meeresgotted Aegir, Aegir dora). Durch den alten 1784 vollendeten ichleswig=holfteinifchen Kanal, der den Mittellauf des Fluſſes mit der Kieler Förde verband, wurde er für Flußichiffe und Kleinere Seeſchiffe zu einer beliebten Waſſerſtraße zwifchen Nord» und Dftjee. Nach der Eröffnung des Kaifer Wilhelm: Kanals 1395 Hat der Schiffsverkehr auf der Eider bedeutend abgenommen. Die Eider empfängt an Nebenflüffen — neben kleineren aus Holftein — aus Schleswig den Abfluß des Wittenjees bei Schirnau, die alte Sorge und neue Sorge (Unterforge) und als größten die Treene. — Fähren gehen über Die Eider: Lex-⸗, Hohner-, Bargener-, Sübderftapeler-, Friedrichftädter und Die Tönninger Dampffähre.
Der Eiderfanal verband miittelft der Eider die Oſtſee und Weftfee. Die Strede Kiel— Rendsburg war durch Kanalanlage ſchiffbar gemacht, während die Schiffahrt von Rendsburg bis Tönning durch Regulierung und Vertiefung der Eider ermöglicht wurde. Der Bau wurde 1777 angefangen und in 7 Jahren vollendet, der 100jährige Gedenktag der Einweihung ift (vor Beginn des Baues de3 Kaiſer Wilhelm-Kanals) feitlich begangen. Zur Herftellung diejer fir damalige Beit bedeutenden Berkegröftraße wurden Soldaten herangezogen und die Fluß: betten der Levensau und der Eider mit benußt. Der Weſtenſee und Flemhuder See bildeten die großen Wafjerbehälter zur Speifung des Kanals. Für die Linie Kiel— Rendsburg waren 6 Schleufen erforderlich, um den Abfluß des Waſſers zu verhindern und die Schiffe von einer Kanalftrede zur anderen binaufzubefördern und wieder Hinunterzulajfen. Der ca. 33 km lange Kanal hatte eine obere Breite von reichlich 23 m, die Sohlenbreite war 17 m und Tiefe 3'/a m. An beiden Seiten des Kanals jowie an der Nordfeite der Seen war ein Ziehweg eingerichtet, um bei widrigem Winde die Schiffe durch Pferde zu fchleppen. Der Kanal wurde in der lebten Zeit alljährlich von ca. 4000 Schiffen paffiert; er Hat zur Erleichterung des Verkehrs in hohem Maße beigetragen. Das Werk war für die damalige Zeit mit ihren dürftigen Staatseinkünften und ihren mangelhaften technifchen Mitteln ein bedeutendes Unternehmen, welches T!/a Millionen koftete und eine Verzinfung von ca. 2 °/o ergab.
Eiderftedt, Landichaft, Halbinfel in der Nordfee, nördlich fließt die Hever, ſüdlich die Eider (j. Kr. Eiderjtedt).
Flensburger Förde fchneidet zunächit als 50 km lange Außenförde von Sidoften nad) Nordweften in das Feftland ein, an der rechten Seite der Einfahrt ift Kelenishoi (Hohes Ufer) auf Alfen mit einem Leuchtturm, an der linten die Geltinger Birk. Ein Feuerfchiff am Eingang vor dem fogen. Kalf- grund warnt vor dem Flachwafjer, während nachher die Zwillingstürme des hochliegenden Dorfes Broader als Seezeichen dienen. Bei Holnis bildet die
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Förde mit dem fich anfchliegenden Nübelnoor ein Knie und zieht fi) als Innenförde 15 km lang und 3 km breit von Nordoften nad) Südweſten bis Flensburg.
Wenningbund, Meerbuſen, ſchneidet von der Flensburger Außenförde nach Nordweſten in den Sundewitt ein und bildet die nach Südoſten gerichtete Halbinſel Broacker.
Nübelnoor iſt mit der Förde durch den Ekenſund verbunden. Die Linie Weſten — Often von Gravenſtein nah Nübel beträgt 4km (im Norden weniger), die Linie Süden — Norden von Ekenſund nach Atzbüll 2'1/e km (im Often weniger). An der Südwejt-Ede am Alfnoor liegt da3 von Waldungen umgebene Gravenftein (f. d.). Ungefähre Fläche des Noors 800 ha.
Föhr, nordfriefiiche Infel im Kr. Tondern, mit 2 Amtsbezirten: Dfter- land-Föhr mit den Gemeinden Alterjum, Boldirum, Midlum, Övenum, Brirum, Niblum; Weſterland-Föhr mit den Gemeinden Borgjum, Dunfum, Goting, Hedehujfum, Oldſum-Klintum, Süderende, Toftum, Uterfum, Witjum. Sie it 13 km lang (W.—D.), 5—8 km breit, 82 qkm groß, 9 km vom nächſten Hafen Dagebüll entfernt und fteht mit diefem jowie mit Hamburg und Huſum in regelmäßiger Dampfichiffsverbindung. Wefterland: Föhr gehörte früher zur dänijchen Enklave (ſ. Mögeltondern). Föhr ift durch die vorliegenden Inſeln gejchügt und durch Deiche, welche fich um die Inſel ziehen, gegen die Fluten gefichert. Im W. tritt an die Stelle des gewöhnlichen Deihes auf eine Länge von faft 4 km ein Steindeich. Die Südküſte bildet 3. X. ein 10 m hohes Kliff, welches aus Sand beſteht. Diejer jchügende Wall (f. Soting) wird aber durch Einwirkung der Fluten und der ftarken Winde, welche den Sand davontragen, immer Heiner, ſodaß Mafßregeln getroffen werden müßten, um diefe natürliche Wehr zu erhalten. Bei jehr niedriger Ebbe kann man von Üterfum zu Wagen Amrımı erreichen. Eigentliche Dünen gibt es auf der Injel nicht. Der höchſte Punkt ift der 13 m Hohe Sülwert bei Witſum. Eine Landipige an der Weſtküſte heißt Näshörn. Der ſüdliche und ſüdweſtliche Teil der Inſel ift nicht unfruchtbares bHochliegendes Geeftland, welches an zwei Stellen in das nördlich darüber liegende Marfchland Hineinragt. Die meiften Dörfer liegen auf der Grenze von Geeſt und Marjch und haben Geeſt— und Marfchland. Ader und Wicjen befinden fih in guter Kultur, an Baum: wuchs, auch an Obftbäumen, übertrifft Föhr die anderen Anfeln, die Dörfer find von Bäumen umgeben und haben freundliche Gärten. Die Bewohner [prechen unter fich noch die nordfriefiiche Sprache, die aber mehr und mehr von der plattdeutfchen verdrängt wird. Kirchen- und Schuljprache ift hochdeutſch. Die Infel Hat 3. 3. etwa 4600 Ew. Im 17. und 18. Zahrh. wurden die holländischen und englifchen Grönlandfahrer meiftens mit Anfelfriefen bemannt. Ende des 18. Jahrhunderts lebten 1000 Seefahrer, darunter 150 Sciffsführer auf der Injel. Wie überall in diefen Gegenden bat auch bier die Geejchiffahrt ab- genommen und die Bevölkerung wendet fich mehr der Landwirtichaft zu. Die Inſel hat mehrere VBogellojen von Bedeutung (f. Borgſum). Bemerkenswert ift der alte Burgwall bei Borgſum.
Schon in Waldemars Erdbuch beitand Föhr aus zwei Harden. Die Befterharde erwarben die Zembeds und im Jahre 1400 erftand die Königin Margarete diefe Harde, welche beim Amt Ripen blieb. Schröder fagt u. a. folgendes: „Die ſüdliche Hälfte der Inſel Hat Hohes Ufer und fandigen, aber doch fruchtbaren Boden, die nördliche aber ift angeſchwemmtes Marjchland und mit einem hohen Deich geſchützt. Die Dörfer liegen fajt alle auf den Grenz»
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ftrichen der Marjch und Geeft. Waldung findet ſich gar nicht. Die Bewohner haben manched eigentümliche, da fie friefiicher Abkunft find; ihr wichtigiter Nahrungszweig ift die Seefahrt, der Feldbau wird auch Hier vielfach in Ab- wejenheit der Männer von den Frauen beforgt. Ein wichtiger Erwerbszweig ift bier wie auf Sylt der Bogelfang, namentlich der der Kridenten.“
Seht wird die Inſel Föhr in 2 Amtsbezirke geteilt, in Ofterlandföhr und Wefterlandföhr, zu erjterem gehören 6, zu leßterem 9 Landgemeinden. Wü ift ftädtifche Gemeinde (f. oben). An Wyk, wo 1819 das meltbefannte Seebad gegründet wurde, ſchließen fi Boldirum, Wrirum und Övenum an, in der Mitte liegen Midlum und Alkerfum, im Weiten folgen Toftum, Klintum, Old— ſum und Süderende nacheinander, ganz wejtlich liegen Dunfum und Uterfum, an der Südküſte Hedehufum, Witfum, Borgfum, Goting, Nieblum. Die fandige Nordhälfte der Inſel ift nicht bewohnt. Föhr Hat 3 Kirchen: bei Boldirum, nicht weit von Wil, fteht die St. Nilolaikirche, in Niblum die St. Johannis» firche und im Weften die St. Laurentiikirche. — In Uterſum hatte der Organift und erfte Lehrer Philippſen eine Alterfumsfammlung von Stein- und Bronze— fachen angelegt, welche in den Befiß de3 Frieſenmuſeums übergegangen iſt. Diejes enthält eine prähiftorifche und eine naturfundliche Abteilung, erftere 1160 Nummern, lebtere viele präparierte Mollusfen. Ein Neubau jol aufgeführt werden. — Wyf hat im Auguft 1906 das 200jährige Jubiläum als Stadt mit einem SHeimatfeft gefeiert, dev impojante Feitzug brachte die Gruppe der Föhrerinnen in ihrer Landestracht, die der Seehundsjäger und Walfiichfänger u.a. m.
Galmsbüll, ein von den Fluten nach und nach zerftörtes Kirchipiel auf einer zum Amt Tondern gehörenden Inſel, durch jede Flut ift die Zerftörung weiter fortgejchritten, im 3. 1625 betrug das Areal 283 Demat. In den Jahren 1700 und 1701 ward dieje Inſel mitteljt eines Dammes landfeſt gemacht, fie war ziemlich ſtark bewohnt.
1788 waren bier noch 43 Häufer und 54 Familien, aber nach der Flut 1825 find die Einwohner nad) dem Marienkoog gezogen. Eine kleine nach: gebliebene Erhöhung vor dem Marienkoog Heißt Galmsbüllknapp. Die erite Kirche fommt ſchon früh vor und mehrere hölzerne find in der Folge den Wellen zum Opfer gefallen. 1749 wurde eine Kirche aus Stein erbaut, welche aber bald einzuftürzen drohte und 1788 abgebrochen wurde. Die Glode kam nach Fahretoft, dort zerſprang fie. In den älteften Zeiten und befonders im 18. Jahr: hundert ward hier eine große Quantität Salz aus Moorerde bereitet, es wurde von 16 Salzſchiffen verfrachtet. 1768 waren nur noch 6 ſolcher Schiffe vor— handen und 1782 hörte diefer Erwerb auf.
Geltinger Bucht, an der Nordlüfte Angelns, mit Geltinger Noor an der Dftfeite. Der innere Winkel der Bucht wird Ohrfelder Haff genannt.
Gjenner Bucht, nördlich von Apenrade, 4 km lang, 1'e km breit, mit der Inſel Kald, 1 Landftelle und 4 Häufer. Der Kallesbek und ein vom ſüdlich gelegenen Loitlirfeby kommender Bach erweitern fich zu einem Heinen See, welcher in die Bucht Abfluß Hat. Vor der Bucht liegt die Inſel Bars.
Haderslebener Förde, 14 km lang, /s—”/ı km breit. Auf der Nord: jeite des weftlichen Endes liegt die Stadt Hadersleben und an deren Weitjeite — durch eine fchmale Rinne mit der Förde verbunden — der Haderslebener Damm (See), 5 km lang, Ya—/ı kın breit. In den Damm mündet, von Weiten fommend, die Törninger Mühlenau, welde mit dem Stevening
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Damm (See, ca. 30 ha groß) in Verbindung fteht. In letzteren mündet der Boyenäbel.
Haderslebener Neß, Halbinfel zwijchen der Haderölebener Förde und den jüdlichen Einbiegungen der Küſte: Sandwig, Schliefsmiünde.
Halligen (AbHänge) find als Überbleibfel der allmählich zertriimmerten Marſchlandſchaft Nordftrand, welche ehedem die weite Bucht von Hufum aus: füllten anzufehen. Es find folgende: Helmſand (in der Meldorfer Bucht), Süder: vog, Südfall, Norderoog, Bohnshallig (zu Nordftrand gehörend), Nordftrandifch: oder Klein-Moor, Hooge, Beenshallig, Hamburger Hallig, Habel, Gröde mit Appelland, Langeneß-Nordmarſch, Dland, Jordſand (f. die Art.).
Eine Hallig fteigt mit ſtark zerllüfteten und zerriffenen ca. /a—1'/s m hohen Wänden ſenkrecht aus der Wattenebene, welche zur Zeit der Ebbe troden daliegt und bei Flut wieder überſchwemmt wird, empor. Sie liegen als freundliche Dafen in der Wattenmwüfte (auch Augen des Meeres genannt) und find große Marjchweiden, belebt mit gut genährten Rindern und Schafen. Eine Hallig ift ein Wiejenteppih, der im Juli fein Feftgewand anlegt, wenn unzählige bunte Blumen aus dem grünen Untergrund fi) abHeben und das Auge erfreuen. In beftimmter Reihenfolge werden einzelne Stiide gemäht und Heu gewonnen. Die Injeln find von Heinen und größeren Waſſerrinnen, Schlote oder Priele genannt, durchzogen, in ignen wimmelt es von Tieren mancherlei Art; die größeren Ein: idnitte werden aud) ald Kanäle benubt. Der Verkehr über dieſe Gräben geht über wenige ſchmale Stege, für dad Vieh und die Heuwagen find vereinzelt Damme oder Brüden Hergerichtet.
Sm Frühjahr und Herbft lafjen fi) Echaren von Zugvögeln auf den Inſeln nieder, Eier von Möwen und Enten werden in Mengen gejamnıelt.
Die Häufer liegen einzeln auf den angehöhten fogen. Werften oder Warften. Die Inftandhaltung ift mit Arbeit und Koften verknüpft, daher ift der für fie beftimmte Raum Elein, nur das Wohnhaus ift von einem ſchmalen Gang an den Seiten umgeben. Außerdem befinden ſich auf diefer Anhöhe die Stallungen, die Zifterne zum Sammeln des Regenwaſſers von den Dachflächen und eine Grube oder Teich, Fething genannt, welche das Vieh mit Waller verjorgt. Das Hallighaus, von Dft nach Weit gerichtet, ift einfach, es Hat erdfefte Etänder und ftarfe Holzverbände, um den Hochfluten Widerftand zu leiften. Die Firft it mit Raſen belegt, Schmud der Giebel ift nicht vorhanden, die Zimmer find Nein und niedrig. Die Gärten liefern dad Gemilfe und weiſen einige Blumen auf, prächtig gedeiht der Hollunder, ab und an findet man Obftbäume. Als Feuerung dient der Kuhdünger, welcher jtörenden Geruch nicht gibt.
Die Bewohner leben in erfter Linie von dem Ertrage des Landes, ſodann vom Fifchfang, Krabbenfang (Porren), Eierfammeln.
Es ift befannte Tatſache, daß die geſamten Halligen in den legten beiden Jahrhunderten bedeutend an Areal und Bevölkerung verloren Haben, man nimmt an, daß feit der Vermefjung von 1713 etwa die Hälfte des Landes eingebüßt ift.
Nach der Vermefjung von 1882 Hatten die Halligen noch etwa 2500 ha, gegenwärtig faum 2000 ha mit etwa 500 Einwohnern (nach anderer Aufrechnung ca. 2230 ha, 96 Wohnftätten und 385 Einwohnern). Neuerdings werden bon der Staatäregierung Maßregeln ergriffen, um die Halligen vor dem Untergang zu bewahren; für diefen Zweck find bereit3 1’/; Millionen Markt aufgewendet und es fcheint — mit gutem Erfolge .(f. die einzelnen Halligen).
Bon dem eigenen Wert abgejehen, befigen die Halligen die größte Be- deutung als Stüßpuntte für die Rückeroberung des ganzen fchleswigichen Watten—
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meeres (vergl. Traeger: die Halligen der Nordfee mit Karte von Würzburger, 1: 150000, Stuttgart 1892, ferner die Rettung der Halligen von demfelben mit 10 Abbild. und Skizzen, Verlag von Hobbing & Büchle in Stuttgart 1900).
Heilsminder Bucht ftcht durch eine ſchmale Wafferftraße mit bem weft- lich angrenzenden Heilsminder See, 2'/s km lang (N8.— SD.) und ca. 1 km breit, in Verbindung. Die Landesgrenze geht mitten durch den See, eine neue Fiſchereigrenze ift 1905 zwifchen der preußijchen und dänifchen Regierung ver- einbart, die von Taps (Zürland) fommende Tapsau fließt Chriſtiansfeld vor- bei und miindet in den ©ee.
Hörup-Haff fchneidet von NW. Her in den unteren Teil von Alfen ein und bildet die Halbinfel Kekenis.
Hufumer Au entipringt bei Wefter-Ohrftedt, nimmt eine andere von DOftenfeld kommende Au auf und ergießt fich jüdlich von Hufum in die Hever, welche fich fildlich um die Inſel Nordſtrand zieht und gewilfermaßen als Fort⸗ jegung anzuſehen ift.
Kaiſer Wilhelm: Kanal, Nord-Oftfee-Stanal, verbindet die Elbmündung mit der Kieler Förde. Am 3. Juni 1887 legte Kaifer Wilhelm I. den Grund- ftein zur Holtenauer Schleufe, am 21. Juni 1895 wurde der Kanal durch Kaifer Wilhelm Il. in Gegenwart von Bertretern aller feefahrenden Nationen feierlich eröffnet. Der Kanal ift im Durchſchnitt auf Oſtſeehöhe gebaut, db. 5. der Waflerfpiegel Hat gleiche Höhe mit dem mittleren Stande der Oftfee. Die Breite des Waſſerſpiegels beträgt an den jchmalften Stellen (den Einfchnitten) 67 m, die Sohlenbreite 22 m, die Tiefe 9 m; die Ranallänge ift 99 km. Die Mündungen in Holtenau und Brunsbüttel haben je zwei Schleufen, eine für die Einfahrt und eine für die Ausfahrt, jede Schleufe Hat 150 m nutzbare Länge und 25 m nußbare Breite, die Holtenauer Schleufe tft 9,80 m tief, die Brunsbütteler 10,27 m tief. Gegen Hochwaffer wird jede Schleufe durch Sturm- torpaare geſchützt, mittlere Torpaare dienen dem Ausgleich der Niveaubifferenzen. Die Tore gegen die Oftfee ftehen meiftens offen, da ber Waſſerſtand nur inner: halb der Grenzen von + — 0,5 m ſchwankt. Auf Drehbrüden überfchreiten den Kanal die Eifenbahnen Itzehoe — Heide bei Bahnhof St. Margarethen und Neu: münfter— bezw. Kiel— Schleswig bei Rendsburg. Sowohl die Drehbrüden wie die Schleufen werden Hydraulifch betrieben. Auf Hochbrüden werben die Bahnen Neumünfter— Heide— Tönning bei Grünenthal, und Kiel— Edernförbe bei Levensau mit 156 m und 162,6 m Spannung über den Kanal geführt. Die Unterlanten der Brüden liegen 42 m über dem Stanaljpiegel, e8 können daher Schiffe mit ſehr hoher Takelung unter denfelben Hindurchfahren. Ferner find für Wagen- und Fußgänger-Berlcehr 3 Drehbrüden und 18 Fähren vorhanden. Im Kanal jelbft find 6 Ausweichjtellen vorgejehen; die eleltrifche Beleuchtung des ganzen Kanals Hat fich durchaus bewährt. Die erlaubte Fahrgeſchwindigkeit beträgt per Stunde 10 km, fodaß die Dampfichiffe ihn in etwa 10 Stunden paffieren, Kriegsichiffe brauchen im Ernftfalle einige Stunden weniger. Der Berlehr bat fi von etwa 17000 Schiffen im Jahre 1895/6 auf 30000 Schiffe (14000 Dampf: und 16000 Segelfchiffe) im Jahre 1902/3 gehoben. Für die Küften: fifcherei hat der Kanal durch die Laichpläße der Heringe befondere Bebeutung erlangt; Fiſche aller Art leben darin. Das Waller ift falzhaltig. Eine gänz- liche Bereifung des Kanals tritt nicht oft ein. — Bon Brunsbüttel aus geht ber Kanal zunächſt durch die Marfchniederung des Brunsbütteler Kooges (Dreh: brüde) und durch den Kudenjee, daun folgt er dem Tal der Holftenau bis Grünenthal (Hochbrüde), geht in nordöftl. Richtung weiter, folgt ber Niederung
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der Gieſelau und zieht ſich dann nahezu parallel mit der Untereider durch moorige® Gelände bis Rendsburg. Er wendet fi) im Bogen um die Stadt und tritt oberhalb derjelben in das Gebiet der Obereider Seen. Bei Steinrabe verläßt der Kanal die Eider, hält vielfach die Richtung bes früheren Eiderkanals inne und geht zwifchen Hohen Uferböfchungen dahin; hübſche Partie ift bei Seheftedt, Hochbrüde bei Levendau, ſchöne Ufer bei Knoop, vor der Holtenauer Schleuſe Brahmdrehbrüde. Die Baukoſten betrugen 156 Millionen Mark, wovon u Millionen vorweg auf Preußen fielen. Die jährlichen Ausgaben für Betrieb und Unterhaltung belaufen fi) auf 2 Millionen Mark, welche Summe jebt nahezu aus den ftet3 wachjenden Einnahmen gededt wird. Der Wert des Kanals liegt in erfter Linie in feiner ftrategifchen Bedeutung, innerhalb 24 Stunden it eine Berbindung der beiderjeitigen Seekriegsmacht möglich. Aber auch für die Handelsflotte ift diefe Waſſerſtraße von großer ‚Wichtigkeit, Die Kanalfahrt erjpart jedem Damıpfer die Zeit von etwa 24 Stunden. Am meiften kommt der Kanal der Küftenfchiffahrt zu gute: unfere Elb:, Wefer: und Emshäfen können in ihrem Frachtverkehr mit den Oftfeehäfen nunmehr den Wettbewerb mit den nördlihden Häfen Englands aufnehmen. Eine Hebung der deutfchen KKüften: hiffagret ift nunmehr zu verzeichnen. Schleppdampfer und eine große Anzahl von Lotſen ftehen dem Betrieb zur Verfügung. Die Einfahrten find mit Leucht: türmen verjehen, die Mündungen bei Brimsbüttel und bei Holtenau durch Bes jeftigungswerte gejchügt.
Inzwiſchen Hat es ſich Herausgeftellt, daß die Größenverhältniffe bes Kanals ſelbſt und namentlich der Schleufen für die jet im Bau befindlichen Banzerfchiffe nicyt ausreichen. Pläne für Neubau werden ausgearbeitet und Verhandlungen find eingeleitet.
Kieler Bucht mit dem Kieler Hafen erxftredt fich im ſſweſtl., faft ſüd— licher Richtung ca. 18 km landeinwärts, 3—Ö5 km breit, 15—2U m tief; die nördliche Hälfte der Weitfeite mit Friedrichsort und Holtenau gehört zu Schles— wig (fr. Edernförde). Leuchttüirme find in Bülk, Friedrichdort, und 2 in Holtenau zur Markierung der Einfahrt in den Kaijer Wilhelm⸗Kanal. Neben Friedrichs: ort wird das Fahrwaſſer durch ein vorjpringendes Sandriff bis auf 1 km ein» geengt, weshalb der Leuchtturm fchon 1815 errichtet wurde. Südlich davon, wo das jchleswigfche Ufer cinen Bogen macht, beginnt der. eigentliche Kieler Hafen, der faft ohne Strömung ift, durch Anhöhen gegen Winde gejchügt wird und Raum bietet die größte Kriegsflotte aufzunehmen. Zur Abwehr feindlicher Kriegsfchiffe dienen die ftarken Feftungswerte auf beiden Seiten. 2 Landforts auf jchleswigicher Seite filhern den Hafen gegen Angriffe von der Lanbjeite.
Kleiner Belt, Meerenge zwifchen dem Feftlande und däniſchen Inſel Fünen, ift von Friedericia bis zur Inſel Alfen 52 km lang, 630 m bi 15 km und nördlich von Alfen 30 km breit, 9—26 m tief und wird ber heftigen Strömungen und Krümmungen wegen nur wenig benußt; in deimfelben liegt die deutfche Inſel Aarö, zwiſchen diefer und dem Feftlande die 2 km breite Inſel Aardfund.
Klima, Die mittlere Jahrestemperatur des Landes ift wegen der Nähe des Meeres und der vorherrfchenden Weftwindbe nicht Hoch, etwa 8° C im Mittel, 3. B die von Apenrade nur 6°/ı0°, im Sommer durdjichnittlich 137%/100°, im Binter "/ıo?. Die Witterung Hat einen fehr unbeftändigen Charakter, Regen und Stürme find Häufig. Das Klima von Holftein ift etwas weniger raub, ftieht aber dem von Medlenburg und füdlich dev Elbe erheblich nach. Gleichwohl
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tann das Klima nicht als ungefund bezeichnet werden. Das früher in den Marfchen Häufig auftretende fogen. Marjchfieber ift fait verſchwunden.
Die Königsau oder Schottburger Au bildet jeit der Grenzregulierung von 1864 in ihrem mittleren Lauf auf einer Strede von 24 km die Norögrenze unferes Landes. Sie entipringt in dem jütifchen Kirchſpiel Oddis und ergießt fi) nördlich von Ripen in die Nordfee. Ihr Bett ift tief und breit und an den oftmals recht Hübfchen Ufern ift fie von zahlreichen alten Gräben begleitet. In alter Zeit trat die natürliche Grenze deutlicher hervor, da der Fluß auf feinem oberen Laufe jchon eine anjehnliche Breite hatte. Bon den nordijchen Schriftjtellern wird das Herzogtum ald das Land ſüdlich der Au bezeichnet. Jetzt ift die Mündung verfandet. Eine bedeutende Brüde und Eingang in Jütland iſt bei Foldingbro (Dover), ferner nördlich von Schottburg.
Kojeler Au kommt aus der Gegend von Wiefeby, nimmt die von Gammelby und Barkelsby kommende Kohlholmer Au auf und ergießt fich in das Ornumer Noor (Schlei). |
Kriegsereigniffe von Bedeutung fanden ftatt in folgenden Orten Schleswigs:
1. 1813.
Seheſtedt, Kr. Eckernförde, Treffen am 10. Dezember 1813, ſ. Seheſtedt.
2. 1848/50.
Friedridhsort, Kr. Edernförde, Verteidigung der Feitung, f. Friedrichsort.
Bau, Kr. Flensburg. Eine kleine aus Studenten, Turnern und anderen Freitwiligen gebildete Armee von 4—500 Mann war nach Flensburg verlegt und von da nach Glücksburg, Bau, Schmedeby, Krufau, Niehaus, Klus, Fröslee, Harriölee, Elund und Handemitt detachiert, ein ehemaliger Offizier v. Krohn war zum ©eneral ernannt. Die Dänen, von Apenrade kommend, unterftüßt von den in Flensburg liegenden Kriegsichiffen, griffen am 9. April 1848 bie Schleswig-Holfteiner an, welche nach mutiger Gegenwehr fi um jo weniger behaupten konnten, als ihr Führer Major Michelfen ſchwer verwundet gefallen war; die meilten gerieten in Gefangenjchaft. Die Dänen zogen in Flensburg ein.
Altenbof, Kr. Edernförde. Eine Freiſchar von etwa 300 Mann ftand unter vd. d. Tann bei Altenhof und Hatte am Strande eine Heine Schanze er: richtet, welche mit einigen Kanonen, deren Lafetten aus dem Vorderteil eincs Wagens beftanden, armiert war. Die Dänen griffen von Edernförde aus am 21. April 1848 in aller Frühe an. Das Glück wollte es, daß eine aus Kiel tommende Abteilung von Freifchärlern zur rechten Zeit zu Hilfe fam und jo gelang es, etwa 800 gut disziplinierte Dänen in die Flucht zu fchlagen. Auf deutfcher Seite waren 20 Tote und 75 Verwundete, mithin jeder vierte Mann fampfunfäbig.
Marienthal, Kr. Edernförde. Es mar zu berfelben Zeit den Dänen von Edernförde aus gelungen, das bier poftierte v. Wasmerſche Freilorps zu überfallen und ihm 58 Gefangene nebft einiger Bagage abzunehmen.
Schleswig. In der Naht vom 22. auf den 23. April 1848 verließ bie deutjche Armee unter Wrangel Rendsburg. Es kam bei Schleswig zu einem größeren Treffen, in welchem Schleswig-Holfteiner, Preußen und Hannoveraner den dänijchen General zwangen das Schloß Gottorp zu räumen und den Rüd: zug anzutreten. Am Heißeften gefochten wurde auf der Annettenhöhe, im Pöhler Gehege, im Bulverholz und Tiergarten. Wie es immer der Fall war, fo hat auch bier jchlechte Kriegsführung, verbunden mit Rivalität unter den ver: Ichiedenen Kommandierenden, einen durchfchlagenden Erfolg vereitelt.
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Överfee und Bilſchau, Hr. Flensburg, Gefecht am 24. April 1848 zwifhen dem 10. Armeelorps und der dänifchen WUrrieregarde, in twelchem die Dänen der Übermacht weichen mußten (f. Överfee und Muntwolftrup, Kreis Flensburg).
Düppel, Kr. Sonderburg, 28. Mai 1848, ſ. Düppel.
Edernförde, Kampf am 5. April 1849, ſ. Edernförde.
Ulderup und GSatrup, fr. Sonderburg, Kampf am 6. April 1849 zwiſchen 6 Hannoverfchen Bataillonen, vereint mit Wiürttembergern und Badenfern, gegen 15 dänifche Bataillone, infolge defjen die Bunbestruppen zunãchſt zutüd: gingen (vgl. Düppel).
Idſtedt, Kr. Schleswig, Schlacht am 24. und 20. Juli 1850, T Foftedt und Stolk (Schwenshöh).
Sorgbrück und Duvenſtedt, Kr. Rendsburg, Gefecht am 8. Auguſt 1850. Am heftigſten wurde bei der Stentenmühle, Kr. Eckernförde, gekämpft. Das 2. und 3. ſchlesw.⸗holſt. Jägerkorps warf die Dänen auf Brekendorf zurück.
Miffunde, Kr. Edernförde, 12. September 1850 Angriff des Generals Bilifen auf den Brüdentopf von Mifjunde, wobei 291 Mann eingebüßt wurden. Auch diefe Unternehmung fcheiterte an der Unentjchloffenheit und Halbheit des General Wilifen. .
Sriedrichitadt, Hr. Schleswig, Beichiegung der Stadt am 29. Septentber und folgende Tage. Sturm am 4. Oktober, ſ. Friedrichitadt.
3. 1864.
Einmarfch der Preußen in Schleswig über die Eider bei Kluvenſiek am 1. Februar 1864. Bei Holtfee, Kr. Edernförde, treffen die preußifchen Reiter auf ſchwache dänifche Infanterie, welche nach Lehmfiet abzieht. Gefecht nordöſtlich von Friedensthal, der Feind geht auf Kochendorf zurück. Eckern— förde wird von den Dänen geräumt, Hauptquartier des Prinzen Friedrich Karl in Hohenlieth. Die Öfterreicher dringen von Rendsburg aus in "Schleswig ein und erreichen die Linie Biftenfee— Wittenjee. und die Sorge,
Am 2. Februar Vormarſch auf Miffunde.und Gefecht dajelbit.
Oberjelt und Sagel (f. d.), Fr. Schleswig, Kampf der Öfterreicher gegen die Dänen und Erftürmung des KRönigshügels, wobei die Öfterreicher 30 Offiziere und 403 Mann verloren.
Dad Dannewerk wird in der Naht vom 5. auf 6. Februar von den Dänen geräumt. Schleswig, 6. Februar Einzug des Prinzen Friedrich Karl mit dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm.
Wefterfatrup und Nübel, Kreis Esuberburg, Erfundungögefecht am 10. Februar, die Dänen gehen nach Radebüll zurüd. Vormarſch eines Teils. der Armee nach Hadersleben, Hauptquartier des Feldmarjchalld Graf v. Wrangel in Ehriftiangfeld, am 18. in Hadersleben (Kolding wird am 18. Februar von Gardehuſaren bejeßt, Fredericia am 20. März Aal
Radebüll und Staugaard (Stabegaard), Kr. Sonderburg, werden am 17. März genommen, von den Dänen zurücderobert und abermal3 genommen, Berluft der Preußen 16 Offiziere, 122 Mann, der Dänen 12 Offiziere, 664 Mann. Die Überlegenheit der preußifchen Infanterie hat fi) von neuem bewährt. In Gravenftein (bei der Familie Ahlmann) ift längere Beit bad Hauptquartier ded Prinzen Friedrich Karl gewejen.
Bon Broader aus Beſchießung der dänifchen Stellung bei Diippel (fiehe Dünth, Hr. Sonderburg).
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Ohrfeld, Ar. Flensburg, eine in der Geltinger Bucht gelandete dänische Abteilung verfucht am 9. März einen Überfall der dort poftierten Hufaren, wird aber zurückgewieſen.
YAardfund, Hr. Sonderburg, Landung der Dänen am 9. April wird durch Ulanen vereitelt. ’
Gjenner Bucht, Kr. Apenrade, ein deutfcher Wachtpoften unter Leutnant Strombel wird aufgehoben.
Bei Siüderballig und Hauft, Kr. Haderslichen, landen 200 Dänen unter dem frhwedifchen Leutnant dv. Raab, müfjen ſich aber nad Eintreffen cines Batailond auf ihre Schiffe zurüdzichen.
An der Weftküfte find Tönning, Friedridftadt, Hufum und Tondern vorübergehend von öfterreichifchen und preußifchen Truppen beſetzt
geweſen.
Düppel, Einnahme der Schanzen am 18. April (f. Diüüppel, auch Sand— berg). Zwiſchen Gravenftein und Agbiill nimmt König Wilhelm die Parade über die Sturmtolonnen fowie über die Brigade Soeben ab, am 22. April über die übrigen Truppen bei Feldftedt (Kr. Apenrade). General YAuguft von Soeben erwarb ſich in Schleswig unvergängliche Zorberen und galt in den [päteren Kriegen für einen der bedeutendften Hcerführer. Er führte 1864 die 26. Snfanterte-Brigade und Hatte Feldquartiere in Seheſtedt, Kochendorf, Karby, Steinberg, Flensburg, Warnig, Ulderup bei Paftor Feilberg („er ift viel älter als fie, die zweite Frau, eine Feine dide Kopenhagenerin“), bier war fein Quartier vor dem Sturm auf Düppel und vor dem Übergang nach Alfen; ver: ſchiedene Male war Goeben in Satrııp bei den „jehr geichägten Paſtors Krog Meyer” („ih bin alſo wieder in Satrup: Pfarre, babe den Baftor und die Baftorin unverändert und ſehr wohl gefunden“); in Ultebüll bei dem Bruder des Baftord Krog Meyer; Gravenftein.
Übergang von Satrupholz nad Alfen am 29. Juni 1864, f. Sonder: burg Forſtgutsbezirl (Menliel und am Schluß).
Hörup, Kr. Sonderburg (f. d.), Nachhutgefecht.
Die nordfriefifhen Inſeln, wofelbft der dänifche Kapitän Hammer mit feiner Flottile das Regiment führte, wurden Mitte Juli von dem ver— einigten preußijch » Öfterreichiichen Geſchwader befegt. Die Unternehmung war mit großen Schwicrigfeiten verbunden, da das Fahrwaſſer für die verhältnis: mäßig tiefgehenden Striegsfchiffe ſehr gefährlich und das Wetter ftürmifch war. 10 feindliche Fahrzeuge fielen in deutfche Hände.
Kronsbel, Leine Au in Däniſchenwohld, welche von Birkenmoor kommt, Osdorf dvorbeifließt und bei Aſchau (Altenhof) in die Edernförder Bucht mündet.
Krummmpbel, Bach im Süden des Sundewitts, fommt von Broader, fließt nad SO. und ergießt fih in die Flensburger Außenförde.
Küftenbezirtsämter, denen ältere Seeoffiziere z. D. vorftehen, find 6 vorhanden. Das III. der Dftfee Hat feinen Sig in Stiel, das VI. der Nordfee in Hufum. Die Küftenbezirksinfpeltoren fungieren als ftändige Reichskommiſſare für die Aufficht über die Scefchiffahrtszeichen. Den Küftenämtern unterftehen die an ihrem Stadtort befindlidden Hauptagenturen der Secwarte (Kiel), ferner die Windfemaphore und GSturmwarnungsftellen in Bezug auf Perfonal und Verwaltung.
Zangballigau, entjpringt unweit Grundhof in Angeln, flicht Terkels— toft und Unewatt vorbei, nimmt eine Heine von Weften kommende Au auf und ergießt fi) bei Langballigholz in die Flensburger Außenförde.
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Leckau, Lederau, entjpringt füdlich von Medelby, nimmt mehrere Heine Auen, u. a. Horöbel, Lanewatt, Brebet auf, fließt füblich von Led, gebt längs des Kobldammer- und Störtemerkerkoogs und vereinigt ſich mit dem nördlichen Arm der Soholmerau. Der durch beide Auen gebildete Fluß gebt bei Baygaard in den Bongfieler Kanal.
Levensau, ber einftige Grenzfluß zwijchen Holftein und Schleswig, ent: Iprang im Gut Warleberg und ergoß fich nach einem 10 km langen Lauf bei Holtenau in die Kieler Förde. In alter Zeit, namentlich im 15. Jahrhundert, verfammelten fi an geeigneter Stelle der Au (Suchsdorf) die Landftände beider Herzogtümer. Im Jahre 1692 war fie noch 8—10 Fuß tief und konnte Heine Schiffe tragen, im Laufe der Zeit verlor fie an Tiefe. Die Landitraße nach dem Dänifchenwohld ging bei Holtenan — an Stelle der (alten) Schleufe — mittelft einer langen Brüde Hinüber. Bon Rajensdorf (im Gut Quarnbel) erftredte fich eine Befeftigung, die fogen. „Landwehr“ oder „Klein-Dannewert,” bis nach dem Flemhuder See. Durch den Bau des Eiderfanald wurde die Au und zugleich jene Befeftigung befeitigt.
Zippingau, Öftergaarderan, entipringt in der Niederung zwiſchen Möllmark und Sterupgaard, fließt an den Dörfern Sterup, Wefterholm, Boltoft, Ofterholm und Stobdrup vorbei, wo fie die Esgruser Au aufnimmt, berührt Riesgrau und mündet öftlic von ſtergaard in die Geltinger Bucht.
Loiterau oder Füfingerau entipringt ald Mühlenau, nachher Oxbet genannt, in ber Nähe von Röft bei Kappeln, fließt in ſüdweſtl. Richtung nad) Rabentirchen. und nimmt einen aus der Gegend von Mohrlirchen kommenden Baflerlauf auf. Dann mündet weftli von Brebelhof die Wellfpangerau Wedelbel), jpäter Boholzerau genannt, ein, welche den Abfluß des Langfees bildet. Nach der Bereinigung berührt die Au das Kirchdorf Loit und Heißt Loiterau. Bei Scholderup geht die Chauſſee Miffunde—— Flensburg und bei der Kirche Kahleby die Landftrafe Schaalby— GroßBrodersby Hinüber. Sie ergießt fh als Füfingerau bei Winning in die Schlei, wo die fogen. Preilingsfähre binüberführt. Früher bildete die Loiterau die Grenze zwifchen den Gtrur: dorfer, Schlied: und Füfinger Harden und treibt die Mühlen von Rurup, Twedt und Scholderup.
Roiter-Halbinfel zwifchen der Gjenner Bucht und der Apenrader Förde.
Vageſchiftung — Tauſchgeſchäft.
Mühlenau im Däniſchenwohld entſpringt im Gut Uhlenhorſt, fließt an Dãniſchenhagen vorbei und mündet in den Fuhlenſee bei Strande (Kieler Bucht).
Nipsau, Ripener Au, mündet weſtlich von Ripen in die Nordfee; fie wird gebildet aus der Fladsau (Grammau) und Gjeldau, auch Jarde genannt, und nimmt bei Ripen die Hjortwattau auf. Hjortwattau fommt von Langtwedt und nimmt die Röddingau auf, nimmt ferner bei Klein-Bars- und die aus Engjerbet und Weſterbel fi) bildende Süderau auf, Heißt dann Hjortwattau, auch Zvedtau. Fladsau entipringt als Foosau (Fobisbel) bei Äddis in Jütland, bildet als Norderau auf 4km die Landesgrenze, wendet fich ſüdlich und fließt zwifchen Hoirup I und Stepping, erreicht Refſö (mo die Bjerndruper Au einmindet), Möllby (die Örftedtau mündet ein), Orenwatt. Gie nimmt den Selskjerbek auf und ſüdlich von Ofterlinnet die mit Roibüllbel vereinigte Zelferau und Heißt Gramman. Nun fließt fie Gramm vorbei, nimmt den von Norden kommenden Hornsbek auf, erreicht Nübbel, nimmt Kanal Nordftrom auf und heißt zulegt Fladsau. An den Grenzen vereinigt fie fi mit der Gjeldau. Die Gjelsau, Jarde, tritt nördlich von Hellewatt
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(Kr. Apenrade) als Goldbek auf und nimmt die don Often kommende Hors: bükau auf. Beide Auen bilden für einige Kilometer die Kreisgrenze. Sie fließt weſtlich Strandelhjörn vorbei, heißt Rudebel oder Süderau und erreicht Beftoft, Hjartbro, Yabel, fie Heißt num auch Jarde. Sie nimmt.cine don Often aus der Gegend bei Götterup (Toftlund) kommende Au auf und heißt Gjelsau. Sie flieht Gjelstoft und Gielsbro vorbei und vereinigt ſich an der Grenze mit der Fladsau.
Nordfriesland nimmt den langgeſtreckten Küſtenſaum von der Mündung der Hufumer Au bis zur Mündung der Widau ein.
Nordjee oder deutfches Meer, an der. fchleswigichen Keüfte Weſtſee genannt, gibt dem Weſten von Schleswig das beſondere Gepräge. Die Mcercs- tiefe ift nicht bedentend, nur 20—30 m bis itber die Inſeln Hinaus. Eine Strömung kommt aus dem Skagerrak, fie ift die Folge der zu.großen Waller: nıenge, welche die Oſtſee durch die vielen Flüſſe empfängt. Die Gezeiten. find von nroßer Bedeutung; mit zweimaligem Wechjel binnen 24 Stunden ftrömt das Waller zur Flutzeit in die „Tiefen“ (Juvretiefe, Liftertiefe, Bortrepptiefe) durch die vorgelagerten Inſeln dem Feitlande zu und fließt zur Ebbezeit zurüd, an einem Tage haben wir alfo zweimal Flutzeit und. zweimal Ebbezeit. Die Küftenfchiffahrt ift von Ddiefen Gezeiten abhängig, überdied wegen der vielen Sandbänfe und Watten gefährlidh. Bejonders‘ gefürchtet ift die Jammerbucht an der Weftküfte Jütlands. Zahlreich find die Leuchttürme, Tonnen und Balen, welche der Sicherung der Schiffahrt dienen, Rettungsboote liegen an vielen Stellen in Bereitichaft. Die Temperatur an der Oberfläche des Waſſers gebt im Sommer bis zu 16°, im Winter beträgt fie 2—4° C. Eisbildung konmıt nur im Wattenmeer und in den Flußmündungen vor. Das Oberflächenwailer bat im Mittel 34 Mille Salzgehalt. Die gefamte Natur, das Leben von Menſch und Tier an den Küften, auf den Inſeln und Halligen fteht im engjten Zu: fammenhang mit der Nordjee.
belingbef mündet von Weiter: Öbeling (zwiſchen Bröns und Reisby, Kr. Hadersleben) in die Nordfee.
Dftfee oder Baltifches Meer ift für den Dften von Schleswig von höchſter Bedeutung. Nah den Balten, einem Heldengeſchlechte der Weftgoten, welche einft am füdlichen Ufer wohnten, wird fie von alten Schriftftellern auch das Baltifche Meer genannt. Diefe Wafferfläche zwiſchen Schweden, Dänemark, Deutichland und Rußland erftredt fich im allgemeinen von SW. nad) NO., hat eine größte Zängenausdehnung von 1500 km von Lüber nach Haparanda, eine größte Breite von 680 km von Stodholm nach Petersburg, eine Heiufte Breite von 75 km ziwifchen Deutfchland und Schweden und einen Flächeninhalt von 430 97V gqkın (nad) anderen Angaben 440000 qkm). Mit der Nordfee hängt fie durch das Skagerrak zuſammen, wohin fie durch den Sund und die beiden Belte abfließt, außerdem wird noch die Verbindung durch den Kaifer Wilhelm: Kanal Hergeftellt (ſ. d.) Die Tiefe ift im allgemeinen nicht groß, an vielen Stellen nicht mehr als 15—30 m, auf größeren Streden 100 m, die größte Tiefe ſüdlich StodHolm fol 450 m betragen. Im Sommer fteigen die Tempe: raturen des Waſſers an den Küften jo Hoch, daß Seebäder auch im Norden möglich find, dagegen findet ſich auch) in Sommer in ber Tiefe von 55 m das Minimum de3 Winterd mit 0,5—2 °C. Der Salzgehalt ift nach Waffertiefe und Tage: und Jahreszeit fehr wechſelnd, im allgemeinen von Weften nad) Dften abnehmend, die Grenzen liegen zwijchen 10 und 30 pro Mille. Sn manchen Wintern wird an der Dftfüfte von Schleswig die Schiffahrt nicht
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behindert, in anderen, wie 1880/81, find die Häfen monatelang mit dickem Eis bededt. Es find auch Jahre vorgelommen, in melden die ganze Dftjee mit einer jo feſten Eisdede bededt gewefen ift, daß Reiter und Fußgänger auf ber: jelber von Dänemark und Schweden nad Deutichland und Rußland reifen tonnten. (Buchten und Inſeln ſ. d. Art.)
Mögel, Rögelftrom, bildet auf eine Strede von ca. 11 km die Sreis- grenze zwifchen Hadersleben und Zondern und ergießt fich bei dem ehemaligen Dorf Miſthuſum in die Bredeau.
Röm, Romö, ‚die nördlichfte der nordfriefifchen Inſeln, Amtsbezirk im Kr. Tondern mit den Gemeinden Juvre, Kongsmark und Kirkeby, 13 bis 14km lang (R.—6©.), 4-5 km breit, Areal 7—8000 ha, 6—10 km vom Feftland entfernt. Der Poftverlehr geht von Ballum nach Havneby an der Südſpitze.
Süderland-Romö gehörte früher zur däniſchen Enklave (f. Mögeltondern).
Die Inſel iſt von Sylt durch das Liſter Tief getrennt. Dieſes ſetzt ſich als Romöer Tief um die Südſeite der Inſel fort; nördlich iſt das Juvrer Tief.
Der größte Teil der Inſel beſteht aus Dünen, Flugſand und Heide, längs der Oſtküſte — namentlich im Norden und Süden, weniger in der Mitte — zieht ſich ein Gürtel fruchtbaren Marſchlandes herunter. Der Weſtküſte ſind große Sandflächen, Juvrer Sand und Haff-Sand, vorgelagert. Der Flugſand iſt äußerſt gefährlich, die Gemeinden Juvre (ſ. d.) und Kirkeby (f. d.) find in Gefahr geweſen von Flugſand zerſtört zu werden. Neuerdings werden auf Anregung und mit Hilfe des Heidekulturvereins Anpflanzungen vorgenommen.
Die Inſel ift nur dünn bevölkert, jegt 925 Einwohner, in früherer Zeit hatte Röm eine Bevölkerung von 2000 Geelen. Damals blühte die Seefahrt, welcher die männliche Bevölkerung hauptſächlich oblag. Die feetüchtige Jugend nahm vorzugsmweife auf dänifchen Walfifchfängern Dienfte, während die Frauen den Aderbau betrieben und Strümpfe und andere Wollmaren zum Verlauf verfertigten. Aus jener Zeit ftammt die große geräumige St. Clemens-Kirche (1. Kirkeby). Die Bewohner find friefiſcher Abftammung, die Volksſprache ift plattdänifch, die alte Volfötracht der Frauen ift im Verfchwinden begriffen, man fieht fie nur noch vereinzelt; bei der Arbeit im Felde wird das Geficht mit einer Schwarzen Maske ald Schuß gegen Sonne, Wind und Sand bededt.
Vormals wurde von Romöd aus die Aufternfifcherei betrieben. Dieſe ift nah Sylt und Amrum übergefiedelt. Früher Hat der nördliche Teil — Norder: land — zum Amt Hadersleben, Hoviddingharde, gehört, der jüdliche Teil — Siüderland —— zum YAınt Ripen. Gebt tft Romd in drei Amtsbezirke geteilt: Kirteby mit einer Anzahl von Häufergruppen mit bejonderen Namen, darunter Havneby, der Landungsplaß an der Gitdfpige; Kongsmarf mit dem Seebad Latolt (f. d.); Juvre mit drei kleineren Ortjchaften.
Die Infel fol vormals mit der Inſel Mandoe landfeft gewefen fein und im angelfächfiichen Gedicht „Beowulf” unter dem Namen Raemis vorkommen.
Die Anfel wird in einer Urkunde aus dem Jahre 1226 erwähnt, da eine päpftlihe Bulle dem Klofter des heil. Knuds in Odenſe alle Befigungen auf Romö, Yard, Alfen und Sylt beftätigte.
Auf der Dftfeite auf einem Berg, der Burgberg genannt, find Spuren eines befeftignten Schloſſes. Es iſt nicht unwahrjcheinlich, daß diefe Burg der Limbelfchen Familie ihre Entftehung verdantt.
Ruhnau, Muntbrarupau, entſpringt bei Ruhnmart (Kſp. Röllſchau) fließt durch eine Echlucht bei Munkbrarup in den Süderſee (Mühlenteich), welcher mit
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dem Glüdsburger Schloßteih in Verbindung ſteht. Bon bier Abfluß in die Flensburger Förde, nachdem ein Kleiner Nebenfluß, die Silkerswad, Hinzu» gelommen.
NAunenfteine. Die Geichichte Haithabus hat in der Neuzeit eine nicht unweſentliche Bereicherung erfahren. 1790 und 1797 find bie erften beiden Steine nahe dem Ringwall entdedt, ein dritter wurde 1857 auf der Busborfer Feldmark zu Tage gefördert, den vierten fand man im Fundament des Gottorper Schloſſes vermauert bei einer baulichen Veränderung im J. 1887. Sachkundige geben nach der Schrift das Urteil ab, daß zwei biefer Steine im neunten Jahr: hundert nach Ehrifto gefeht find, während die beiden anderen etwa ein Jahr: hundert jünger find. De zwei und zwei der Steine ergänzen fi), die einen beziehen fich auf einen König Sigtrygg, die anderen auf Kämpfe um Haithabu und die Belagerung dieſes Ortes. Die Inſchriften der beiden erften Steine lauten in der Überfegung: 1. „Asfricde machte diefes Denkmal über Sigtrygg, ihren Sohn, auf dem Weihegrab Knubas.“ 2. „Bi-ABfried (d. 5. Asfriede des Weihegrabes), Tochter Odinkars, machte diefed Grabdentmal für König Sigtrygg, ihren und Anubas Sohn.” Asfriede gehörte einem aus Schweden ftammenden Fürftengefchlecht an und war mit dem dänifchen König Knuba vermählt, welcher mit dem deutfchen Kaiſer Heinrich 1. in Fchde lag. Knuba wurde befiegt und gezwungen, das Ehriftentum anzunehmen. Der Sohn Knubas und Adfriedes, Sigtrygg, war als Wikinger gen Weſten gefahren und fand im Kampfe mit dem weftfräntifchen König Ludwig (943) feinen Tod. Bielleiht war Asfriebe die legte ihres Geſchlechts, die beim Verlaſſen ihrer einftigen Refidenz das Andenten an ihre Angehörigen durch jene zwei Rıunenfteine, die fie auf dem Königshügel errichten ließ, geehrt haben wird. — Die beiden anderen Runenfteine haben folgende Inſchrift: 1. „Thurlf errichtete diefen Stein, der Mann Svens, über Erif feinen Genoffen, der ftarb, da Helden faßen um Haithabu, aber er war Steuermann, ein Held fehr gut.” 2. „König Sven febte den Stein dem Skartha, feinem ZTafelgenoffen, der war auf der Fahrt nach Weften (England), fand aber jetzt den Tod vor Haithabu.” Etwa 100 Jahre nach der Zeit bed Königs Knuba fanden Kämpfe zwifchen fchwedifchen und dänifchen Fürften in Schleswig ftatt. Der dänifche König Sven wurde vertrieben und wandte fi) nach England, fehrte aber nach dem Tod des ſchwediſchen Königs zurüd, belagerte die Feſte Haithabu und machte der fchmwedifchen Herrichaft ein Ende. Auf diefe Zeiten haben die beiden letzterwähnten Runenfteine Bezug. Drei diefer Steine befinden fih im Kieler Zandesmufeum, der legterwähnte jchmüdt feit 1857 den Hügel, in den man einit den Helden bettete.
Sandivig, Heiner Meerbufen im Kleinen Belt, füdöftl. von Hadersleben.
Schlei, cin etwa 38 km langer Meerbufen der Oftfee, an deffen weitlichem Ende die Stadt Schledwig und vor der Mündung die Stadt Kappeln liegt. Die Schlei begrenzt nördlich die Landfchaft Angeln in den Kreifen Schleswig und Flensburg und füdlih die Landſchaft Schwanfen im Kreis Edernförbe., Man unterfcheidet folgende Zeile:
Die Oberfchlet, der weftliche Teil von der Stadt Schleöwig bis Fahr: dorf. Von Haddeby erjtredt fi) nach Süden dad Haddebyer Noor, welches von der Schlei durch einen Damm getrennt wird, daran im Süden fi) an- Ichließend das Seller Noor. Beide Noore zujammen Haben eine Länge (Norden— Siiden) von 3 km, eine Breite von '/„—1 km. Das Haddebyer Noor hieß früher der Süder: oder Sievershafen, auch Sieversfund und konnte in alten Zeiten Schiffe von belrächtlicher Größe aufnehmen.
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Die Kleine Breite, von Winning am Nordufer, wo die Füfingerau (2oiterau) einmünbet, bis Sterwig. Durch die nach Süden vorjpringende Halb: infel Reesholm mit ber Spige Palörde wird die Sterwiger Enge, etwa 300 m breit, gebildet. j
Die Große Breite oder Weſen-Noor geht bis an bie Enge von Miffunde, 120 —150 m breit, iiber welche die Chauſſee Edernförde— Flensburg führt; unmittelbar dahinter an der Norbfeite dad Broderdbyer, an ber Süd— feite dad Arnumer NRoor. Bon bier bis Arnis geht die Schlei, an der Nord: feite find da8 Gundebyer und Lindauer, vor Arnis dad Grödersbyer Noor. Der Arnislanal ift 250 m breit. Der Kappelner Sund, ca. 300 m breit, geht bi an die Sandbeker Au. Der Rabel-Sund ift ca. 300 m Breit. Der Binnenbafen mit dem Wormshöfter Noor ift zwifchen der Weitfeite der Infel ÖOhe (mit Maasholm) und Angeln (Kr. Flensburg). Südlich” von he it die 2otfeninfel mit dem Leuchtturm an der Sübfeite und zwijchen der Inſel und dem von Süden fi) beraufziehenden ſchmalen Küſtenſtrich die enge Durchfahrt Schleimitnde.
Die Schlei Hat im Durchſchnitt 3,8 m tiefes Fahrwaſſer, bis nach Schles- wig fann man nur mit 12 Fuß tiefgchenden Schiffen fommen. Winterlager find bei Arnis und Stappeln (d— 10 Fuß) und bei Maasholm (T—8 Fuß). — Schon vor 650 Jahren Hatten nach dem Schleöwigichen Stadtrecht und dem fpäterhin erteilten jchriftlichen Beicheid die Schleswiger Fiſcher das Privilegium der freien Fiſcherei von Schleswig bis Arnis (vergl. Schleöwig). Bemerkenswert find in der Schlei die Namen zweier ehemaligen fürftliden Wadenzüge, nämlich der Badenzug „Zum finfteren Stern,” finis terrae (öÖftlic vom Ornumer Noor), in defien Nähe eine Kapelle geftanden haben fol, und der Wadenzug „Zum billigen Ohr“ (bei Haddeby). Beide werden nad 1644 in einem Amtsregifter erwähnt. — In der Nähe von Schleimünde lag die Seite Oldenburg (Gammel: borg); vor einigen Jahrzehnten war noch das Stild einer rundgeftalteten Mauer von 240 Fuß im Umtreife und 5 Fuß Höhe fichtbar, jetzt fol alles (?) ver: ſchwunden fein. — Bei Oldenburg find angeblich die Überbleibfel einer ver: gangenen Kirche gefunden; ehemalige nambafte Stellen bafelbft waren: Fiſcher— haus, Pilotenhaus, Krusort, Langenort, Norderläger und Süderläger.
Schlieffee, Slipſee, weitlih der Bucht Schliefsmünde, Slips— münde, mit weldyer er durch einen Graben mit Schleufe, Diernisfchleufe, in Verbindung fteht. Der See ift 3 km lang (NB.— SO.) die weſtliche größere Hälfte °/s km breit, die öftliche Heinere '/s km breit. In den See mündet die Storau mit einer Meinen Nebenau (Hoptrupau).
Schwanfen, Halbinfelartige Landfchaft zwiſchen Edernförder Bucht und Schlei, fruchtbar, Großgrundbefig wiegt vor.
Soholmerau, entipringt als Meynau zwijchen Fröslee und Harrislee (bei Flensburg) und nimmt den bon den Frösleer Sandbergen kommenden Balldbet (Walldbüller Strom) bei Schafflund auf. Der Fluß Heißt nun Shafflunderau, fließt Hörup vorbei, nimmt die Hadjtedterau (f. d.) öftlich von Soholm auf, ferner den Spölbel, die Linnau (f. d.) mit dem Wiehe— bet, den Goldebefer Mühlenſtrom (f. d.); jest Heißt fie (bei Soholm) Soholmerau und wird von dem im %. 1856 fertig geftellten Bongfieler Kanal zwifchen den Dörfern Enge und Bargum aufgenommen. Der nad) dieſer Abdämmung verbleibende nördliche Arm der Soholmerau flieht ſüdlich Stedefand vorbei durch den Störtewerkerkoog und vereinigt fich in der ſüdweſt— lichen Ede dieſes Kooges mit der Leckerau (betr. geplante Abdämmung der
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Lederau weſtlich von Led ſ. Störtewerkerkoog). Der durch beide Anen gebildete Fluß geht bei Waygaard in dem Bongſieler Kanal. Ein nun noch ver- bleibender ſüdlicher Arm der Soholmerau wird bei Munksbrück vom Kanal aufgenommen. Lebterer geht in der Richtung Südweſten weiter und ergießt fich bei Bongfiel (Ockholmhafen) mittelft einer Holz: und einer Steinfchleufe in die Nordfee. Die Soholmerau bildet von 2 km öftlid von Soholm an bie Kreisgrenze, lehtere geht von Munksbrück an auf das legte 2 km lange Ende des Bongfieler Kanals über.
Hadjtedteran entjpringt mit mehreren Bächen weſtlich von Handewitt, fließt jüdli von Nord: Hadftedt vorbei und vereinigt fi) mit der Schaff— lunderau öftlih vom Soholm. Jetzt Heißt der Fluß Soholmeran.
Linnau lommt mit mehreren Armen aus den Kirchfpielen Gr.-Wiehe und Wanderup (Kr. Flensburg), fließt am Lindewitter Holz, Oft-Linnau, Süder— huus und Riesbriek vorbei und vereinigt fi mit der Soholmerau.
Goldebeker Miühlenftrom fommt von Foldelund, fließt Goldebel vor: bei, bildet auf der Strede von 2 km die — und ergießt ſich in die Soholmerau. |
Sorge = die Schlammige, entfteht als der Abfluß des Biſtenſees, wendet ſich weſtlich und bildet die Grenze zwiſchen den Kreiſen Eckernförde-Rendsburg und Schleswig-Rendsburg. Tetenhuſen bleibt nördlich liegen, hier heißt ſie auch Tetenhuſenerau. Früher nahm die Sorge dann den Lauf durch den Meggerſee. Im Jahre 1631 gab man ihr und der Bennebekerau durch den ſogen. Um— leitungsdeich eine füdliche Richtung, wodurch fie bei der Sandſchleuſe als Neue Sorge auf kürzerem Wege in die Eider geleitet wurde, während das abgejchnittene weſtliche Stüd ald Alte Sorge bei Steinfchleufe in die Eider fließt (vergl. Meggerkoog).
Bollunderau entjpringt auf halbem Wege zwifchen Kropp und Schles- twig unweit Jagel, fließt auf Norby zu, läßt Omfchlag weftlich liegen und ergießt fi) in die Sorge.
"Bennebet, Bennebeterau, aus Often fommender und a Süden in die Sorge Hießender Nebenfluß.
Die Börmerau fließt in die Ringſchlote, legtere in die alte Sorge.
Sundewitt, Halbinjelartige Zandichaft des Kr. Sonderburg mit Bro: ader, SHalbinfel, zwijchen der Apenrader Förde und Flensburger Förde mit dem Wenningbund und Niübel-Noor.
Sylt, Silt, altgriechiſch Silendi — Seeland, nordfriefifche Inſel, Amts: bezirt im Kreis Tondern mit den Gemeinden Keitum, Archſum, Tinnum, Norddörfern (Wenningftedt, Braderup und Kampen), Lift, Morſum, Wefterland und Rantum, 20 km von Hoyer entfernt, hat eine eigentümliche mit drei Halbinfeln ſich ausfpreizende Geftalt. Sie ift 36 km lang und 1 bis 12 km breit, Areal 96 qkm. Der nach Süden gerichtete Teil, Hörnum genannt, ift jehr jchinal, auf ihm ift nur cine Ortſchaft Rantum (f. d.), die Spige Heißt Hörnum Ddde. Der nördliche Teil ift zunächſt ſchmal, verbreitert fi) dann und bildet am Ende mit dem nach Weften geftredten jchmalen Landftreifen „Ellen: bogen“ den fogen. Königshafen, welcher jegt verfandet ift, früher aber ein ge= räumiger Hafen war. Belannt durch die Seeſchlacht 1644, wo gegen Ende des 30 jähr. Krieges die ſchwediſche Flotte von Ehriftian IV. vernichtet wurde, zwifchen Sylt und der S km nordöftlich liegenden Südfpige von Romöd gebt das Liſter Tief. Lift heißt die bier am weiteften nördlich liegende Heine Ort— ſchaft (ſ. d.), welche früher zı der dänifchen Enklave gehörte (ſ. Mögeltondern).
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Neueren Nachrichten nach ſoll fich die Konftituierung der Terrain- und Bade: geſellſchaft Sylt-Lift (f. Lift) einftweilen nicht realifieren, andererfeits fteht die zunehmende Bedeutung von Lift außer Frage. Eine Bahn von Munkmarſch über Weiterland und Sampen wird gebaut und ſoll nächſtes Jahr eröffnet werden; auch beißt es, daß bie Regierung demnächſt den Kanal bei Hoyer: ſchleuſe ausbaggern und vertiefen und die vor dem Kanal liegende Barre durchftechen laſſen wird. Dadurch würde die jegige Verbindung Hoyerjchleufe— Muntmarjch aufgegeben und der nähere und bequemere Weg von Hoyerfchleufe nad Lift, welcher faft unabhängig von Flut und Ebbe ift, eingefchlagen werden. Das dritte und weitaus bedeutendfte Stüd der Inſel geht von der Mitte aus und erftredt fich mit 8—10 km Länge und 3—D5 km Breite nach Dften. Die Spihe Näs Odde ift nur 10 km von ber Küſte entfernt. Hier liegt gutes Geeſt— und Marfchland mit den Dörfern Keitum, Archſum, Morfum; bei der Spitze des Borjprungs gegen Norden liegt dad Morjumtliff, welches im Munkehöi bis zur Höhe von 23 m ü.d. M. aufiteigt. In der Mitte der Inſel liegen Tinnum, Weſterland, Munkmarſch, Braderup, Wenningftedt, etwas weiter nördlich Rampen (f. d. Art.).
Sylt Hat .einen Flächeninhalt von ca. 96 qkm und liegt durchichnittlich 18 km über dem Meeresfpiegel, an einigen Stellen erheben fich die berühmten Lifter Dünen bis zu 34 m, das rote Kliff bei Kampen fogar bi 46 m. Dan rechnet etwa 40 qkm auf’ urbares Land, alles übrige iſt Heide und Ödland. Auf der Geeſt finden fich zahlreiche Grabhügel. Ein mwohlerhaltener Ringwall it bei Tinmnum. Dünen und Sandflächen erfüllen mit geringen Ausnahmen die füdlihe und nördliche Halbinfel. Auf der Heide zwifchen Wenningftedt und Kampen und bei Lift ftehen Leuchttürme, mehrere Rettungsboote find aufgeftellt. Hömum Ddde ift Landungsplag der Dampfichiffe und Ausgangspunkt der Spur: bahn, welche nach Wefterland führt. Ebenfalls führt von Muntmarfch die Bahn nad) dem berühmten Seebad. Wefterland (f. d.) ift ein Seebad erften Ranges, welches am 1. Juli 1905 die 50. Wiederkehr des Gründungstages gefeiert und die Gerechtfame einer Stadt erhalten bat. — Über Kirchen auf Sylt fchreibt Epriftian Jenſen: „Seitdem in jedem Jahre taufende von Fremden aus nah und fern die gaftliche, meerumraufchte Nordfeeinfel Sylt auffuchten, wurde auch die Infel in fommerlichen Zagen von diefen Gäſten nach allen Richtungen durchftreift.e. Wo man auf oder in der Umgebung der Inſel auch mweilen mag, überall gewinnt man den Eindrud, daß das Meer im Laufe der Jahrhunderte dem Eilande die jeßige Geftalt gab, nachdem Erderhebungen und Sentungen diefe Umgeftaltung vorbereitet Hatten oder aber im Verein mit dem unerfätt- lihen Meer wirkſam waren. So ergeht es jedem, den die Natur der Inſel anzieht. Wie viel aber an bewohnten Stätten hinabſanken, man weiß es nicht gewig — jelbft mehrere der einftigen dortigen Kirchen wurden fagenhaft. Nach einem alten Verzeichnis von 1240 ftanden damals auf diefem Zeile der Norb- weitharde elf Kirchen und Kapellen: 1. Stedum, 2. Stinum, 3. Alt-Rantum, 4. Rantum, 5. Niftum, 6. Keitum, 7. Loegum Capell, 8. Lyftum, 9. Morfumb- Kirch, 10. Wendingftadt (ein Fleden), 11. Eytum-Kirch. Die Meyerfchen Karten von 1240 nennen neun: Lyſtum, Knockboll, Lägum, Moſen-Capell, ©. Seurin, Eytum, Hantum, Stedum und Wardyn:Capel. Hans Kieholt, ein Sylter Ehronift, welcher entweder im 13. oder 15. Jahrhundert Iebte, führt folgende ichs an: Morfum, Heidum, Eidum und Geelerten, jede mit zwei Predigern, jener Ratsborg und Norder Lift, jede mit einem Prediger, und bejchreibt namentlich den Untergang einer diefer Kirchen. Gegenwärtig find nur noch drei
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vorhanden, da die Rantumer Kirche 1801 abgebrochen werden mußte, weil ber Flugſand fie zu bededen drohte.”
Die Bewohner Sylts, 4500 Einwohner, find friefifcher Abkunft und fprechen 3. T. noch einen frieſiſchen Dialekt. Die Männer find ald tüchtige Seeleute befannt und betreiben auch Aderbau, Viehzucht und Entenfang (vergl. Borgfum). Vergl. „Sylt,“ koftenlos von der Badedirektion in Wefterland zu beziehen; Hepp, pralt. Wegweiſer, 3. Aufl., Zondern 1885; Senfen, die nordfrief. Inſeln, Ham: burg 18591; Stolley, Geologifche Mitteilungen von der Inſel Sylt, I und II, Kiel 1900; Sylt in Wort und Bild, Wefterland 1902.
Die Treente fol ſchon zur Zeit Königs Knud des Großen zu Handels: zweden nach Holland und England befahren fein; vormald lagen längs der Ufer alte Burgen und Blodhäufer, von denen noch Spuren vorhanden find. Der Fluß entfteht aus der Bondenau und Rielftau, welde, aus Angeln tommend, bei Groß:Solt fi) zu dem Tresſee vereinigen, deilen Abfluß die Treene ift. Sie wendet fi) bei Överfee ſüdlich und berührt auf dem weiteren Laufe Frörup, Tarp, Langftedt, Jerrisbel, Treia, Hollingftedt, flicht durch die Treenemarſch und wendet fich nördlich von Norderftapel nach Weften, berührt Schwabftedt und erreicht Friedrichftadt, von wo fie durch Kanäle und Schleufen in die Eider geleitet wird. Die Treene Hat ſchwaches Gefälle, jo daß die weite niedrige Talmulde ihres Unterlaufes Häufig überflutet wird. An der rechten Geite bat fie den Jerrisbel ald Zufluß, an der linten Helligbet, Fübel, Arendbel und die Rheideran.
Bondenau entfpringt in Angeln unmeit des Südenfees, fließt Mühlen: holz, Kollerup, Groß-Solt vorbei und vereinigt fih mit der Kielftau im Tresſee.
Kielftau. Der Quellenbach entipringt bei Lußhöft und geht in den BWinderatter See, dejjen Abflug als Kielftau Ausader und Klein-Solt berührt _ und in den Tresſee mündet.
Jerrisbek entipringt nördlich von Wanderup (ſüdweſtlich von Flensburg), fließt bei der Jörler Kirche vorbei und ergießt fich bei Sollerup in die Treene. Helligbet vereinigt fi mit der Bollingftedtau, weldhe von Sieverftedt fommt, und ergießt fich (unter beiden Nanıen) zwifchen Sollerup und Sollbrüd in die Treene. Jübek kommt aus dem Gammellunder See und geht fübdlich von Esperstoft in die Treene. Arensbel kommt aus dem Arenholzer See (5 km weſtlich von Schleswig), fließt ald Silberftedter Au dur Silberftedt und Koloniftendorf Friedrichäfeld, nimmt die Rosaderau auf und fällt nördlich von Hollingftedt in die Treene. Rheiderau entfpringt bei Groß-Dannewert, fließt nördlich Klein-RHeide vorbei und ergießt ſich unterhalb Hollingjtedt in die Treene.
Verkehrswege. Die Veränderungen, welche auf dem Gebiete des öffent- lichen Verkehrs fich in den legten 70 Jahren vollzogen haben, find außerordentlich groß. Dur das Herzogtum Schleswig führten ſchon in ältefter Zeit zwei Zandftraßen, die eine an der Dftjeite von Holding über Hadersleben, Apenrabe, Flensburg, Schleöwig nad) Edernförde (weiter nach Rendsburg und nad) Kiel), die andere an der Weftjeite von Ripen nach Tondern und am Rande der Marfch entlang nad Hufum und Friedrichftadt. Der Often war mit dem Weften durch die Straße Sonderburg, Flensburg, Hufum, Tönning, Garding verbunden. Mit dem Jahre 1830 begann der Ausbau der Kunftftraßen, die erfte Ehauffee wurde 1830/31 von Altona nach Kiel gebaut. Nicht lange dauerte e8 und die Zeit des Eiſenbahnbaues begann; die beiden leßtgenannten Städte erhielten 1844 die erite Verbindung durch Schienengeleis und Dampflraft. Die erſte Bahn in
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Schleswig wurde 1854 von Flensburg nach Tönning gebaut und geht mit krummer Zinie nahe bei Schledwig vorbei. Die Verbindung nad) Süden (Rends- burg) ift erſt ſpäter Hergeftellt. Betr. den jeßigen Stand der Verkehrswege vgl. die Mitteilungen bei den einzelnen Kreiſen.
Watten, Watt, Battenmeer, Wattenftröme. Die Watten (Paten, bolländ. Wadden) zichen fi) als ein T7—20 km breiter Landjtreifen teils jandiger, teil3 ſchlammiger Beichaffenheit vor der Weſtküſte Hin; zur Beit der Flut wird das Watt von Wafjer bededt und heißt Wattenmeer, zur Zeit der Ebbe liegt ed mehr oder weniger troden da. Auf die Watten an der Küſte Schleswig: Holfteind entfallen rund 2000 qkm (auf die 10 fchleswigjchen Kreife fallen 8859 qkm). Ihre Entftehung geichieht folgendermaßen: Der durch ftürmifche Bellenbewegung aufgeloderte Schlid des flachen Meereögrundes wird an der Küfte aufgeftaut. Wenn fi) nun im Lauf der Jahre der Boden genügend erhöht und feinen Salzgehalt faft gänzlich verloren bat, fo ift die Beit gelommen, das Areal vor dem ferneren Eindringen des Meeres zu ſchützen, es ift dDeichreif geworden. Wenn dann die Eindeihung allmählich in Angriff genommen und zu Ende geführt ift, kann das ſchleswigſche Küftenland ein neues Gebiet, einen neuen „Koog“ (von Kuga = einzwängen, prejjen) zu feinen 120 Kögen Hinzu: rechnen. Kleinere Stüde Marjchland, (Fenne, Kamp) find durch breite Gräben von einander getrennt. Die Häufer mit ihren Gärten im Innern der Köge werden auf Wurten oder Werften (Warften), d. 5. künftlich aufgeworfenen Erd: bügeln, errichtet. - „Wir ftehen bier einem eigentümlichen Wechjel gegenüber — auf der einen Seite Zerjtörung bes Küftenlandes durch dad Meer, namentlich in Folge Heinerer oder größerer Sturmfluten (1634 fol Nordftrand 20000 ha Land verloren haben), auf ber anderen Seite das Wiederabjeßen des losge— löften Materiald. Der Landgewinn überwiegt aber den Landverluft um ein bedeutendes, feitdem ber Menſch gelernt Hat, vermittelft der Deiche Schugmwehre gegen den vernichtenden Anprall und den alles zernagenden Zahn der Meeres: wogen zu bauen. Seit 1860 find 2252 ha Fläche dem Überfhwemmungsgebiet des Meeres entzogen (Hippolyt Haas, deutſche Nordſeeküſte). Der Untergrund des Watt3 an der ganzen Weſtküſte enthält Moore, welche aus Eichen, Birken, Eichen u. a. Baumarten gebildet find, es muß alfo eine Senkung der Küſte ftattgefunden haben, ber Untergrund muß ein gefunfenes von den Wellen zer: ſtörtes FFeftland gewefen fein. Dann brachen die Fluten herein und taten das übrige (vergl. Nordftrand). Der Schriftfteller Kohl vergleicht die Watten und Marichen und fagt: „Hier in den Marfchen ift die üppigſte Fruchtbarkeit, der berrlichite Anbau, dort auf den Watten die volllommenfte Wüftenei; in den Marſchen ein neugewonnener Boden, wo die Gloden der neugebauten Kirchen ertönen, in den Watten das Gerippe uralten untergegangenen Landes, die Todes: ftille über dem Grabe erträntter Gejchlechter und verjchütteter Habe. Die Watten find der lange Kirchhof der Marfchen und die Marjchen Koog an Koog ein ebenjo langer Triumpzug der Menfchen iiber die Natur.” Da die Watten jehr fetten Boden haben und zahlloje Kruftentiere und Wilrmer in ſich bergen, find fie bei Ebbe der Tummelplag nahrungfuchender Seevögel und der Ruheplatz von Seehunden auf den Sandbänten. Die Ausbeute an Filchen, die bei ablaufen: dem Waſſer an einzelnen Plätzen zurüdbleiben, iſt beträchtlich. Zwiſchen den Watten find tiefere Wafjerftreden, welche auch bei der Ebbe nicht troden werden, fie werden Wattfiröme, Ströme oder Tiefen genannt. Als ſolche Watt: ftröme erjcheinen die Flüffe, fobald fie aus dem eingedeichten Lande hervor: treten. Diefe Flußmündungen bilden damı die Häfen, jaft jeder Koog hat einen
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folchen, doch find fie gewöhnlich nur zur Flutzeit zu erreichen. Der wichtigſte Wattftrom ift die Hever bei Hufum, meiter füdlich die Eider. Zwiſchen den Halligen und Föhr find die Schmale Tiefe, Ruyters Tiefe, Land-Tiefe; zwiſchen Amrum und Sylt die Vortrepp:Tiefe; zwifchen Sylt und Röm die Lifter Tiefe; nördlihd von Röm die Juvrer Tiefe u. a. m.
Verſchöten, die Schöte, ift die Übertragung einer beftimmten Landfläche, die dadurch geichieht, daß eine Grasfode ausgenommen und in den Schofj des Käufers gelegt wird.
idau, Widaun, entjteht aus der Vereinigung der Arnau und Wirlau jüdlid von Groß-Emmerjchede; fie fließt nun an der Nordoftfeite der Stadt Tondern vorbei, jüdwejtlich von Tondern münden die Gronau und Süderau ein; der weitere Lauf geht nördlih am Aventofter See vorbei. An der Weft- jeite ded Sees erweitert die Widau fich jeeartig (am Nordufer liegt Ruttebül, am Südufer Rofenktranz); fie wendet fi) nun nad Nordweſten, fließt zwifchen den Auttebüller und den Friederichen Kögen, nimmt den Seierdbel auf und ergießt fich bei Hoyerfchleufe in die Nordfee. Ihr Flußbett fegt fi) ald Hoyer Tiefe, ein nach Nordweſten ftreichender Wattſtrom, fort, der fi) in das Lijter Tief ergießt.
Arnau entfteht aus dem Sauerbef und Rödau (Rothenau), welche bei Siverfrug ſich vereinigen, fie fließt Arcndorf, Alsleben nördlich und jüdlich der Au, Wefterhoift vorbei und durch Gemeinde Maasbüll, der Riisbek, welcher mit Kleinen Armen aus der Gegend von Bedftedt und Oberterp fommt, mündet bei Moorbel ein.
Sauerbef entipringt bei Rauberg (Kr. Apenrabde), fließt Norder-Hoftrup und Hellewatt vorbei.
Rothenau entjpringt bei Riesjarup (Kr. Apenrade), fließt bei Rothen: frug, Miöls, Hönkys, Hüdewatt vorbei.
Wirlau entſpringt nördlich von Rapſtedt und fließt Solderup und Hoſtrup vorbei.
Grünau, Grönau, entſteht aus Schluxau und Ukebek, welche ſich ſüdlich von Bau (nahe der Buhrkaller Kirche) vereinigen. Sie teilt ſich bei Nolde in zwei Arme, deren ſüdlicher die alte Grünau iſt; dieſe fließen wieder zuſammen kurz von ihrer Vereinigung mit der Widau, welches 1'/s km ſüdlich von Tondern ftattfindet.
Die Schluxau entfteht aus Lundbek und Söberupbel (leßterer fließt durch Wollerup), welche ſich ſüdlich von Bredewatt vereinigen.
Ukebek fommt aus Enftedt (Kr. Apenrade) und nimmt die Almſtruper Au und die von Bolleräleben -fommende Borsau auf.
Süderau entfteht dur Bufammenfluß der 1. Behrendorfer Au, Berndruper Au, deren Quellenbäche bei Trasbüll, Kr. Apenrade, liegen und durch den Geegarder See fließen; eine Heine Au fommt aus dem Hoftruper See hinzu; die Behrendorfer Au fließt dann bei Klipleff und Abretoft vorbei und bildet bei Behrendorf einen Meinen See; 2. Gehlau (Geilau), welche aus der Gegend von Torsbüll (Rintenis) fommt. Die Bereinigung findet zwijchen Gaardeby und Brauderup ftatt. Der Fluß wird nun auch Stjelbef genannt, fließt Eggebek, Jündewatt und Stade vorbei. Zwiſchen Stade und Teptoft teilt fi) die Süderau in 2 Arme; der nördliche Arm ift die alte Süderau und fließt Wraagaard und Lildersholm vorbei; der füdliche Arm wird auh Jündemwatter Mühlen: ftrom genannt und fließt Renz und Beierskrug vorbei, nimmt den aus ber Gegend von Kardelund kommenden Scheidchet (ebenfalls Alte Au genannt) auf
Geographifches und anderes. 49
und vereinigt ſich wieder mit der alten Süderau bei Windwedt Ellhöft). Die Cüderau Hat Abflug in den Aventofter See und fällt demnächft durch eine Schleufe in die Wiedau.
Karlumer Au entipringt ſüdlich von Ladelund, fließt Karlum und ſüd— lid Braderup vorbei. Hier tritt der Name Dreibarder Gotteskoogſtrom auf. Diefer wendet ſich nun nach Norden, fließt Uphufum, Kahlebüll, Krake— bäll, Grellsbüll (Grellsbüller Deich) vorbei, geht weiter zwiſchen dem Aven- tofter und Haasberger See und vereinigt fich füdlich Uberg mit der Süderau.
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Hiltoriide Topographie.
An den feften und fihern Beſitz des Bodens durch lange Geſchlechter von dem Urahn bis zum legten Ente hinab befeftigt fi die Sitte, das Geſetz, die Ehre, die Treue, die Liebe: der Bauer ift des Baterlandes erfter Sohn. Wer ein feftes und glorreiches Vaterland will, ber madht feften Befit und feſte Bauern.
Ernft Morig Arndt.
Name. Das Herzogtum Schleswig war nicht immer ein geographifch oder politifch abgegrenztes Land, ſondern bildete in früher Zeit einen Teil des Landes, welches Jütland genannt wurde. Mehrere Jahrhunderte nach der Aus: wanderung der Angelſachſen im 5. und 6. Jahrhundert fing man an diefes Land von dem nördlichen jenfeits-der Königsau belegenen zu unterjcheiden und nannte es Südjütland. Diefer füdliche Teil wurde mit Beginn der Regentfchaft Knud Lavards um 1115 zum Ducatus Jutiae erhoben, die Stände hatten ihre Ber: fammlungen zu Urnehöved bei Apenrade, während die Stände Nordjütlands in Viborg zufammentraten. Die Benennung „Herzogtum“ oder hertog to Slesvif (von der Refidenzftadt abgeleitet) tritt zum erftenmal 1275 in einer deutfchen Urkunde auf. Im folgenden Jahrhundert, nachdem 1386 das Herzogtum in engere Verbindung mit Holftein gelommen war, wurde es mehr und mehr gebräuchlich, dem ganzen Lande den Namen „Schleöwig” zu geben, und der Herzog Gerhard, welcher 1404 ftarb, war der erfte, welcher fich felbft dux Slesvieensis nannte. Der Grund dafür, daß in dem Namen „Schleöwig: Holftein” (welcher erft nach der Meformation in Gebrauch kam) Schleswig voranfteht, ift darin zu finden, daß dieſes Land längft als Herzogtum bezeichnet wurde, als Holftein noch immer Grafichaft war.
Wappen, In der oberen linken Hälfte des Wappenfchildes von Schles- wig⸗Holſtein-Lauenburg befindet fich in Geftalt von zwei blauen rotgezüngten übereinander gehenden Löwen da8 Wappen des Herzogtums Schleswig. Die Farben von Schleswig find blau und gelb.
Alte Einteilung. Ein wertvolles, wenn auch nicht vollftändiges Bild der alten Diftriktseinteilung gibt uns das Erdbuch des Königs Waldemar II. vom Sabre 1231, fortgeführt bis 1259. Es Hatte den Zweck, eine Zufammen: ftellung der Königlichen Einnahmen zu geben, erwähnt daher Befigungen nicht, welche in diejer Beziehung bedeutungslos waren, namentlich nicht die abgabe: freien Güter des Adels, welche über da8 ganze Herzogtum in größerem Um: fange als jegt verteilt waren. Im Amt Hadersleben waren es die Edelfige der inzwifchen ausgeftorbenen Geſchlechter der Emikſen, Litlä, Baad, Gans, Esbernjen; im Ant Apenrade die Urne, Ud, Ingertſen; im Amt Tondern bie Blaa, Eritjen, Joneſſen, Gördtjen, Nold oder Nylle; ferner das friefifche Adels:
Hiſtoriſche Topographie. 51
geihlecht der Zembed, in Bredftedt die Frefe, in Hufum die Lund, in Angeln die Familien Boft, Apeldgaard, Schramm und von Didden; auf Alfen die Baſſe und Dene, in Sundewitt die Blaa u. a. Alle diefe Gejchlechter find verichtwunden und ihr Befig jchon früh Hauptfächlich an die Geiftlichkeit, dann auch an fremden Abel, der ins Land eintwanderte, oder an die Krone übergegangen. Der fremde Adel kam namentlich durch die Verbindung der fchleswigfchen Herzöge aus Abels Stamm mit den Grafen von Holftein ins Herzogtum Schleswig, außerdem aber brachten auch die aus der Fremde ftammende Könige, wie Erich von Bommern, Chriſtoph von Baiern, ihren einheimijchen Adel mit ind Land. — Das Herzog: tum Schleswig war derzeit in „Harden” (von „ber“ — Hundert) eingeteilt. Eine Harde war urjprünglich ein Verein von 100 Familien. Der Name übertrug fich jpäter auf den ganzen Bezirk, in welchem fie wohnten. Mehrere diefer Harden bildeten ein fogen. Syfjel (Syfael).
Das von Zangenbed in dem VII. Band feiner Seriptores rerum Danicarum mitgeteilte Dokument ftellt ung die damalige Diftrikt3einteilung folgendermaßen dar:
I. Barwirtbfyfael, der nördliche Teil (Name noch in dem bes dänifchen Kichdorfs Bjert enthalten) mit Haderslebener Harde, Tyrftrupharde, Frösharde, Gramharde, Rangftrupharde.
II. Ellaemfyjacl, der mittlere Teil, mit Hviddingharde, Loeharde (in den Ämtern Ripen und Lügumklofter), Hoyerharde, Riesharde, Schlurharde (jekt Sautrup im Kirchfpiel Uf), Lundtoftharde, Sundewitt (letzteres als eigene Ab— teilung aufgeführt, ohne Harde zu jein).
IH. Sftatheiyfael (Idſtedt) mit der Stadt Schleswig, Gegend bei Schlei- münde, Wiesharde, Husbyharde, Nieharde, Schliesharde, Strurdorfharbe, Uggel: barde, Nordergösharde (Bredftedt), Siüdergösharde (Hufum), Arensharde (mit Dannewerf), Kroppharde, Hüttener Harde (mit Edernförde), Schwanfen, Hohner- barde (Kamp).
IV. Utland, die friefifchen Küftenlande auf der Weftfeite mit Wiedingharde, Bölnigharde, Sylt, Föhr, Beltwingharde (von Fluten verfchlungen), Wiedrichs- barde (ebenfall3 von ben Fluten zerjtört, in der Gegend ber jeßigen Halligen), Pellworm, Edomdharde (das jebige Nordftrand), Lundenberger Harde (in der Gegend des jetzigen Simonsberg, von Fluten zerftört), Tönninger Harde (das alte Eiderftedt), Gardinger Harde (der jekige mittlere Zeil), Holm, Utholm (Spibe von Eiderftedt mit Wefterhever und dem untergegangenen Güderhever).
V. Mehrere Infeln, Alfen (2 Harden), Arrö, Ohe, Beverd, Kald, Barsö, Ard, Römd, Jordſand, Dland und einige andere fleinere 3. T. untergegangen). Der zwifchen der Schlei und der Eider belegene, die Grenze zwifchen dem Deutfchen Reich und Dänemark bildende Strich Landes war nicht in Harden eingeteilt.
VI. Da3 eigentliche Krongut auf Arrd (jet däniſch), Fehmarn, Gelting, Jarntwith (der Däniſche WoHld) und andere im ganzen Herzogtum verteilte Heinere Diftrifte.
Sodann treten um die Zeit der Abfaffung des Erdbuchs die Städte hervor. Die lebten, welche erſt im 16. Jahrhundert ihre ftädtifche Verfaſſung erhalten baben, waren Hufum, Tönning und Garding.
Ein ſehr bedeutender Teil des Landes fam früh in den Befiß der Geiſt— lichleit, er zerfiel in folgende Abteilungen:
1. Befigungen des Biſchofs von Schleswig: Schwabſtedt, Füfing, größere Diftrifte in Schwanfen, Bordelum, Alfen, in den Bogteien Hadersleben, Apen— rade, Stapelholm.
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52 Hiftorifche Topographie.
2. Zwei Domlapitel-Diftrikte: Beſitzungen in Angeln, auf Alfen, Jörl ıc., Vogteien Langenhorn und Kofel, auch das ehemalige Dorf Kiel.
3. Der Domtlirchen-Diftrikt mit weitreichenden, überall zerftreuten Diftrikten.
4. Die Klöfter Lygum, das Rudekloſter (jegt Glüdsburg), St. Johannis bei Schleswig, Antoniusftift zu Morkirchen in Angeln (ein geiftlicder Ritter: orden).
Diefe Diftriktseinteilung erhielt eine gänzlicd andere Geftalt durch bie Landesteiiung, welche als Folge des Beichluffes der Stände: nach dem Tode Epriftians I. (1482) den dänifchen König Johann und den Herzog Friedrich 1. als Landeöherren zu wählen, im Jahre 1490 erfolgte.
Johann erhielt den Segebergifchen (jpäter der Glückſtädtiſche nach ber Hauptitadt genannt), Friedrich ben Gottorpifchen Anteil: zu erfterem Anteil gehörten von Schleswigſchem Gebiet Schloß und Stadt Flensburg, Norbftrand, Sonderburg, Schloß und Stadt Apenrade, Schloß Norburg, Fehmarn; zu dem anderen Anteil Gottorf, Eiderftedt, Kirchſpiel Kampen, Ederuförde, Rundbof- Lehn, Schloß und Stadt Lütlentondern, Schloß und Stadt Habdersleben
Die Bedeutung diejer Teilung ging bald dadurch verloren, daß der Herzog Friedrich I. die Königskrone annahm, er vereinigte Schleöwig-Holjtein wieder in feiner Hand, 1523—1533.
Eine gänzliche Umgeftaltung wurde durd die Gäfularifation der geift- lichen Diftrikte infolge der Reformation hervorgerufen und ferner durch die zweite Zandesteilung im Jahre 1544. Die drei Söhne Friedrich I. teilten wie folgt:
Ehrijtian III. erhielt den königlichen Anteil, nämlich: . Sonderburg mit Aljen, Arrö, Norburg und Sundewitt, . Flensburg, . Rudellofter (jpäter Glüdsburg mit der Munkbrarupharde). Johann der Ältere erhielt: . Stadt und Schloß Haderäleben, . Zörning, . Schloß, Stadt und Amt Litlentondern, . 2ygumtlofter, . Hehmarn, . die Dörfer Kampen, Lembed und Borgftedt. Adolf I. erhielt den Gottorfiſchen Anteil: 10. Schloß und Amt Gottorf, 11. Hütten mit Wittenfee, 12. Morlirchen, 13. Stapelholm mit Hufum und Eiderftedt, 14. Stadt und Amt Apenrade.
Im Jahre 1564 trat König Friedrich II. wiederum einen Anteil ab, er übertwied feinem Bruder Johann dem Jüngeren Gonderburg und Norburg. Diefer Fürft erhielt jedoch an der Landesregierung feinen Anteil.
Die legte Teilung geſchah 1581, als Johann der Ältere kinderlos ftarb und ber König Friedrich II. und der Herzog Adolf I. von Gottorf den Hinter: lafjenen Befig teilten, jo daß der König Hadersleben und Törning, der Herzog Zondern, Nordftrand, Fehmarn und Lügumllofter erhielt. Johann der Jüngere erhob auch Anfprüche auf Rubeklofter und erhielt diejes; ſpäter entftand Glüds- burg daraus. Das Bistum Schleöwig bejtand noch bis 1586. Zunächſt Hatte eö der König behalten, mußte es aber mit der Hälfte des Domlapitelaamts
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Hiftorifhe Topographie. 53
im Jahre 1668 an das Gottorfer Haus herausgeben. Endlich zug der König Sriedrich IV. im Jahre 1721 den ganzen Gottorfifchen Anteil ein und vereinigte fo da3 Herzogtum (bid auf den Norburgifchen und Glücksburgiſchen Anteil) in feiner Hand. Das Sonderburgifche Haus Hatte durch Ankäufe aus dem großen Konkurd der von Ahlefelds auf Seegaard 1727 feinen Befiß erweitert und daraus die Gravenfteinifhen Güter gebildet. Diefer ganze Befisftand ift all mählich (Norburg 1730, Sonderburg und Glüdsburg 1779, der übrige Teil, der fogen. Auguftenburger Teil von Alfen und die Gravenfteiner Güter 1852) duch Kauf an die Krone zurücdgefallen.
Nah Einverleibung Schleswig-Holfteins in die preußiiche Monarchie am 24. Januar 1867 gewährte die preußifche Krone den beiden noch bejtehenden Linien des jüngeren Sonderburgijchen Haufes folgendes: dem Haufe Sonder: burg: Glüdsburg eine Abfchiedsrente von jährlich 54000 .#, dem Auguften- burger Haufe eine Schadloshaltung, beitehend aus dem Schloß Auguftenburg und einer Zahresrente von 300000 .H#. Übrigens waren die adligen Diftrikte und die von der Nitterfchaft aufrecht erhaltene geiftliche Stiftung des Johannis: flofterd bei Schleswig nicht mit einbegriffen, fie bildeten vielmehr Diftrikte für fich mit eigener Juſtiz- und Polizeiverwaltung. Befondere Privilegien hatten die jogenannten Kanzleigüter, ebenfo die oftroyierten Köge.
So Hatte ſich bis gegen Mitte de3 18. Jahrhunderts eine Diftriktsein- teilung herausgebildet, welche aus folgendem erfichtlich wird.
Die adligen Güterdiftrifte mit ihrer Patrimonial: Zurisdiktion ftanden unter dem Qandgericht, ed waren nachbenannte:
1. Der ehemalige Glüdsburgifche Diftrikt. Diefer beftand aus einem Keil des Amts Sonderburg und Sundemwitt, dem Amt Glüdsburg und den adligen Gütern Dänijch-Lindau, Nübel, Norgaard und Unetatt.
2. Der vormalige Auguftenburgifhe Güterdiftrikt; er beftand aus zwei Zeilen, und zwar:
. a Den Auguftenburgiichen Gütern auf Alfen, ed waren Schloß Sonderburg, die Güter Auguftenburg, Gammelgaard, Kelenisgaard, Langenvorwert, Maibüllgaard, Rönhof und Rumohrsgaard.
b, den fogen. Gravenfteinifchen Gütern Aarup, Auenbüllgaard, Fiſchbek, Gravenftein, Kieding, Kielftrup. 3. Die vier adligen Güterdiftrifte; diefe waren folgende:
a. der Dänifchenwohlder Güterdiftrift mit den Gütern Altenhof, Aſchau, Auguſtenhof, Behrensbroof, Birkenmoor, Borghorft, Borghorfterhütten, Altbülk, Neubülk, Eckhof, Friedensthal, Grönwohld, Grünhorft, Harzhof, Hoffnungsthal, Hohenhain, Hohenlieth, Kaltenhof, Knoop, Königsförde, Lindau, Marienthal, Däniſch-Nienhof, Noer, Rathmannsdorf, Roſenkranz, Schirnau, Seekamp, Seheſtedt, Steinrade, Uhlenhorſt, Warleberg, Windeby, Wulfshagen, Wulfshagenerhütten, zuſammen 35.
b. der Schwanſener Güterdiſtrikt mit den Gütern Bienebek, Büchenau, Büſtorf, Carlsburg, Kasmark, Damp, Dörp, Ejcheldmarf, Espenis, Griinholz, Hemmelmarf, Hohenftein, Krifeby, Loitmark, Luifenlund, Ludwigsburg, Maasleben, Marienhof, Möhlhorſt, Mohrberg, Dlpenig, Ornum, Rögen, Sardorf, Schönhagen, Staun, Stubbe, zufammen 27.
. ber Erfte Angler Güterdiftrift mit den Gütern Böelichuby, Brunsholm, Budhagen, Dollrott, Düttebül, Fahrenftedt, Flarup, Freienwillen, Gelting, Grünholz, Lundsgaard, Niesgrangaard, Norgaard, Nübel, Ohe, Öfter:
ic)
54 Hiftorifche Topographie.
naard, Ohrfeld, Priesholz, Röft, Rundhof, Sandbet, Schwensby, Süderſee,
Töftorf, Unewatt, Wejeby, zufammen 26.
d. der Zweite Angler Güterdiftriftt mit den Gittern Ahretoft, Ballegaard, Beufchau, Boverjtedt, Büllsbüll, Frejenhagen, Gaarde, Gramm, Grüngrift, Hoyerswort, Hogelund, Karrharde, Klirbüll, Laygaard, Lütjenhorn, Mire: büll, Nübel, Schobilllgaard, Seegaard, Stoltelund, Toftum und der Graf: ſchaft Reventlow:Sandberg, zufammen 22.
Bu diefem Diftrift wurden auch die Gravenfteinifchen Güter gerechnet.
4. Das adlige St. Zohannisklofter auf dem Holm vor Schleswig. Außerdem bejaßen die Kirchen und milden Stiftungen zerftreut liegende Be: fißungen, über welche fie obrigkeitliche Rechte ausübten, u. a. den Goſchenhof in Edernförde, das graue Klofter in Schleswig, da3 Heilige Geift:Hofpital, die Et. Nitolaifiche und Marienkirche in Flensburg, die Marienkirche in Haders— leben und das Hojpital in Sonderburg.
5. Die Kanzleigüter. Diefe gehörten nicht zu den abligen Diftriften, fie Hatten andere Privilegien und waren unter die Zuftizverwaltung des Ober: nericht3 zu Gottorf geftellt, man rechnete zu ihnen Höfeberg im Kirchfpiel Loit, Grumby und Tolkſchuby im Kirchipiel Tolt, Winning im Kirchſpiel Moldenit, MildftedtHof und Nödemishof im Amt Hufum, Neuland in der Landichaft Stapelholm und Hayftruphof, Heſtholm, Meyerholm im Amt Tondern. Außer diefen waren noch andere Höfe in gleichen Verhältnijfen, wie Loithof im Amt Gottorf, Bei Steinberg: Kirche im Amt Flensburg, Sterdebüllbof im Amt Bred- ftedt, Friesmark im Amt Tondern, Aaſtrupgaard im Kirchjpiel Bröns, Wifchhof im Amt Hufum u. a.
6. Die oftroyierten Köge. Die Marjchländereien der Weftfeite wurden im Intereſſe der Eindeichung mit eigener Juſtiz- und PBolizeigewalt verjehen; es waren folgende: der alte und neue Ehriftian-Albrechtstoog, Dagebüller Koog, Friederichenkoog, Julianen-Marienkoog, Kleifeer Koog, Marienktoog, Ruttebüller Koog im Amt Tondern; der neue Sterdebüller Koog, Sophien-Magdalenenkoog, Desmercierestoog, Reußentoog, Luiſenkoog im Amt Bredftedt; Elifabet-Sophien- foog auf Nordftrand, Grothufentoog, Alte und Neue Auguftenkoog, Süder: und Norderfriederichsloog in der Landichaft Eiderftedt; Börmerkoog und Meggerfoog im Amt Gottorf; Kleinfeer Koog oder Lütgenſeer Koog im Amt Hütten, zus fammen 22 Köge.
Durch Königl. Patent vom 3. Juni 1853 wurden die adligen Diftrikte auf: gehoben und befondere Harden gebildet: aus den zum dänifchen und Schwanjener Güterdiftrift gehörenden Gütern die Edernförder Harde; aus einem Teil des erften Angler Diſtrikts (Brunsholm, Budhagen, Dollrott, Düttebüll, Gelting, Niesgraugaard, Öhe mit Haffelberg, Öftergaard, Ohrfeld, Priesholz, Röft, Rund: hof, Sandbel, Töftorf) die Kappeler Harde; die übrigen Güter der Angler Güter: diftrifte, das adlige St. Johannisklofter, die Kanzleigüter und die oftroyierten Köge — 5 Nordftrandstöge bildeten eine Harde unter dem Namen Nordftrands: harde — wurden Hinfichtlich der Gerichtsbarkeit, welche fie mit Hilfe von Suftitiaren (Gericht3halter) bis dahin ausgeübt Hatten, den angrenzenden Harden und Amtern zugewieſen.
In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts ſind infolge der Ein— verleibung Schleswig-Holſteins in die preußiſche Monarchie ſehr große Um— wälzungen in der inneren Landeseinteilung und auf allen Gebieten der Ver— waltung und Juſtiz erfolgt. Harden und Ämter wurden als ſolche beſeitigt und das alte Herzogtum Schleswig in 9 Landkreiſe eingeteilt. Weitere große Ber:
Zuſatz nach dem legten Abſatz der Seite 54.
Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts war die Diftrikt3einteilung
Schleswigs
folgende:
I. Amter, Landſchaften, Harden:
l.
Sa WW
ee
il;
12. 13.
14. 15. 16. 17. 18. II. Die
Das Amt Haderäleben, im Dfterteil die Haberälebener Harde, Tür: ftrupharde, Grambarde; im Wefterteil die Frösharde, Kalslundharde, Hoiddingharde, Norderrangftrupharde.
. Das Amt Apenrade: Süderrangſtrupharde, Riesharde, Lundtoft:
barde (mit 10 Gütern), Birk Warnitz.
. Das Amt Sonderburg: Nübelharde, Süderharde, Auguftenburger
Harde.
.Das Amt Norburg und die Inſel Ärbe. .Das Amt Lügumkloſter: Birk Lügumkloſter. Die zerſtreuten Vogteien
des Amtes: Svanſtrup, Skjärbäk, Frösharde, Abild, Alslev, Rapfted.
. Das Amt Tondern, 4 Geeſtharden: Tonderharde, Hoyerharde, Slux—
harde, Karrharde (8 Güter); 2 Marſchharden: Wiedingharde, Böling- harde; die Inſel Sylt und Landſchaft Oſterland-Föhr.
.Das Amt Bredſtedt. .Das Amt Hufum: Süderharde, Norderharde, Vogtei Schwabſtedt,
Vogtei Rödemis, Diſtrikt Simonsberg.
. Die Landichaft Eiderſtedt (Eiderſtedt, Everſchop, Utholm): Der Oſter—
teil und Weſterteil.
. Die Landſchaft Pellworm: Inſel Pellworm und die Halligen Hooge,
Nordmarſch, Langeneß, Buthwehl, Oland, Gröde, Südfall, Norderoog, Süderoog.
Die Nordſtrander Harde (im 13. Jahrh. nach Waldemars Erdbuch 5 Harden: Die Lundenbergharde, Edomsharde, Pellwormer Harde, Beltringharde, Widrichsharde) nach der Sturmflut vom 11./12. Oktober 1634 beftehend aus dem Kirchſpiel Ddenbüll, der fatholifchen Gemeinde der Therefientirche und Sanfeniftifchen Gemeinde der Oratorientirche und den Halligen Pohnshallig, Nordftrandiichmoor, Beenshallig, Buphever bei Pellworm und Hamburger Hallig.
Das Amt Flensburg: Wiesharde, Uggelharde, Husbyeharde, Nie- barde, Munkbrarupharde.
Dad Amt Gottorf: Schliesharde, Füfingharde, Struxborfharbe, Satrupharde, Mohrlirchharde, Arensharde, Treyaharde, Bogtei Bollingftedt, Kropp: und Meggerdorfharde.
Das Amt Hütten: Hüttener Harde und Hohner Harde.
Die Landichaft Stapelholm.
Die Kappelner Harde (mit 14 Gütern).
Die Edernförder Harde (mit 62 Gütern).
Die Landichaft Fehmarn.
Städte find folgende 13, Einwohnerzahl von 1845: Äröeskjöbing 1552, Apenrade 4086, Burg 1811, Edernförde 3817, Flensburg 16537, Friedrichftadt 2467, Garding 1526, Hadersleben 6128, Hufum 3983, Schleswig 11622, Sonderburg 3327, Tönning 2701, Zondern 2962.
Hiftoriiche Topographie. 55
änderungen waren die Folge der durch Geſetz vom 26. Mai 1885 in Kraft getretenen Kreisordnnung: Jeder Kreis bildet einen Kommunalverband zur Selbftverwaltung feiner Angelegenheiten mit den Rechten einer Korporation; Städte mit mindeftens 25000 Bivilperfonen dürfen einen Kreisverband (Stadt: kreis Flensburg) bilden. An der Spige der Verwaltung fteht der auf Vorſchlag des Kreistag? vom König ernannte Landrat als Organ der Staatsregierung und Borfißender des Kreistagd und Kreisausfchuffes. Der Kreistag, welcher den Kommunalverband vertritt, befteht aus mindeftens 25 Mitgliedern, welche dem größeren Grundbefig und den Land: und Stadtgemeinden angehören und durch Wahl in diefe Stellung gelangen. Der Kreisausſchuß von 6 Mitgliedern teht dem Landrat in der Verwaltung der Kreiangelegenheiten und Wahr: nehmung von Geichäften der allgemeinen Landesverwaltung zur Seite. Glieder des Kreiſes find die Amtsbezirke und Städte, ſoweit fie nicht eigene Stadtkreife bilden. Der Amtsbezirk befteht der Regel nach aus mehreren ländlichen Ge: meinden und felbftändigen Gutöbezirten, auch kann eine Gemeinde oder ein Gutsbezirk allein einen Amtsbezirk bilden. Die frühere gutsherrliche Polizei: gewalt ift aufgehoben und im Amtöbezirt eine neue Königliche Ortspolizeis verwaltung geichaffen. Auch andere Öffentliche Angelegenheiten, Armenpflege, Schuljachen, Gejundheitspflege, Feuerlöſchweſen, Wegefachen können vom Amts: bezirt wahrgenommen werden, die Organe find der Amtsvorfteher und ber Amtsausſchuß.
Sodann iſt noch der Städteordnung vom Jahre 1869 zu gedenlen, welche die Berwaltung dem Magiftratstollegium überweift, während an der Spitze der Stadtverordneten der Bürgerworthalter ſteht.
Die Landgemeindeordnung vom Jahre 1892 ift einfacher gehalten, insbefondere ift der Gemeindevorftand nicht follegialifch organifiert, ſondern befteht aus einer Einzelperjon; in größeren Gemeinden wird eine Gcmeindevertretung beftellt, in Heineren tritt an deren Stelle die aus allen ftimmfähigen Gemeinde: mitgliedern beftehende Gemeindeverfammlung. Schleswig Hat folgende Kreiſe:
1. Kr. Apenrade mit 1 Stadt, — Fleden, 12 Amtsbez., E- Gutsbez., J Landgem. 29 0
2. „ Edenföorde, 1 — u 2 ° — 3. „ Eiderfet „ — 9 . 2 R 21 i 4. Stabtlr. Flensburg „ — u — R = — 5. Landkr. ll. — 26 5 21 5 154 . 6. Kr. Hufum ed) 5 1: 13%) „ 3 A 25 J 7. „ Hadersleben, 1 „ L. 5 29 - 5 ” 131 . 8 „ Schleswig „ 3 „ . 23 6 A 112 R 9. „ Sonderburg„, 1 „ A 18 e 3 ” 67 — 10. „ Tondern „2 „ 3 32 — 11 181 z
Die 10 Kreife von Schleswig Haben eine Fläche von 8860 [km vder 161 OD’ Meilen (die Provinz hat 19004 IIkm oder 345 Meilen), 429733 Ein: wohner (die Provinz hat 1387968 Einwohner). Sie gehören zum Regierungs: bezirt Schleswig. Bon 1866—1874 war v. Scheel-Pleſſen Oberpräfident; Bitter 1872 — 1876 Regierungspräfident; von Bötticher 1876 — 1550 Regierungs- dann Oberpräfident; v. Steinmann Oberpräfident; 1897 v. Köller; 1901 v. Wilmomsti, 1906 v. Dewitz. Jetziger Negierungspräfident ift v. Dolega-Kozierowski. Landesdireltor war von 1872—1895 Wilhelm v. Ahlefeld, jet v. Graba mit dem Titel Landeshauptmann.
*) Im Kreis Huſum ift die Einteilung nad) 14 Kirchfpielgemeinden mit Unter: gemeinden gebräuchlich.
Ländliche Bejigverhältnijje.
Glücklich der Fuß, welcher über weite Flächen des eigenen Grundes fchreitet; glüdlich das Haupt, welches die Kraft der grünenden Natur einem verftändigen Willen zu unteriverfen weiß! Alles, was den Menschen ftark, gefund und qut macht, das ift dem Landwirt zuteil geworden. Sein Leben ift ein unaufhörlicher Kampf, ein endlofer Sieg. Ihm ftählt die reine Gottesluft die Muskeln des Leibes, ihm zwingt Die uralte Ordnung der Natur auch die Gedanken zu geordnetem Lauf. Er ift der Briefter, welcher Beftändigleit, Zucht und Sitte, die erften Tugenden eines Volkes, zu hüten hat. Wenn andere Arten nüblicher Tätigkeit veralten, die feine ift fo ewig wie das Leben der Erde; wenn andere Arbeit den Menfchen in enge Mauern einfchließt, in die Tiefen der Erde oder zwifchen die Holzplanfen des Schiffes, fein Blick Hat nur zwei Grenzen, oben den blauen Himmel und unten ben feften Grund. Ihm wird die höchfte Freude des Schaffens, denn was fein Befehl von der Natur fordert, Pflanze und Tier, das wächſt unter feiner Hand zu eigenem frohen Leben auf.
Buftad Freytag, „Soll und Haben.”
Art und Größe der ländlichen Befigungen in den mannigfaltigjten Formen und Abftufungen, mit den verjchiedenften Rechtsverhältniffen der Befißer und Pächter untereinander und zu dem Objekt, üben einen großen Einfluß auf die Berhältnifje des Landes und deſſen Bewohner aus. In hervorragender Stellung befinden fih in Schleswig-Holftein noch immer die adligen Güter, wenn fie auch manche Vor rechteeingebüßt haben. Die Großgrundbefiger und mit ihnen die Pächter üben in manchen Zeilen der Provinz auf dem Gebiet der Land— wirtichaft maßgebenden Einfluß aus, in anderen Diftriften dominiert der bäuer: liche Befig. Die Güter find nun nicht jo ſehr alt, fie haben fich erſt aus den vorber bejtehenden Gemeinden allmählich herausgehoben, fie find aus den Dörfern hervorgegangen.
Anfängli war die ganze Dorfflur Gemeingut (f. auch das interefjante Heine Werl: Schwanjen von Chr. Kod). Den Landbefig einer Familie nannte man Hufe, Boble oder Pflug, deren Größe in den verjchiedenen Gegenden nicht diefelbe war. Ein einzelnes Stüd, welches von der Gemeinjchaft ausgefchlofjen war, namentlich das der Hufe nächjtgelegene, hieß „Toft“ oder „Wurt,” ent» ferntere® „Holt“ oder „Kamp.“ Andere Ortichaften entftanden und wurden „Rieby” oder „Zorp” genannt. Man hält die meiften auf torp, trup und dorf endenden Ortſchaften für derartige Tochterdörfer. Bei Niefeby z. B. entftand ein anderes Dorf und hieß Norby, d. h. Norddorf, oder Sönderby, d. h. Süd- dorf. Schuby — Dorf im Walde, Söby — Dorf am See, Karby — Dorf bei der Kirche. Nach dem jütifchen Lov konnte innerhalb einer dreijährigen FFrift
Ländliche Befisverhältnifie. 57
da3 Urdorf die Aufhebung des Filialdorfes fordern. Der unabhängige Eigen: tümer war der Bonde oder Bunde, eigentlich Boende, d. i. Bauende (rei: bauer). Diefe find die alten Träger ber freien Bauernjchaften, welche heute vorzugsweije in Holftein, aber auch in manchen Diftriften Schleswigs anzutreffen find. Dagegen wohnte der Feftebauer oder Lanfte zu Lehen, beim König, dem Edelmann, der Geiftlichkeit. Ein ſehr bedeutender Teil des Landes war rüh in den Beſitz der Geiftlichleit gelommen und hatte eine Reihe von Diftrikten ih bilden laſſen. Die Macht der Geiftlichkeit wuchs bis zur Reformation. Für bie Übergabe des Landes beſonders an die Geiftlichfeit Hatte fi) der Name „Schöte” (Übergabe) gebildet, „verfchöten” — in ben Schoß legen, d.h. zur Beltätigung des Befigwechjeld wurde eine Grasjode in den Schoß des Käufers oder des VBermächtnisnehmers gelegt.
Der Lanfte verfügte nicht frei über feinen Befig und war nicht zu Ab» gaben verpflichtet.
In den Marfchen befinden fich ſolche Unterfcheidungen und Benennungen weniger, das meifte Land ift bier in feftem Befig, man unterfcheidet nur fogen. Marichhöfe und Kleinere Landftellen.
Benn der Bonde feinem alten Knecht oder Handwerker ein entlegenes Stüd Land überließ, fo wurde diejer ein Kätner, welcher auf öffentlichen Ver: jammlungen feine Stimme hatte. Das Ziel höherer Wünfche war ein „Wurtfiß,” d. 5. gefpannfähige Katenftelle, Inftenftelle, Wohnung mit etwas Gartenland. Beide gehörten zum Gut oder zur Hufe, der Inhaber arbeitete als Tagelöhner oder Handwerker.
Der Adlige wohnte urfprüngli” im Dorf und beſaß eine Hufe, deren Gebäude fich vor denen der Bauern auszeichneten, auch umgab er fie mit Graben = Wall oder errichtete eine Einfriedigung aus Pfahlwerk. Ein folder Bau ieß „Curia.”
Bis zur Errichtung abgerundeter Güter war noch ein weiter Weg zurüd- zulegen. Es kamen Zeiten, wo der Edelmann im Kriege nicht beichäftigt und darauf bedacht war, feinen Befig zu verbeffern und zu vergrößern durch Tauſch, Kauf und auf andere oftmald willfürliche Weile. Ofters verödete da3 Land infolge von Fehden oder Peit und es fiel dem Edelmann ohne weiteres zu, oder der Landesherr überwies ihm befiglofe Streden zur Urbarmachung.
Die Reformation trug ebenfall3 zur Stärkung der Adligen bei, die katho— liche Geiftlichkeit fuchte nämlich gegenüber diefer große Gefahren bringenden Bewegung ihre alte Machtftellung zu behaupten und bedurfte Hierfür großer Geldmittel. Sie fing an, ihre Untertanen in volle Abhängigkeit zu bringen und deren Beſitz fich anzueignen, es war die verhängnisvolle Zeit, wo man mit dem jogen. „Niederlegen der Dörfer” vorging. Die Geiftlichkeit Hatte den Reigen eröffnet, der Adel folgte. Die Not der Zeit verlangte aber mehr, die Kirche mußte einen großen Xeil ihrer Ländereien zu Gelde machen und überließ vieles gegen Kauf oder als Pfand dem immer mächtiger werdenden Gutsherrn. Eben: falls bedurften die Fürften in den andauernd friegerifchen Beitläuften großer Geldmittel, auch fie überließen manches Gut und Dorf dem vermögenden adligen Beſitzer ald Pfand, deſſen Einlöfung nur zu leicht unterblieb.
So fiel aus verfchiedenen Urſachen viel Grund und Boden den großen Familien zu. Die alte Bauernfchaft verlor mehr und mehr ihre Selbſtändig— teit und geriet in jene Abhängigkeit, welche zur Leibeigenfchaft führte. Dies war um fo eher möglich, al3 der Adel die Patrimonial-Furisdiltion bejaß, er war Richter feiner Untertanen.
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Bon dem Mecht der Berufung beim Landgericht wurde aus Unkenntnis und Mangel an Mut kaum Gebrauch gemadjt. Zu diefer Befejtigung der Macht der alten Gejchlechter trug noch ein anderer Umftand bei; es bob ſich nämlich mit der langjam fortichreitenden Kultur und Wertfteigerung der Erzeugnijje all: mählich der landwirtichaftliche Charakter des Beſitztums Heraus und wurde zu einer Quelle des Gelderwerbs, des Reichtums.
Diefe Blütezeit errreichte im 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts den Höhepunkt; dann trat eine rüdlaufende Berwegung ein. Als die Fürften gegen den oftmal3 ausgeübten Mißbrauch der Adelsgewalt einfchritten, da fchien es, al® ob die alten Familien v. d. Wilch, v. Pogwiſch, dv. Seheftedt u. a. ihre Lebenskraft eingebüßt Hätten, in kurzer Zeit verfchwanden fie wieder. Über andere brachen Konkurje Herein, nun drangen Hamburger Geldleute in das Land und die Ehrfurcht vor dem alten angeſtammten Befig ging merklich zurüd. Dazu kamen aus Frankreich die liberalen Ideen eines Montesquien, Rouffeau, Voltaire. Man fing an, den Bauern die Freiheit wiederzugeben und fie zu erblihem Befiß gelangen zu lajjen, das Syftem der Erbpacht wurde eingeführt. Ebenjo verfuhr die Königl. Regierung mit ihren Befigungen, der größte Teil der Güter und Vorwerke wurde parzelliert und vererbpachtet.
Ein need Moment machte fich geltend, die Spekulation.
Die Preife der Güter ſchwankten um die Wende des 18. und 19. Jahr: hundert3 in hohem Maße, die Güter gingen von einer Hand in die andere und der neue Beſitzer juchte für feine große Kaufſumme Erjaß, indem er Ländereien vom Haupthof abtrennte, jogen. Meierhöfe daraus machte umd ver: taufte. Eine große Zahl von diefen wurde im Jahre 1806 zu adligen Gütern erhoben, auch wurden neue Erbpachtitellen abgelegt. Neuerdings ift aber dDiefe alte Form des geteilten Befiges verlafjen, die in der Gejeßgebung jeit einem Jahrhundert vorherrichende individualiftiich » liberale Strömung führte zu ihrer Befeitigung. So hob insbejondere das preußijche Geſetz das Eigen: tumsrecht des Grundherrn ohne Entichädigung auf, verlieh dem Erbpächter das volle Eigentum, indem die auf dem Grundftüd Haftenden ftändigen Ab: gaben und Leiftungen in ablösbare Reallajten umgewandelt wurden, und be: ftimmte ferner, daß in Bukunft bei erblicher Überlaffung eines Grundftüds nur die Übertragung des vollen Eigentums zuläffig fei, daß die Ablösbarkeit der Nenten nie für länger ald 30 Jahre vertragsmäßig ausgeichloffen werden, auch deren Ablöjfungsbetrag dad 25fache der Rente nicht überfteigen dürfe. Dagegen ift in der Neuzeit das Inſtitut des Rentenguts neu belebt. Das: jelbe befigt die Vorzüge der Erbpacdht und vermeidet die Nachteile der dauern: den Abhängigkeit. Der Staat ftellt Hierfür den öffentlichen Kredit und die Arbeitskraft der ſtaatlichen Agrarbehörden zur Verfügung. Die Rentengüter müſſen frei von der Hypothekenſchuld des Hauptgut3 begründet werden. Der Staat kann bi zu einer beftimmten Sicherheitögrenze auf Antrag der Beteiligten durch die Bermittelung der Rentenbanten die Renten ablöjen. Der Berechtigte erhält das Ablöfungslapital in Form von Rentenbriefen, während der Pflichtige feine Renten durch Umwandlung in eine Beitrente amortifiert. — In neuerer Zeit ift auch die Privatipefulation wieder rege, größere Komplexe werden angelauft und parzelliert (ausgejchlachtet).
Es dürfte zur Frage ftehen, ob die Heineren Güter mit verhältnismäßig zu te uerem Wirtjchaftsbetrieb aufdie Dauer ſich lebensfähig erweifen, einftweilen finden fie noch Liebhaber in vermögenden Perfonen, welchen der Befiß eines Gutes aus
Ländliche Befipver hältnifie. 59
irgend welchen Gründen begehrenswert erjcheint und die auf entjprechende Ber: zinfung ihres Vermögens Berzicht leiften.
Die bäuerlichen Befigverhältnijfe haben fich, verglichen mit früherer Zeit, ſehr gebeffert, wie diejes auch im Abſchnitt Landwirtſchaft befprochen ift. Biel: fah werden bie Hypothekenſchulden mit Hilfe des landwirtſchaftlichen Kreditverbandes in Amortijationshypothelen umgewandelt.
Die Landſchaft für die adligen Güter und in neuerer Zeit auch für Heineren Grundbefiß hat in den lebten Jahren einen erfreulichen Zuwachs von Dahrlefnsnehmern erfahren.
Die allgemein beſſere wirtfchaftliche Lage zeigt fich bejonders in dem erfreu— lihen Umftand, daß die Armenlaften, welche in früherer Zeit fehr groß und oftmal3 geradezu drüdend waren, jehr viel geringer geworden find: Aus Borrig, Kr. Tondern, wird berichtet, daß vor 40 Jahren 50—50 Berfonen im Armenhaus untergebracht waren und jet nur 4. — Im Dagebüller Koog „gibt es faum noch unverjchuldete Armut, wenn auch durch das leichtfertige Kreditiwejen manches Unheil angeftiftet wird.” — „Ein Armenhaus in Almdorf, Kr. Hufum, eriftiert nicht mehr.“ — Während dad Armenhaus in Bedftedt, Sr. Apenrade, früher vier Familien beherbergte, ift jeßt nur eine Familie dafelbft wohnhaft. — An diefer Beſſerung der Verhältniffe Hat zweifellos einen großen Anteil die joziale Reform, welche durch umfaſſende Gejehgebung für den Schuß der arbeitenden Klaffen gegen die mit Eintritt der Krankheit, Alter oder Tod verbundenen Vedrängnifje fo überaus wirkfam eintritt. Aus einigen Kreifen wird beſonders erwähnt, daß der Grundbefig lange Zeit in derfelben Familie bleibt, 3. B. Kr. Edernförde: Gem. Neu: Duvenftedt; Kr. Flensburg: Gem. Ausader, Birz: haft, Gammelby, Grundhof, Kollerup, Lußhöft; Kr. Hadersleben: Flauth, Lade: gaard II, Rödding, Weibüll; Kr. Sonderburg: Tandslet; Kr. Schleswig: Kius, Berend; Kr. Tondern: Maasbüll.
Die Entwidelung der landwirtichaftlichen Verhältniffe im alten Herzogtum Schleswig ift jedenfalld eine gefunde und günftige.
Der Zauf der Zeiten wird e3 auch mit fich bringen, daß auf politifchem Gebiet die Gemüter fi) mehr und mehr beruhigen werden und es ift mit Sicherheit zu erwarten, daß das alte nordifche Grenzland nach wie vor fi) als ein treuer Hüter des Deutſchtums ermweijen wird.
Größe und Benennung der ländlidhen Befigftellen; Landmaße.
Wir haben vorhin geſehen, daß zur Zeit der Feldgemeinſchaft jede Familie einen gewiſſen Teil der Feldmark zur Bearbeitung und Nutzbarmachung zuge— wieſen erhielt, und zwar in den verſchiedenen Abteilungen des Feldes, die durch die Urbarmachung entſtanden, ein Stück, deſſen Größe nach der Möglichkeit der Bearbeitung an einem Arbeitstage bemejjen war (Morgen). Die Gejamtheit diefer zerftreuten Teile bildete nebft Haus, Hof und Garten und dem Nutzungs— reht an dem aus Wald und Weide beftehenden entfernteren Grenzlande (Mark— lande) die fogen. Hufe (Boel, Bohl im Norden und in Angeln, Stave im füdl. Schleswig) oder Pflug. Es war foviel, ald mit einem Pflug oder einem Ge: Ipann im Laufe des Jahres bearbeitet werden konnte. Die Größe der Hufe war in derfelben Gemarkung die nämliche, aber verfchieden, jobald es fich um andere Gemarkungen handelte. Auf leichteren Bodenarten war eine größere Flãäche fiir die einzelne Familie erforderlich. Eine Miffunder Halbhufe, ca. 33 ha
60 Ländliche Befigverhäftniffe.
umfalfend, Hatte und Hat jet noch diejelbe Größe wie eine Vollhufe im mitt: leren oder öftlichen Schtwanfen. Bei der Verteilung des Grundbefiges, welche in der Gemeinde Tombüll, Kreis Apenrade, 1770 und 1771 erfolgte, wurde die Größe der einzelnen Höfe oder Boele auf 96—132 Tonnen à 192 [-Ruten bemejjen. Der volle Staven Hatte in der Gemeinde Drage, Kreis Schleöwig, an Stavenland in den Kögen 1 Demat 4 Scheffel Marfchland, etwa 2 Demat Wiejenland, 2 Scheffel Marfchland am Schliddeich und an Außendeichgräfung für 2 Pferde. — Die Hufe oder Stave wurde in Halb», Viertel: u. f. w. Hufe geteilt, wofür die Anzahl der für die Bearbeitung erforderlichen Pferde maßgebend war. Heute noch wird aus Rabenkirchen (ſ. d.), Kreis Schles: wig, (Stammfiß der Familie Esmarch) berichtet: die Gemeinde Hat 3 Hufen zu 6—7 Pferden, 1 Hufe zu 4 Pferden, 33 ha ufw. So hält man in bäuerlichen Streifen bier und da an der natürlichen Unterjcheidung feſt. Im allgemeinen rechnet man nicht mehr damit, die Gemeindevorfteher äußern fich öfters: „Angabe nad Bohlen nicht mehr möglich;“ „die Einteilung nach Staven und Katen befteht nicht mehr;“ „bie jeßige Generation weiß nicht? von Einbalb», Eindrittelhufe ufw.” Andererſeits werden in einzelnen Fällen die Befigungen nach Hufen, Halbdufen, Landbohlen ıc. aufgeführt.
Das ideale Beſitzrecht des Einzelnen am Dorflande wurde früher durch die Ottingszahl normiert. Die Otting wurde in Schilling geteilt, war aljo felbft eine Mark, nämlich) eine Mark Silber. Diefe war ein Achtel der Markt Goldes des jütifchen Lov. Bauern, welche zufammen drei Mark Goldes hatten, bildeten einen Hufenverband, welcher Arbeitskräfte zu ftellen und Ab: gaben zu zahlen Hatte.
Eine Mark Golde3 wird alfo wohl das urfprüngliche normale Landmaß eines Bauern geweſen fein. In neuerer Zeit wurde die Hälfte, alfo vier Ottinge und darüber, für einen großen oder ganzen Hof angejehen und zwei Ottinge und darüber für einen Heinen Hof. Die freien königlichen Bauern Hatten Bruch: zahlen der Otting, alfo 3. B. fünf Otting 14'/s Schilling, während die abligen, ſpäter Herzoglich genannten Bauern genau vier oder zwei Dttinge hatten, da der Adel im 17. Jahrhundert die Erlaubnis erhalten Hatte, fein Bauergut zu arrondieren. In den 60er Jahren des vorigen Jahrhundert? wurde 3. B. in Rinkenis (Kr. Apenrade) die Einquartierung nad der Dttingszahl berechnet. Dad Aderland, welches ald Schmiedeland 1769 nicht zur Aufteilung gekommen war, jollte zu jener Zeit — in den 60er Jahren — verkauft werden und ber Anteil des einzelnen Bauern wurde nad) ihrer Ottingszahl berechnet. Als fi dieſes mit noch anderem Schmiedeland 1890 wiederholte, war inzwifchen das Verftändnis für diefes Recht der urgermantifchen Dorfverfaſſung verloren ge: gangen und die Intereffenten, Rechtsanwälte und Gerichte zeigten fi unkundig.
Als alte Landmaße find zu nennen: der vorhin erwähnte Pflug; durchichnittlich mögen 100 Tonnen Land auf einen ſolchen zu rechnen fein.
Die Tonne Land ift das gebräuchliche Landmaß und wird noch jeßt viel gebraucht; fie entjpricht ziemlich genau einem halben Heltar. Sie wird in 240 preußifche DRuten, a 16 Fuß, eingeteilt, die fogen. Steuertonne mißt 260 ONRuten. Das genaue Größenverhältnis ift folgendes:
Die „Holfteinifche” Tonne — 240 preuß. INRuten — 50 ar, 45,650947 Om die „ſchlesw.-holſt.“ Steuertonne, a 260 „ =54 „ 66,121859 „
1,981905 Holfteinifche Tonnen,
Der Heltar — ’g9g451 fchlesw.-Holft. Steuertonnen.
t I
Ländliche Befitverhältnifie. 61
das Holzland wurde nad Tonnen, à 300 ORuten, berechnet. Im Süden und Beten wurde auch für Aderland nach größeren Tonnen als zu 240 [Ruten gerechnet.
Das Demat gilt bejonder3 in den Marjchen und wird — 216—228 (16 Zub) ONRuten gerechnet, durchichnittlich entipricht das Demat einem /s ha. In Rorderftapel wird das Berhältnis angegeben auf 335 Demat — 182 ha; dad Demat ift aljo etwas größer als der '/a ha.
Heitjcheffel, auch Heidicheffel, Heidticheffel, in Angeln noch jetzt ge: bräuchlih; er bat 144 [Ruten und wird — 30 ar gerechnet (Birzhaft, Kreis Flensburg), auch 30,3 ar.
Seht wird im amtlichen und mehr und mehr im praftifchen Leben die Größe der ländlichen Befigftellen durch den ar und feinen vielfachen angegeben, der Wert durch den Grundfteuerreinertrag zum Ausdrud gebracht; daß in weiten Streifen der Wunjch nach neuer Bonitierung befteht, ift ja befannt, da der Ertragswert des Landes fich erheblich zu Gunften der geringeren Bodenarten geändert bat.
Was nun zunächſt die Benennungen der ländlichen Befißungen betrifft,
fo find dieſe ebenſo verfchieden wie mwillfürlich. Wie bereit3 bemerkt wurde, ſpricht man vielerort3 noch von Hufen ufw., auch amtlich Heißt e8 noch Hufner, Halbhufner, Landbohlsmann, Kätner. — Bei der vorliegenden Arbeit find die Ausdrüde „ländl. Befigung,” „Beſitzung,“ Befißftelle,“ Stelle,” jelbftverftändlich auch „Hof“ und „Hufe“ gebraudt. In einzelnen Fällen ift num der Wunfch zum Ausdrud gebracht, ein beftimmter Befig möge als Hof, nicht als Hufe bezeichnet werden. Selbftverftändlich habe ich ſolchen Wünfchen Rechnung ges tragen, im übrigen muß ich mich durchaus dagegen verwahren, immer mit Bor: bedacht diefen oder jenen Ausdrud gewählt zu haben. Es ift mein aufrichtiges Bejtreben gewejen, gerade den kleineren und geringeren Grundbefig zu dem ihm gebührenden Recht zu bringen. Die Berhältnifje liegen aber jo unendlich ver- fchieden, man denke an die Marſch und an die Geeft, an Reinerträge, tmelche zwijchen 70 A pro Heltar und 4 A pro Hektar liegen. Wie groß find Die Gegenſätze, welche fi aus dem Verhältnis de3 Reinertrages zur NArealgröße ergeben: in dem einem Fall repräfentiert ein gewiljes Areal einen überaus wertvollen Befiß, einen ſchönen Hof mit ftattlichen Gebäuden, im anderen Fall eine ziemlich wertlofe Halbhufe, die es faum fertig bringt, eine alte Räucher— tate in baulidem Stande zu halten.
Das jegige Landmaß ift, wie vorhin bemerkt wurde, der (auch das) Ar. Der Ar ftellt ein Quadrat dar, von dem jede Geite 10 m lang ift und ber fomit einer Fläche von 100 Quadratmetern entjpricht. 100 Ar find ein Hektar (ha), von dem jede Seite 100 m lang ift und einer Fläche von 10000 Quadratmetern entfpricht. Eine Fläche von 100 ha oder 10000 Ar (Myriar) ift gleich der eines Quadratlilometers. i
Wie vorhin bereit3 bemerkt wurde, ſchwanken die Reinerträge pro ha in hohem Maße, gutes Marfjchland Hat Reinertrag von 50—60 MH unb darüber; guter Weizenboden an der Oftküfte Hat 30—40 A pro ha, geringes Geeftland gebt bis zu 3 A herunter. Die Grenzen für Wiejenland liegen im allgemeinen zwifchen 40 und 10.4; für Hölzung zwifchen 20 und 10 4 und erheblich darunter. Der durchichnittliche Reinertrag der Ländereien einer jeden Gemeinde und eines jeden Gutsbezirks ift angegeben, weil im allgemeinen doc) daraus der Schluß auf Beichaffenheit der Äder, Wiefen und Hölzungen zu ziehen ift. — Damit mag denn aud) der Schluß dieſes Kapitels erreicht fein.
Bodenbeſchaffenheit.
Die Bodenbeſchaffenheit der Provinz Schleswig-Holſtein (insbeſondere des Herzogtums Schleswig) iſt ein Abbild im kleinen von der Beſchaffenheit des geſamten norddeutſchen Tieflandes. Was von Rußland bis Holland zu einer Breite von 100 Meilen auseinander gelegt iſt, das findet ſich in dieſer ſchmalen, gen Norden gerichteten Halbinſel auf wenige Meilen zufammengedrängt. Die Oſtküſte der Halbinſel iſt in ihrer gejamten Erjcheinung und ebenfo in ihrer Entjtehungs: weife und inneren Zufammenfegung identifch mit den übrigen deutfchen Dftfeeländern. Der mittlere Teil der Halbinfel ift identifch mit der Lüneburger Heide ſamt den fih daran: chließenden ähnlichen, aber niedriger gelegenen Zandbildungen in Oldenburg, Weftfalen uſw. Der weftliche Teil endlich ift das getreue Abbild der Nordfeeküften von Hannover, Olden— burg und Holland in einem jo Hohen Grade, daß felbit die Bormauer einer gleichartigen Inſelkette die Nichtigkeit der Auffaffung beitätigt. Dr. 2. Meyn.
Wenn wir Schleswig von Dften nad) Weſten durchichreiten, finden wir 3 verjchiedene Arten von Boden, welche in ebenfo vielen Streifen von Süden nad) Norden parallel neben einander, aber keineswegs immer gleich breit ber: laufen, und von deuen der mittlere den größten Raum beanſprucht, es find:
1. der Lehm: oder Tonboden des Dftens, 2. ber Sand» und Moorboden der Mitte, 3. ber Marjchboden des Weſtens.
1. Der Lehm: oder Tonboden ftredt fi) an der Dftküfte hin, er bededt namentlich die zwifchen den Buchten liegenden Landſchaften Däniſchenwohld, Schwanfen, Angeln, Sundewitt, Zoit, Haderslebener Neß, und reicht nicht weit über das Gebiet der in den Förden liegenden Küftenftädte hinaus. Dieſer Ton zeigt gelbe und blaue Färbung und Hat beträchtlichen Mergelgebalt, er ift von größeren und kleineren Felsftüden und vielen Flint: oder Feuerfteinen durch⸗ ſetzt und zeichnet ſich durch Fruchtbarkeit aus. Schöne Buchenwaldungen zieren die Ufer der Meeresgeſtade. Die Grenze des Sandbodens läßt fich nicht überall ſcharf ziehen, oft kommen kaum merkliche Übergänge von der einen Bodenart in die andere vor.
2. Der Sand: und Moorboden. Durch die Mitte des Landes zieht fih in anjehnlicher Breite eine fandige und moorige und zum Teil wenig er: tragsreiche Bodenart Hin, die wir mit dem allgemeinen Namen „Geeft” (gift, unfruchtbar) bezeichnen. Es find leichte Bodenarten und weite jandige Streden und Heideflächen, in welchen auch Höhenzüge auftreten. Dan findet vielfach Nefte alter Eichenwaldungen in Form von fogen. Krattbuſch, danach ift Die Holzwüchfigkeit diefer Gegenden in alter Zeit größer gewefen. Der Charalter
Bodenbeichaffenheit. 63
und die Fruchtbarkeit des Landes ift fehr verfchieden, neben Flugſandwildniſſen, Heiden, Mooren finden wir grasreiche Wiefen und Weiden und einen ſchwarz— grau ausfehenden Aderboden, auf welchem bei guter Düngung Hadfrüchte, Roggen, Hafer, auch Gerfte und Buchweizen gedeihen. Der eigentliche Heid: rüden oder die hohe Geeft ift unfruchtbarer als die zu den Marjchen hinüber— “leitende Vorgeeft.
Die Urbarmachung der Heide wird durch den Ortftein erjchtvert, deſſen Bildung auf die Verarmung der Aderfrume an Kalt zurüdzuführen if. Es ift dabei zu unterjcheiden ziwijchen dem harten Eifenortftein und dem weichen Humusortftein, welch’ leßterer ſchon infolge Luftzutritt3 nach Entwäjjerung und Bearbeitung des Bodens dur den Dampfpflug vermwittert und zerfällt. Es gibt aber auch Heideland, wo die Anwendung des Dampfpflugs ein Fehler jein würde, 3. B. befißt die Abeler Heide im Ar. Tondern eine ziemlich ftarle Humusdede, welche durch tiefes Pflügen nicht befeitigt werden darf. Hier fann es fih nur um forgfältiges Durchlüften und Entjäuren des Bodens handeln, wofür eine Zeit von 2 Jahren für genügend gehalten wird, um mit gutem Erfolg Kartoffeln, Roggen und Hafer bauen zu können. Überhaupt muß mit Rüdficht auf die wechſelnde Beſchaffenheit und Lage des Heide: boden? deffen Kultur und ‚Bewirtjchaftung auch verſchieden jein. Bon großer Bedeutung find Mergelung und Zufuhr von Pflanzen-Nährſtoffen. Es Haben ſich Verbände gebildet, welche die Mergelung in umfaſſender Weife betreiben (3. B. in Meyn und Scafflund, Kr. Flensburg, Uk uſw., er. Apenrade), daneben werben die aus dem Boden verſchwundenen Nährftoffe durch zunehmende Anwendung fünftlicder Dungftoffe erſetzt. — Auch die abgetorften Hochmoor: flächen werden fultiviert und Dauerweiden und Wiefen gefchaffen. Das Geſamt— ödland wird auf 1000 qkm (— 100000 ha) gefchäßt, welche Fläche etwa dem des Landkreiſes Flensburg gleichtommt, ein weites Gebiet, auf dem noch viele Menfchen ihren Unterhalt finden können (vergl. Art. Heidekulturverein).
3. Die Marſch, d. i. Meerland, ftellt fich als flache, vielfach von breiten Gräben durchſchnittene Ebene dar, welche ſich nur wenig über den Meeres: ſpiegel erhebt, 3. T. in gleicher Höhe, oder gar, wie die Wilftermarfch (welche auf Moorgrund ruht), tiefer als die Wafjerfläche liegt. Das Land wird durch Deihe gegen die Fluten geſchützt. Flußmarfchland ift ſchwerer und bindender als Seemarjchland. Der Marſchboden befteht aus glinmerreichem, fteinfreien Ton, auch Klei oder Schlid genannt, er ift, foweit er unter den Pflug genommen wird, ein ausgezeichneter Kornboden, die größten Vorzüge liegen aber in der ſonſt unerreichten Fruchtbarkeit und Güte ald Weideland.
Die Marjch zieht fi) in einem bald breiteren, bald jchmaleren Streifen längs der Weftküfte Hin, bei Schobüll, nördlich von Hufum, wird er auf eine kurze Strede unterbrochen; bei Hoyer dringt die Geeft bis Hart an den Meeresrand und num folgt ein ſchmaler, wiederholt durch Geeftland unterbrochener Saum von Marjchland, der ſich nordwärts bis zur Landesgrenze Hinzieht; Häufig wird die Grenze zwifchen Marſch und Geeft durch graswüchſiges Wiefenland gejchieden, oftmals leitet fie unvermittelt von der einen Bodenart zur anderen hinüber.
Diefe drei verfchiedenen Formen der Oberfläche, welche in der nord— deutichen Ebene über weite Räume ausgebreitet liegen, find in Schleswig auf einen fchmalen Strich Landes zujammengedrängt, welcher und geftatten würde, den Anblid zweier Meere gleichzeitig zu genießen, wenn in der Mitte Hohe Ausfihtspunfte vorhanden wären.
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Die Landwirtidaft von heute.
Nihil melius, nihil homine libero dignius agricultura. Cicero.
Die Landwirtfchaft zeigt ſowohl in Schleswig wie in Holftein eine außer: ordentliche Mannigfaltigfeit, und dennoch Hat fie ein beftimmtes, eigenartiges Gepräge, welches wir vermifjen, jobald wir die Elbe überfchreiten oder unfern Fuß nach Medlenburg und in andere Länder des Oſtens ſetzen. Unjer Schles: wig:Holftein bietet — von einigen Teilen der Marjch abgejehen — eine Ber: bindung des Aderbaus mit der Viehzucht, wie fie in Harmonijcher Zuſammen— gehörigkeit in anderen deutſchen Ländern faum angetroffen wird. Man könnte geneigt fein zu jagen, der Schwerpunkt liege in der VBiehhaltung, aber bei näherer Betrachtung ift dies nicht der Fall, der Aderbau will als gleichwertig angejehen werden. freilich, die Größe der Betriebe, die Höhere oder tiefere Lage der Ländereien, die Güte des Aderd und andere Umftände machen ſich geltend und lafjen bald den einen und bald den andern der beiden Hauptzweige des landwirtichaftlichen Betriebes in den Vordergrund treten. So konnte noch vor 50 Jahren gejagt werden (f. Schröders Topographie des Herzogtums Schles- wig, ©. 30): „Die Milcdwirtichaft aber kann natürlich nur auf größeren Höfen, wo größere Weidepläbe vorhanden find und längere Weidezeit möglich ift, mit Erfolg betrieben werden und ift daher auf kleineren Befigungen nicht jo fehr von Bedeutung; Hier muß mehr für die Bedürfnijfe als für Geldgewinne, tie es auf größeren Höfen gejchieht, geforgt werden.“ Wir werden Hierauf zurüd: fommen.
Vergegenwärtigen wir uns, wie ſich die Landwirtſchaft bei uns entwidelt bat. Unjerm Schleswig-Holftein ift die Koppelwirtichaft, auch Dreefchwirtfchaft, Feldgrasmwirtichaft, Weidewechjelwirtjchaft genannt, eigentümlidh. Sie ift jehr alt und Hat fi durch die langfam fortfchreitende Kultur allmählich heraus: gebildet. In früherer Zeit nämlich war das Land von großen Wäldern bededt: der Iſarnho (Eifenwald), jpäter Däniſchenwohld genannt, zog fi) von Wagrien durch Holftein nach Schleöwig Hinein, und noch im 16. Jahrhundert ging ein zufammenbhängendes Waldgebiet von Kiel bis zu den Gottorper Gehegen. Damals Hatte die Waldmaft der Schweine noch erhebliche Bedeutung. Nur wenig Land war urbar gemacht und bierfür beftand die Feldgemeinſchaft. Die Ländereien eined Dorfes befanden fich in gemeinfamem Befig, ein jeder erhielt zur Bearbeitung und Nugßbarmachung einen gewilfen Teil zugewieſen; das entferntere Land diente ald gemeinfame Weide. Es iſt erflärlich, daß mit der Ausbildung des Begriffs des Privateigentums diefer Kommunismus auf die Dauer der Zeit nicht befriedigte. Man fing an die einzelnen Teile und Stüde des Landes dem Einzelnen als ihm ausfchlichlich zugehörig zuzuteilen,
Die Landwirtichaft von Heute. 65
der Eigentümer begann mit Kornbau und Weide abzumwechfeln und friedigte fein Stüd Land ein. So entitand die urfprünglichfte Art des Feldjyftems: die Beidewechjelwirtfchaft, Koppelwirtichaft, bei der jeder Schlag (Koppel) von einem mit Gebüſch (Knid) bepflanzten Exdwall umgeben ift. Die Heimat diefer Wirt: ſchaft iſt Schleswig. Holftein.
Nun kann man jagen, daß diefer natürliche feldwirtichaftliche Aufbau noch beute jeine Gültigfeit bewahrt, die Grundzüge des landwirtfchaftlichen Betriebs find diefelben wie zur Seit der Urväter: Wir laſſen einen Teil der Feldmarf als Weideland liegen und verwandeln diefes dann durch „reine Brache“ oder auch durch „Sommerbracdhe” in Aderkrume; diefe trägt dann mehrere aufeinander: folgende Fahre verjchiedene Getreidearten. Die Erfahrung Hat gelehrt, daß der Ausfall einer Fahresernte infolge der Brachhaltung durch höhere Erträge der folgenden Ernten nicht nur eingebradit, fondern überholt wird. Während des Sommers, von Mitte Mai bis Mitte Oktober, gehen Kühe und Jungvieh Tag und Nacht auf der Weide. Die Erdwälle mit ihren Knicks gewähren gegen Kälte und Näffe Schu und fpenden in heißer Sommerszeit fühlen Schatten. Das Bufchholz wird in beftimmten Beitabftänden abgehauen und gibt für ver: idiedene Bwede gute Erträge, die Stümpfe und Wurzeln werden aus den Gräben mit frifcher Erde bebdedt und die Wälle werden dba, wo e3 erforderlich ift, wieder aufgehöht. Das ift der Betrieb der alten Koppelwirtfchaft und diejen Charakter Hat die fchleswig-holfteinifche Landmwirtfchaft bis auf den Heutigen Zag bewahrt; eine fundamentale Umgeftaltung der Betriebe, wie es in den Gegenden der Fall ift, wo Zuckerrüben- und Kartoffelbau ihren Einzug gehalten baben, ift nicht erfolgt. Nun ift es erflärlich, daß Landwirte, welche aus folchen Gegenden kommen, für Hadfruchtbau und Stallfütterung jehr eingenommen und dieje Hier einzuführen bemüht find; ſolche Verfuche find aber ftets, wenn man von ſolchen in Heinen Wirtfchaften und in der Nähe der Städte abfieht, zum Nachteil der Unternehmer ausgejchlagen und wieder aufgegeben. Der Grund bierfür liegt 1. in den Elimatifchen Berhältniffen: das rauhe Wetter und die vielen Niederſchläge lafjfen uns im Frühjahr zu ſpät auf den Ader kommen und zwingen uns ihn im Herbſt zu früh zu verlaffen; 2. in dem jchtwachen Stand der Bevölkerung, welche zu wenige bezw. feine Arbeitöfräfte fiir intenfives Wirtſchaften zur Verfügung ftellt. Nichtsdeftoweniger ift in unferer Provinz ein Stillſtand im Betrieb der Landwirtjchaft nicht eingetreten, im ©egenteil, man jeßt die ganze Kraft ein, um ſowohl den Aderbau auf eine höhere Stufe zu dringen al3 auch die günftigen Vorbedingungen, welche für die Viehhaltung gegeben find, in vollem Maße auszunugen. Wer zu erinnern vermag, wie vor 30 Jahren die Aderbeftellung noch vielfach der erforderlichen Sorgfalt entbehrte, wie 3.3. das jo wichtige Abftoppeln im Herbſt garnicht betrieben wurde — es fehlten die guten Geräte der Jetztzeit —, wie man ber Auswahl des Saat- gut3, der Bertilgung des Unkrauts, der Pflege der Wiejen und Weiden, der rationellen Düngung u. a. m. forglofer gegenüberftand, der wird zugeftehen, da jetzt zielbewußter und erfolgreicher gearbeitet wird. (Betr. Kultivierung der geringeren Bodenarten vergl. das Kapitel Bodenbejchaffenheit und den Artitel Heidekulturverein.) Die Sebtzeit ift auch darauf bedacht, dem Walde größere Fürforge zuteil werden zu laffen, wir denken insbefondere an die Auf: forftungen, welche auf dem Mittelrüden des Landes einen erfreulichen Auf: ſchwung nehmen.
Seitens Privater und Kommilnen wird mit Hilfe des Staates, der Provinz, der Landwirtichaftslammer und des Heidekulturvereins darauf Hingearbeitet, um
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den Holzreichtum zu mehren. Zu diefem Zweck Haben fi an verfchiedenen Orten Waldverbände gebildet.
Wir kommen nunmehr zu dem anderen Wirtjchaftözweig, welcher die größten Veränderungen, und man muß Hinzufügen, bedeutende Fortfchritte auf: weift — wir meinen die Viehhaltung und das was mit ihr in Zuſammen— bang fteht, den milchwirtichaftlichen Betrieb. Die Neuerungen auf diefem Ge— biete find in weit höherem Maß den bäuerlichen Betrieben zugute gelommen als den größeren Höfen.
E3 mag bier am Plate fein über Groß: und Kleingrundbejig aus langjähriger Anſchauung und Beobachtung ein Wort zu jagen: Der Zug ber Beit ift darauf gerichtet, über Unterſchiede der fozialen Lebenzftellung hinweg— zugeben, wenn das »viribus unitis« fi) als vorteilhaft erweift. Für ländliche Kreife ift dies um fo eher möglih, als Rivalität und Konkurrenz im kauf— männijchen Sinne nicht vorhanden find. Groß: und Kleingrundbefig haben ſich daher vereinigt und vertreten ihre Intereſſen gemeinfam. Es mag auch wohl fein, daß die Liebe für die heimatliche Scholle allen, die fie bebauen, innewohnt und bei manchen eine etwas ibdealere Auffafjung wachruft und fie veranlaßt fi gern zufammenzufchließen. Man darf aber wohl jagen, daß es immer die größeren Befißer und Hofpächter gewejen find, welche — von Ausnahmen bier und da abgejehen — in jeder Beziehung mit beftem Beifpiel vorangegangen find, ftet3 bahnbrechend, reformierend und anregend gewirkt und neue und bejjere Wege gewiejen Haben. Dies verdient einmal betont zu werden, da man recht oft wahrnehmen kann, daß ſeitens folcher, welche veranlaßt werben oder fih berufen fühlen über landwirtfchaftliche Dinge zu urteilen und fich zu äußern, ohne in der Lage zu fein, diefe jchiwierigen Verhältniſſe auch wirklich zu kennen und fie zu wilrdigen — daß von foldden Kritikern mit Vorliebe der Intelli— genz, Rührigkeit, Iandmännifchen Fähigkeit auf Geiten ber Träger bäuer: liher Wirtjchaften gedacht wird und foldde Tugenden bei jenen Anderen vermißt, ja, daß oftmals ungünftige Dualifilationen befonderd gern entdedt und fritifiert werden. Nein, die größeren Befiger und Pächter haben im großen ganzen die Führerſchaft gehabt und Hochgehalten und tun es Heute noch, troß: dem fie mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen haben als Kleinere Betriebs: leiter; fie haben unter den niedrigen Kornpreifen und ben fich fteigernden un« günftigen Arbeiterverhältniffen zu leiden gehabt und können fi mit dem beften Willen den höheren Anforderungen des Lebens nicht entziehen. Viele Exiftenzen find während der letzten 30 Jahre Hier im Lande ohne ihr Verſchulden zu Grunde gegangen. Neuerdings macht fich erfreulicherweife ein Umſchwung zum bejjern geltend.
Wir fommen nunmehr auf die Viehhaltung und damit in Verbindung ftehendes zurüd nnd erinnern uns der eingangs erwähnten Äußerung von Schröders, „daß die Milchwirtfchaft natürlich nur auf größeren Höfen möglich iſt.“ Wenn etwas geeignet ift, die feit jener Zeit vollzogene fundamentale Um: geftaltung der landwirtichaftlichen Verhältniſſe zu kennzeichnen, fo ift es dieſe vor 50 Jahren getane Äußerung im Hinblid auf die Jehtzeit. Ein vollftändig berändertes Bild bietet fi) unferen Augen dar — es ift die Gentrifuge, welche diefen Wandel Hervorgerufen bat. Nunmehr find die bäuerlichen Betriebe, auch die kleinſten, voll und ganz in die Linie der Milchwirtfchaften mit eingerüdt, fie alle haben fich zuſammengeſchloſſen und betreiben mit vereinten Kräften bie Milchwirtſchaft, d. 5. deren Verarbeitung in Butter. Während früher die fogen. Bauernbutter die bejcheidenfte Role auf dem Buttermarlt einnahm, ift bie
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Produktion aus diefen Kreifen — man möchte jagen ins ungemefjene geftiegen, die großen Quantitäten der zahlreichen Meiereigenofjenfchaften haben eine über: wiegende Bedeutung erlangt. Jede einzelne Genofjenjchaft verfügt über größere Mengen Milch als die größte Gutsmeierei, fie kann gleichmäßigere Ware pro: duzieren und tüchtiges Perſonal beranziehen, welches die freiere Stellung einer mehr gebundenen auf dem Gutshofe vorzieht und überdies bejjer bezahlt wird. Ob nun und bis zu welchem Grade es möglich und erwünſcht fein könnte, daß die Güter fich ebenfall3 für gemeinfamen Meiereibetrieb zufammenfinden, hängt zunächſt von der örtlichen Belegenheit und ferner davon ab, ob der einzelne Beiiger oder Pächter fich veranlaßt und geneigt fühlt, die eigene Selbftändig- feit immer mehr aufzugeben. Der Zug der Beit ift allerdings auf Drganifationen in großem Stil gerichtet. Als weitere Konfequenz ergibt fich für die bäuerlichen Rirtichaften, daß nicht mehr fo viel Jungvieh aufgezogen wird als in früherer Zeit und da die Viehpreife geftiegen find. Während früher die größeren Höfe ihren Bedarf zur Kompletierung des Viehbeſtandes von den Bauern kauften, find fie nun veranlaßt, ſelbſt Aufzucht zu betreiben und die Zahl der Milch: tübe herunter zu jeben.
So hat die Einführung der Gentrifuge die gejamten wirtjchaftlichen Ber: hältnifje in Hohem Maße beeinflußt, die Veränderungen find aber ganz vor: wiegend den bäuerlichen Betrieben zugute gelommen. — Ein anderes Gebiet, welches erhebliche Fortſchritte aufmweift, welche naturgemäß in langjamenm Zeit: maß vor fich gehen, ift das Baumejen. Es unterliegt feinem Zweifel, daß einerfeitö die Bauernhäufer, Katen und Arbeiterwohngebäude mit oftmal3 un: vorteilhafter Außenjeite und mangelhafter innerer Anordnung fich praftifcher und zujagender berrichten lafjen und daß namentlich das in den Gebäuden der Güter angelegte Kapital zu groß ift und fich nicht annährend verzinft. Die BVirtichaftsgebäude ber alten Zeit find durchweg zu koftipielig und unbequem. Die Scheunen mit den Hohen, ſpitz zulaufenden Dächern nehmen verhältnis: mäßig zu wenig ©etreide auf und erfordern beim Einbringen zu viele Arbeits: fräfte; in den falten dunklen Viehhäufern läßt die Raumeinteilung und vieles andere zu wünſchen übrig; jchwerfälige Torhäufer und andere komplizierte Bauwerke für oftmald nebenjädhliche Zwede find unwirtjchaftlid. Allmählich vollzieht fich Hier eine Wandelung zum bejjern.
Wir kommen nun zu den großen Organifationen, in deren Händen die Führung der Landwirtfchaft liegt, z. T. find fie aus älterem Gebilde aufgebaut, 3.%. ganz neu entjtanden.
Entgegen dem loſe gefügten früheren Generalverein fteht die Land— wirtfhaftsfammer, unterftüßt von landwirtfchaftlicden Vereinen, auf geſetz— liher Grundlage da, um den technifchen Fortfchritt zu fördern und das Binde: glied der Praris mit den höchſten Behörden in der Interejjenvertretung zu bilden. Vorfigender ift Graf Rantzau-Raſtorf, Direktor Ölonomierat Dr. Brey- holz. Das Gebiet der Kammer ift jehr groß, die Hauptgegenftände find folgende: Viffenjchaftlide und Lehrzwecke, welchen dienen Agrikulturchemifche Verſuchs— ftation, WVerfuchsftation für Molkereiweſen, Nahrungsmittel-Unterfucdhungsamt, Verfuchswirtichaften, Samenprüfungsanftalten, Landwirtichaftsjchulen und andere Schulen, Balteriologijches Inſtitut für Xierfeuchen; Förderung der Pferde-, Rindvieh- und Schweinezuchten durch Prämiterungen, Unterftügungen der Ber: eine zc. 2c.; Förderung der Waldkultur, des Obſt-, Wein: und Gartenbaus; Bauftelle. Der Verwaltung ftehen zur Seite die Vorfteher der VBerfuchsftationen und Bauftelle, der Syndikus, die Wanderlehrer für Landwirtichaft, Gartenbau
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und Genofjenjchaftswefen, der Gefchäftsführer für Mollereimefen und vier Meiereiinftruftoren, der Viehzuchtinftruftor und andere Angeftellte, Affiftenten und Berater.
Diefe amtlichen Korporationen in ihrer Tätigkeit ergänzend fteht der Bund ber Landwirte, Borfißender Graf Reventlov-Altenhof, auf der politifchen Wacht. Er forgt, daß die Landwirtfchaft im Parlamente ihre Vertretung findet und ift darauf bedadht, in der Preſſe die Sache der Landwirtichaft gebührend zu vertreten.
ALS dritter Faktor in der Vertretung landwirtichaftlicher Intereſſen fteht nun neben der Kammer und dem Bund das Genoſſenſchaftsweſen, welches fi) aus Heinen Anfängen zu einem großen Gebilde entwidelt hat, deſſen ſegens— reicher Einfluß in die weiteſten Kreife dringt. Am 1. April 1906 waren 819 Genoſſenſchaften vorhanden, darunter 586 Iandwirtfchaftliche, von denen 374 zum Berbande der fchleswig-hHolfteinifhen Genoſſenſchaften, Borfigender Landrat Freiherr von Heinge, gehören. Sie gliedern fi) in 2 Bentral=, 253 Kredit, 73 Bezugd-, 40 Meierei:, 2 Pferbezucht:, 1 Forſt⸗ und 3 fonftige Genofjenfchaften mit insgefamt mehr ald 18000 Mitgliedern. Für die Krebit- genofjenfchaften ift ala Geldausgleichäftelle die Zentralgenoffenfchaft: Schleswig: Holfteinifhe Landesgenoſſenſchaftskaſſe 1896 errichtet. Sie zählt 312 Mitglieder mit 2416 Gejchäftsanteilen, unter den Mit: gliedern find 256 Spar: und Dahrlehnstaffen, der Geſamtumſatz auf beiden Geiten betrug 1905 mehr als 250 Mil. AH und Hat ſich gegen bad Borjahr um mehr als 60 Mil. AH gefteigert. Die andere Zentralgenofjenfhaft in Scleswig:Holftein ift die Iandwirtihaftlide Hauptgenofjenfhaft, Direltor Wilhelm Biernagli, durch welche der Wareneinlauf für die Bezugs- genofjenfchaften erfolgt. Sie zählte am 31. Juli 1906 74 Bezugs-, 52 Kredit⸗ und 14 fonftige Genofjenfchaften, 6 Korporationen unb 28 Einzelperfonen mit 631 Gefchäftsanteilen, welche eine Haftfumme von 631000 H übernommen haben. Der Warenbezug zeigt fteigende Zunahme und zur Zeit einen Wert von faft 2'/s Mil. M. Seitens biefer beiden Zentralgenofſenſchaften e. G.m. b. 9. werden auf den in Kiel in ber Nähe bed Bahnhofs belegenen angelauften Srundftüden am Sopbienblatt das „Haus ber Landwirte” und babinter liegend eine neue Ausſtellungshalle errichtet. Das „Haus“ umfaßt mehrere Gebäude, welche die Geſchäftsräume des Verbandes und ber beiden Bentral: genoſſenſchaften fowie größere Räume für Iandwirtfchaftliche Verfammlungen aller Art und auch diejenigen für den „Klub ber Landwirte” enthält. Das Haus ſoll 1907 bezogen werben.
Richten wir num einmal den Blid zurüd und gedenken der landwirtjchaft- lichen Berbältniffe, wie fie vor 40 Jahren waren, fo ift der Unterjchied ein überaus großer. Damals fonnte in einem der bebeutenderen Iandwirtfchaftlichen Vereine (ſ. Denkfchrift zum Töjährigen Jubiläum des ſchlesw.-holſt. landwirt⸗ Ichaftlichen Verein! am Kanal) noch darüber debattiert werden, ob für die Landwirtichaft die Wifjenfchaft eine Stellung von großem Wert einnehme. Das ift heute nicht mehr möglid. Die Wiljenfchaft Hat der Praxis viele Wege ge- wiejen und Hilfsquellen erfchloffen, welche fie in die Lage verjegen, die empirifche Wirtichaftsweife in andere Betriebsarten binüberzuleiten, welche auf wilfen- Ichaftlicden Grundlagen, auf unumftößlichen Wahrheiten der Naturlehre bafiert find. Die Landwwirtfchaft kann mit ihrem Können den Vergleich mit den Zeiftungen einer Hoch entwidelten Induftrie ruhig aufnehmen.
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Andererjeit3 wird die Praxis der Landwirtfchaft mit berechtigtem Selbſtgefühl ihren „grünen Baum des Leben?” gegen Theorien, welche auch Heute noch oftmals grau find, hochhalten.
Es erübrigt der Frage zu gedenken, welche im Vordergrund des Anterefjes ſteht, des traurigen Tatbeſtandes, daß die Arbeiterverhältniffe auf dem Lande ſchon lange einen Grad der Unzulänglichkeit erreicht Haben, welcher vielen treuen Bewohnern des Landes die Freude am Beruf vollitändig verleidet. Man foll fich vielleicht anders ausdrüden: es ift nicht mur der Mangel an Arbeitern, fondern der Mangel an Arbeitskräften jeder Art, welcher beide Gefchlechter und alle Alters: ſtufen in ausgefprochenfter Weife umfaßt. Diefe ernftefte Frage kann ja von fo verjchiedener Seite betrachtet und zu beurteilen verfucht werben, daß näheres Ein: gehen ausgefchloffen ift. Es fol bier nur auf eine bemerkenswerte Kundgebung des Geſchäftsführers Heinrich Sohnrey des deutſchen Vereins für ländliche Wohl: fahrts- und Heimatpflege (Berlin SW. 11, Defjauerftr. 14), an deſſen Spike der Minifterialdireltor Dr. Thiel aus dem preußifchen Landwirtfchaftäminifterium febt, Hingewiefen werden. (Die „Woche“ Nr. 35, 1906.) Eine Heine Tabelle ver: anihaulicht die Bevölkerungsentwicklung in Deutfchland:
Es wohnen in Deutſchland in | 1871 | 1880 | 1890 | 1895 | 1900 | PERF ERS REINELSBFERSHREENBERGREF END RBIERR NIEREN, BESENSKTSEEN WESBEENEEN VEEFEBASEEN BANNER: ARRIIEESER| VEREESEEGEEEERERE
Großftädten (über 100000 Em.) 4, 72 | 114 | 135 116,18 | Prozent Mittelftädten (20 000—100000 Em.) | 7, 89 | 93 | 10,5 | 12,62 h Kleinftädten (5 000—2%0 000 Ew.) 11, 26 | 11,5 | 183,6 | 13,46 der
7
*
=
8
7
2|1ı Sandftädten (20005 000 Em.) 12,4 | 13,7 | 103 | 12,2 | 12,09 | nengiterun ländl. Wohnplägen (unter 2000 Em.) | 63,9 | 58,6 | 57,5 | 50,2 | 45,65 g.
Wir verſtehen alſo unter „Zug vom Lande,“ den man auch als „Land— flucht“ bezeichnet, nicht die natürliche Bewegung des Bevölkerungsſtroms, Die den entbehrlichen Überjchuß der ländlichen Volkskraft nach der Stadt abführt, londern die naturmwidrige Überbaftung der Bevölferungsbemwegung, die das Land immer mehr entvölfert und die großen Städte immer mehr übervölfert. Was diefe Landentvölferung für die Landwirtichaft zu bedeuten Hat, zeigt und u. a. der jüngft erfchienene Gejchäftsbericht für die Provinz Brandenburg, deren büftere Schilderung des Arbeitermangel3 auf dem Lande in dem Satz gipfelt: „Daß die Eriftenz der gejamten brandenburgifchen Landwirtichaft aufs jchwerfte bedroht ſei.“ — Es wird Klage geführt, über die Bejeitigung der Allmende (norddeutfche Gemeinheit), die auch den Armſten an Gemeinbefig teilnehmen ließ und ihn dadurch an die Heimat feſſelt; — über die verhängnisvolle Praxis, die Gemeindeländereien durch die Verfoppelung unter Mitwirkung königlicher Generallommiffionen gänzlich oder doch bis auf einen nichtigen Feen zu be= feitigen: „indes wird ja num nicht mehr viel zu verfoppeln fein.” — Darüber, daß das Leben in den PDorfgemeinden jo ganz anders geworden, daß die Ge: meinfchaft der Familie mit dem Gefinde aufgehört Hat. So ift im Lauf der neuen Zeit das ländliche Vollstum zu einem Trümmerhaufen geworden, fo ift im Dorfe vielfach eine Poefiearmut, eine Ode und Leere entftanden, die alle Luft und Freude des jungen Gemüt3 am Landleben ertöten mußte, um jo mehr, je mehr Gelegenheit die junge Generation erhielt, den Reichtum und Glanz des ſtädtiſchen Lebens, die jo verheißend winken, fennen zu lernen und die Gegen: läge zwifchen Stadt und Land auf fi) wirken zu laſſen. Der Verfaſſer jchließt: „Die Wohlfahrtspflege faßt aber nicht nur die äußere, die räumliche Abwande— rung ins Auge, fie verfolgt auch den inneren, den geiftigen Zug vom Lande,
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der, weil nicht fo augenfällig wie der Notjtand infolge der äußeren Abwande— rung, leider von den zuftändigen reifen noch garnicht gewürdigt wird. Die Wohlfahrtäpflege Hat es alſo nicht mit materiellen, fondern ebenſo mit ideellen und feelifchen Urfachen und Mitteln zu tun. Wie fie z.B. dort einer Dorf- bevölferung durch genofjenfchaftlicde Einrichtungen aufhilft oder den überſchuß der bäuerlichen Bevölkerung durch innere Koloniſation feſthält oder das Heim— gefühl der Arbeiter durch Beſſerung des Wohnungsweſens zu heben ſucht, ſo ſtellt ſie zu ihrem Zweck auch alles Schöne und Gute in ihren Dienſt, das der geſunde Volksgeiſt in feinem Volkstum hervorgebracht Hat. So iſt fie auch der natürliche Schußgeift der Heimatkunft, die mit ihr, auch zu einem guten Teile durch fie entftanden ift, aber fie fieht die Heimatkunft nicht nur auf literarifcherz, fondern auf allen fünftlerifchen Gebieten. Die Wohlfahrtspflege auf dem Lande ift alfo zu einem guten Teil Heimats- und Volkstumskunde. Das mißverftänd- liche Wort ift alfo für uns der Wedruf eines neuen Schaffens und Werdens auf dem Lande, und wenn irgend etwas zu den „großen“ Mitteln gerechnet werden darf, fo ijt e8 die „Wohlfahrt3pflege auf dem Lande.” —
Wir kommen zum Schluß. Wenn wir die Landwirtfchaft in ihrer gefamten Bedeutung würdigen wollen, jo muß diejes in der Erkenntnis geichehen, daß feinem Zweige des Erwerbslebens, feinem Lebensberufe eine jo ftabile Grund- lage innewohnt als gerade ihr. Wir pflügen, jäen und ernten in gleicher Weiſe wie in ältefter Zeit, ob uns dabei der alte hölzerne Haken oder der Dampf: pflug die Scholle kehrt, um feinen Tag früher in der vorwärts eilenden Zeit reift da3 Korn der Sichel — vielmehr der Mähmaſchine entgegen. Vieles wird erreicht, wenn wir Technik und Wiſſenſchaft zu Hilfe rufen, aber ebenjo oft jeßt die Natur ihr veto entgegen und führt den Menfchen auf die Wege zurück, welche zu feinem Heil die unumftößlich vorgezeichneten find. Wem Aderbau und Viehzucht vertraut geworden, der Hat erfahren, daß die Gefee der Natur un— abänderlich find.
Aber wo Stillftand im menſchlichen Wirken eintritt, da ift auch Schon der Nüdfchritt im Anzuge. Nun können wir uns erfreulicherweije dem nicht ver— Ichließen, daß kräftiges Leben in allen Zweigen der Landwirtjchaft, auf allen Gebieten, welche in direktem und indireltem Zuſammenhang mit ihr ftehen, in heutiger Zeit vorhanden ift, ſowohl auf dem Felde praftifcher Betätigung als auf dem der Willenfchaft. Sie beide, Praxis und Wiljenfchaft, ftehen Seite an Geite, um die ſchweren Zeiten, welche der Landwirtjchaft feit langem bejchieden waren, zu überwinden. Und fo wird es ferner heißen: „So lange die Erde fteht, wird der Menjch ſäen und ernten” — und weiter: „Wie der Menfch füet, fo wird er ernten.”
Einige Bereine, welche der Landwirtſchaft und der Landeswohlfahrt dienen.
Heidefulturberein für Schleswig-Holjtein, Sitz in Kiel. Vorfibender: Landesökonomierat Hölck-Kiel. Außerdem im Vorftande als ftändige Mitglieder: der Landeshauptmann und der Vorſitzende der Landwirtichaftstammer, als ge: wählte Mitglieder: Amtsvorfteher Hinrichjen-Dfterterp und Öfonomierat Conradi- Hohenweftedt. Schriftführer: Dr. Tancré-Kiel. Vereins-Oberförſter W. Emeis- Slensburg. Der Verein wirkt fehr jegensreich, während der 32 Jahre feines
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Beitehens ift dad Arbeitsfeld in Schleswig folgendes gewejen: Apenrade 20 ha, Edernförde 133'/s ha, Eiderftedt 25 ha, Flensburg 59 ha, Hadersleben 155 ha, Hufum 170 ha, Schleöwig 49 ha, Tondern 313 ha (in ganz Schleöwig-Holftein 2004 ha). Im legten Jahr wurden über eine Million Pflanzen und zwar 135000 Zaub- und 882000 Nabelhölzer bejorgt. Folgende Baumfchulen in Schleswig kommen hierfür in Betracht: zu Schleswig, Flensburg und Fried: richshöhe bei Flensburg, Strudum bei Bredſtedt, Edernförde, Deezbüll bei Niebüll, Koſel bei Edernförde. — Die Bereinzpflüge werben immer mehr in Anſpruch genommen und dur Neuanfhaffung wurde ein fünftes Pflugpaar bereitgeftelt. — Mit der Vornahme von Düngungsverfuchen wird fortgefahren. — Bährend in früheren Jahren das Beftreben unferer Heidebefißer überwiegend auf die Beforftung gerichtet war, hat neuerdings die Kultivierung, namentlich unjerer Moorheiden, zum Zwede landwirtſchaftlicher Nutzung erheblich zu— genommen. Die auf die Förderung der Adermwirtichaft auf Heideboden gerichtete Zätigfeit des Vereins Hat durch beträchtliche Beihülfen des Kalifyndilats zu Leopoldshall⸗Staßfurt und des Vereind der Thomasphosphatfabrifanten eine wirkſame Unterftügung erfahren. Die im vorigen Sahresbericht erwähnten Ver— ſuche wurden fortgefegt und neue eingeleitet. Die Ergebnifje find im allgemeinen jo ausgefallen, daß immer weitere Kreiſe fich ermutigt fühlen, an die Urbar: mahung von Moor: und Heideflächen Heranzugehen. Die durch Staats— und Kreismittel unterftügten Anidanlagen find auch in diefem Jahre vom Bereinstechnifer befichtigt und abgejchägt. Für den Kreis Flensburg waren es 13 Ortfchaften mit 56 Befitern und 8503 m neuen und 8518 m alten Wällen; für den Kreis Hufum 13 Ortfchaften mit 69 Befigern und 8229 m neuen und 7579 m alten Wällen. Diefe wurden größtenteild wiederum mit Dorn, teil— weile auch mit fonftigen gebräuchlichen Anidpflanzen bejegt, deren Ankauf, Ver: jendung und Verteilung der Verein beforgte. — Über die Kaſſenverhältniſſe ift zu fagen, daß die Vereinsrechnung für 1905 eine Einnahme von 22 054,45 HM. und eine Ausgabe von 18 729,46 A aufzuweijen hatte, aljo mit einem Kafjen- beftand von 3324,99 KH abſchließt. Das reichhaltige Vereinsblatt, redigiert von Dr. Tankré, erjcheint jährlid 6 mal. Die Mitgliederzahl betrug am 1. April 1906 1123, weitere Zunahme ift erwünſcht. Jahresbeitrag 3.
Schleswig: Holfteinifcher Zentralverein für Objt- und Garten- bau, Sit in Kiel, Bureau Prüne 45. Vorftand: Landes: Ölonomierat Höld : Kiel, Direktor Biernatzki-Voorde; Stadtrat a. D. Kähler- Kiel. Redaktion des Vereinsblattes: A. Melttz, Holtenauerftraße 165.
Am 1. April 1906 zählte der Zentralverein 36 Einzelvereine mit 4991 Mitgliedern, und zwar in folgenden Orten des Herzogtums Schleswig: Garding, Mildftedt, Stapelholm, Bredftedt, Schwefing, Bordelum, Dlderup, Apenrade, Rapftedt, Hattſtedt, Glücksburg, Langenhorn, Nordftrand, Led, Drelsdorf, Bargum, Slensburg, Breklum, Witzwort, Lindholm, Huſum, Biöl, Schobüll. Die Zeit: ichrift erfcheint monatlich und gelangt in 2463 Exemplaren zur Ausgabe. — Die Einnahmen des Vereins betrugen 6783 MH, die Ausgaben 6439 MH, davon find faft 3000 .# für Obftbäume uud 2000 ,# für Ausftellungen, welche durch Geldpreife und Medaillen unterftügt werden, angewendet. Im Provinzial-Obft- muttergarten wurde vom Provinzial: Wanderlehrer Leſſer ein Lehrkurfus für Baummwärter veranftaltet, welcher von 10 Teilnehmern befucht war. — Die Beitrebungen des Vereins find in bejonderer Weife darauf gerichtet, den Obſt— bau Iohnend zu geftalten. Im September 1906 wird eine Ausftellung in Kiel tattfinden.
12 Die Landwirtichaft von Heute.
Zentral: Fifcherei- Verein für Schleswig: Holftein, Vorfigender: Gutsbeſitzer Conze, Sarlhufen, Gejchäftsführer: Nanz, Nortorf, entfaltet erfolg: reihe Tätigkeit nach folgendem PBrogamm: 1. Wahrung der gefamten Fiſcherei— interefjen, 2. Hebung der Fifchbeftände in Bächen und Flüffen, 3. Förderung der Teichwirtſchaft; — auf den legten Punkt wird dad Hauptaugenmerk gerichtet.
An Schleswig find folgende Teiche und Seen vorhanden:
Anzahl der | Anzapl — | Anzahl | Fläheninhalt Kreis f Gemeinden, der * wer R der der Seen in denen Teiche Eypri- | Salmo- vorhanden Teiche niden | niden Geen ha ' (Karpfen) | (Sorellen) Apenrade 33 131 2855| 285 | 2 | 408 Edernförde 58 145 72,18 | 180 ı\ 23 3263 Eiderftedt 3 6 3,04 — | 1 6 Flensburg 80 421 160,19 2,15 | 7 242 Hadersleben 36 118 55,81 3,81 | 13 594 Hufum 25 84 | 96,35 _ | 3 50 Schleswig 41 288 | 109,32 5,39 | 19 475 Sonderburg 55 289 164,21 — 10 218 Tondern 28 148 40,87 — 11 2029 Summa | 359 | 1680 | 74,82 | 320 | 9 | 7286
(In ganz Schleswig:Holftein, Lauenburg, Fürftentum Lübed, Städten Lübek und Ham: burg 1135 Gemeinden mit 5677 Zeichen mit einem Mreal von 4149 ha und 352 Scen mit 30288 ha.)
Die bedeutenfte neuerdings ausgeführte Teichanlage ift vom Hofbefißer Schumann in Tolt (Kr. Schleswig), mit 50 Teichen für intenfive Forellenzucht fertig geftellt.
Die Zahl der Mitglieder betrug am 31. März 1906 25 ftändige und 583 jährlich zahlende Mitglieder und 20 angefchloffene Vereine mit 579 Mitgliedern. Der Sahresbeitrag wird vom 1. April 1907 5.# pro Jahr betragen. Die Jahresrechnung balanziert mit 22100 MH, Subventionen werden gegeben: vom Staat 4500 AH, der Provinz 4000 M, ferner von den einzelnen Kreifen. An Prämien für Fifchfeinde wurden 846 A gezahlt, und zwar für 158 Öttern a 34, 624 Fifchreiber à 0,50 #, 12 Fifchadler a 5.H. — Der Brutanftalt des Fiſchereivereins konnten im legten Gejchäftsjahr 1200000 Salmonideneier zu: geführt werden. — An Seßfrebjen find 1904/5 ausgeſetzt rund 10000 Stüd. Die Filcherei-Ausftelung zu Altona 1905 (mit der Landwirtſchaftslammer) er: nab ein glänzendes Refultat, 188 Aquarien waren auögeftellt, davon 41 mit Starpfen, 103 mit Salmoniden, 40 mit anderen Nußfifchen und 4 mit Bierfifchen.
Schleswig:Holfteinifcher Zentralverein für Geflügelzucht. Vor: ftand: M. Hermannſen-Itzehoe, Schabmeifter: Oberlandesgerichts - Sekretär A. Untiedt, Goetheftr. 16. Befteht 3. Zt. aus 53 DOrtövereinen und 4 Spezial: Hubs. Mitgliederzahl rund 4000. Der Bentralverein bat 8 Zuchtitationen. Verjchiedene Ortövereine Haben auf ihre Koften Zuchtftämme angefchafft, die zu Zuchtzwecken an geeignete Züchter abgegeben werden. Es beftehen 45 Eier- jammelftellen, die teilweife unter Mitwirkung des Lentralvereind entftanden find. In jedem Jahr findet gewöhnlich im November eine Provinzial-Aus— ftellung ftatt. Die Ortövereine wirken in ihrem Kreis für ſich. Das Biel ift Hebung der Nut: und Rafje-Geflügelzucht. Der Zentralverein ift der Land: wirtichaftsfammer angejchloffen.
Die Landwirtfchhaft von heute. 13
Landesverband für Bienenzucht in Schleswig: Holitein. Vor- fiender: Hauptpaftor J. Kod:Medelby, Gefchäftsführer O. Schwarg-Reuftadt. Statiftiiche Mitteilungen des Borftandes und Jahresbericht von 1905 enthalten u. a. folgendes:
Die Gefamtzahl der Bienenvölfer hat fih von 1873—1883 um 23639 vermehrt, die der Stabilvölfer um 25474 ab: und die der Mobilvölter um 1835 zugenommen. 1883—1892 Abnahme bei der Gejamtzahl: 6851, bei den Stabilvöltern 14979, die Zunahme bei den Mobilvöltern 8128. In den Jahren 1892—1900: Zunahme. in der Gefamtzahl 8858, Abnahme in der Zahl der GStabilvölter 10942 und Zunahme in der Zahl der Mobil: völter 19800.
Es fommen Bienenvölter auf 100 ha auf 100 Einwohner
Kr. Apenrade 3,42 8,00
„ &dernförde 7,24 13,56
„ Eiderftedt 3,81 8,03
„Slensburg Stadt 3,96 0,25
„ Blendburg Land 7,07 18,14
„ SBadersleben 3,13 9,78
„Huſum 4,91 10,84
„Schleswig 8,46 13,42
„ Sonderburg 3,49 4,69
„ Zondern 4,12 13,20
Mitglieder des Bentralvereing Hauptvereind Landsverbands
1872 476 — —
1880 655 — —
1890 1218 — —
1891 1135 328 —
1901 2893 1307 —
1902 — — 4698
1903 — — 4984
1904 _- — 5112 in 105
1905 — — 5294 vereinen
„In dieſen Zahlen liegt gar manches verborgen für den, der etwas tiefer zu leſen verſteht. Wir können hier ſehen das Arbeiten, Ringen und Kämpfen der Imker Schleswig-Holſteins.“
Die Vereinsverſammlungen werden von Wanderlehrern beſucht und Aus— ſtellungen abgehalten. Imkerkurſe finden ſtatt, auch ſoll eine Imkerſchule ge— gründet werden. Die ſchlesw.-holſt. Bienenzeitung erſcheint 2 mal monatlich und wird jet von 4795 Mitgliedern gelefen. Schriftleiter ijt Lehrer Breiholz in Bargfeld-Innien.
Bei der Haftpflichtverficherung waren im Jahre 1905 angemeldet 67188 Völker und Hierfür ein Betrag von 2160 A gezahlt, 31 Schäden mit 261.M wurden reguliert. Gegen Feuer waren 38072 Bölfer verfichert, 4 Schäden mit 714 .# vxeguliert. Das Vermögen des Vereins betrug im Jahre 1906 4441 M.
Die Laudwirtichaft von heute.
74
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76 Die Kandwirtichaft von heute.
D. Rurze Darflelung der Sachlage.
Bu 1. Die fraglichen Ländereien litten wegen ber ſtarken Verwilderung und ungenügenden Tiefe der Elbek unter mangelhafter Entwäſſerung. Auf Grund eine3 aufgeitellten Projektes ift eine Entwäſſerungsgenoſſenſchaft zum Bwede der Regulierung ber Elbek mit großer Majorität gebildet worden. Die Ausführung ber Melioration ift beendet.
Bu 2. Die fraglichen Ländereien litten wegen ungenügender Tiefe ber Aue unter mangelhafter Entwäfjerung. Auf Grund eines aufgeftellten Projektes ift eine Entwäflerungsgenoffenfchaft zum Zwecke einer Regulierung der Aue einftimmig gebildet worden. Die Ausführung der Melioration ift beendet.
Bu 3. Die vorhandenen niedrigen und mangelhaft unterhaltenen Sommer deiche genügten nicht für die Abhaltung der Sommerfluten der Eider und find auf die gleiche Höhe gebracht wie der vor vier Jahren mit gutem Erfolg auf dem gegenüberliegenden Ufer bergeftellte Deich. Zum Einlaffen des jchlidhaltigen Eiderwafjers find Einläffe hergeſtellt. Auf Grund des aufgeftellten Projektes ift die Bildung eines Deichverbandes mit großer Majorität bejchloffen worden. Die Ausführung ift im Jahr 1904 erfolgt.
Zu 4. Die fraglichen Ländereien litten infolge mangelhafter Bejchaffen- heit der Vorflutgräben fehr unter Verfumpfung. Auf Grund des aufgeftellten Projekts ift eine Genofjenfchaft mit großer Majorität gebildet worden. Die Ausführungsarbeiten find beendet. Der Koftenanfchlag ift innegehalten worden.
Bu 5. Die Ländereien in den Gemarkungen Düppel und Stenderup litten unter mangelhafter Entwäfjerung. Durch Anlage einer weiten Röhrenleitung ftatt des vorhandenen Entwäfferungsgrabens ift eine gute Entwäfjerung erreicht worden. Zum Zwecke einer gerechten Verteilung der Koften, zur Sicherung ber Unterhaltung und zur weiteren Borflutbeichaffung ift eine Entwäfferungsgenofjen- haft mit großer Majorität gebildet worden. Die Durchführung des Projeltes- ift beendet. Eine Überfchreitung der Anfchlagstoften ift nicht eingetreten.
Zu 6. Die fraglichen Wiefen litten unter mangelhafter Entwäſſerung, welche durch Regulierung und Vertiefung der Aue leicht verbefjert werben tonnte. Auf Koften der beteiligten Befiber ift ein Projekt aufgeftellt worden, welches ohne Genofjenfchaftsbildung im Jahre 1902 von der Gemeinde Schnarup ausgeführt ift.
Zu 7. Die am Niebyer Strande an ber Dftfee befindliche, baufällige Holzſchleuſe ſoll durch eine neue maſſive Schleufe erfegt werden. Zum Biwede der Aufbringung der Koften ift im Juli 1905 ein Deichverband gebildet worden.
Zu 8. Das fragliche Gebiet umfaßt die tiefften und wertvollſten Ländereien der Gorge-Niederung und wird, wenn bei anhaltenden Weftwinden wegen des Hohen Waflerftandes der Eider die Schleufen mehrere Tage gefchloffen bleiben, bei ftärferen Niederfchlägen durch das Waſſer der Alten Sorge überſchwemmt. Zum Schutze Hiergegen fol ein niedriger Sommerdeich hergeftellt werden. Auf Grund des aufgeftellten Projektes ift die Ausführung des Deiches von der Ge— meindevertretung einftimmig befchloffen und vom Kreisausſchuß und Regierungs: präfidenten die Genehmigung zur Herftellung des Deiches erteilt worden. Bevor die Ausführungsarbeiten in Angriff genommen werben, fol auch die Genehmigung zur künſtlichen Entwäfjerung der eingedeichten Niederung eingeholt werden.
Zu 9. Die Ländereien find durch eine Hochtwafjerfreie Diine gegen die Oftfee geſchützt, leiden aber unter mangelhafter Entwäſſerung und bäufiger Überfhwemmung, weil die vorhandenen beiden Entwäſſerungsſchleuſen nach jedem Hochwaſſer in der Oſtſee derartig verfanden, daß fie ſich von ſelbſt nicht
Die Landwirtfhaft von heute. 77
öffnen, jondern jedesmal durch Befeitigung der davor abgelagerten Stein- und Sandmafjen freigelegt werden müſſen. Infolgedejjen ift oft lange Zeit überhaupt feine Entwäfjerung vorhanden. Die Schleufen follen jo angelegt werden, daß eine Verſandung derjelben ausgejchlojjen ift. Das fremde Waller ſoll durch be- jondere gegen die Niederung abgedämmte Randgräben abgeführt werden. Die Genofjenjchaft ift einftimmig gebildet. Die Ausführung der Meliorationsanlagen wird im Sommer 1906 vorgenommen.
Zu 10. Die Ländereien am oberen Adelbybek leiden wegen ungenügenbder Weite und Tiefe des Wafjerlaufes unter jchlechter Entwäfferung. Zum Zwecke einer Regulierung der Bel und der Hauptentwäfjerungsgräben ift im Juli 1905 eine Entwäfjerungsgenofjenichaft gebildet. Die Meliorationsanlagen werden im Sommer 1906 ausgeführt.
Bu 11. Die Ländereien an der Munfbrarup: Aue in den Gemarkungen Maasbüll, Rüllſchau, Gemmerup und Munkbrarup haben wegen ungenügenbder Ziefe der Aue und ber in diefelbe mündenden Gräben eine fchlechte Entwäſſe— rung. Auf Grund des aufgeftellten Projektes ift im Auguft 1905 eine Ent: wäfjerungsgenofjenjchaft gebildet worden. Die Ausführungsarbeiten werden im Sommer 1906 vorgenommen.
Bu 12. Die Wafjerläufe in der Gemarkung Lügumkloſter bedürfen dringend einer Regulierung, und von den beteiligten Befißern ift zu diefem Zwecke die Bildung einer Entwäfjerungsgenofjenjchaft beantragt worden. Das Projekt ift von dem Meliorationsbauamt aufgeftellt und dem Herrn Regierungspräfidenten überreicht worden.
Bu 13. Die niedrigen Weide: und Wiejenländereien follen durch eine Bedeichung gegen die jest häufigen Überfchwemmungen durch die Sturmfluten der Nordſee gejchügt werden. Das fertiggeftellte Projekt ift im Dezember 1905 dem Herrn Regierungspräfidenten überreicht worden.
Bu 14. Wie ad 31.
Bu 15. In ber Brebeau » Niederung leiden die ungeſchützten Marſch— ländereien oft unter Überſchwemmungen durch die Nordfee. Die Süßwafjer: gräfer werden durch das Salzwaſſer teilmweije vernichtet, und der hierdurch an- gerichtete Schaden bei einer umfangreichen Überflutung im Frühjahr 1904 wird von beteiligten Befigern auf 90000 ..# angegeben. Das Projekt zur Her: ftellung eines Winterdeichs ift zu Anfang des Jahres 1906 dem Herrn Re- gierungspräfidenten vorgelegt worden.
Bu 16. Die Ländereien an der oberen Sielftaue und den Zuflüfjfen der: jelben in ben Gemarkungen Husby, Marlerup, Husbyholz, Hardesby, Winderatt, Ausader, Weſeby, Hürup und Klein-Solt leiden unter mangelhafter Entwäfferung und teilweife auch unter Überfchwenmungen. Es wird die Bildung einer Ent: wäflerungsgenofjenfchaft zum Zwecke einer Regulierung der Waflerläufe beab- fihtigt. Die örtlichen Aufnahmen für die Aufftellung eines Projektes find beendet. Das Projekt wird im Jahre 1906 fertiggeftellt.
Bu 17. Die fraglichen Ländereien leiden wegen mangelhafter Bejchaffen: belt des Vorflutgrabens unter ſehr fehlechter Entwäſſerung. Zum Zwecke einer Regulierung des Graben? wird ein Projeft auf Staatskoſten aufgeftellt. Die bierfür erforderlichen örtlichen Aufnahmen find beendet. Das fertiggeitellte Projelt wird zu Anfang des Jahres 1906 dem Herrn Regierungspräfidenten überreicht werden.
Bu 18. Die an der Soholmer Au und deren Zuflüfjen gelegenen Wiejen leiden wegen ber ftarten Verwilderung und Berfandung der Waſſerläufe ſehr
18 "Die Landwirtichaft von heute.
unter mangelhafter Entwäſſerung und Überſchwemmung. Durch Regulierung und ſtellenweiſe Bedeichung der Waſſerläufe ſollen die Übelftände beſeitigt werden. Das Projekt wird in nächfter Zeit fertiggeftellt fein.
Zu 19. Die Lederau ergießt fi) zur Beit frei in die ausgedehnte Marfch- niederung und ruft Hier häufig Überfchtwemmungen Hervor. Der untere Lauf der Aue fol begradigt und eingebdeicht werden, fo daß das Oberwaſſer un— ichädlich abgeführt werden fann. Die Ausführung der Anlagen wird voraus: fichtlid von der Bongfieler Waſſerlöſungskommüne bejorgt werden. Das auf: geſtellte Projekt jol umgearbeitet und mehr fpeziell behandelt werden.
Zu 20. Wegen der ftarten VBerwilderung und Verfandung der oberen Lederau werden die angrenzenden Wiefen ſehr häufig überſchwemmt und leiden an mangelhafter Entwäljerung. Das aufgeftellte Projekt bedarf noch einer Heinen Ergänzung.
Zu 21. Zum Bwede des Ankaufes und Transportes des Mergels ift auf Grund der Landgemeindeordnung ein Verband, deffen Statut vom Meliorations: bauamt aufgeftellt und vom Kreisausſchuß genehmigt worden ift, gebildet worden. Die durcchichnittlicde Transportweite beträgt rund Il km. Das Unternehmen ijt ausgeführt.
Zu 22. Wie ad 21. Beteiligt find die Gemeinden Jordkirch, Süderenleben, Kafjoe und Hüdemwatt. Das Unternehmen ift im Jahre 1903 ausgeführt.
Zu 23. Wie ad 21. Beteiligt find die Gemeinden Goldebek, Riesbriet, Oft-Linnau, Lindewitt und Sillerup. Das Unternehmen tft im Jahre 1904 aus— geführt.
Zu 24. Wie ad 21. Beteiligt find die Gemeinden Miöls, Sünderup, Hönkys, Hüdewatt und Norderenleben. Ausgeführt im Jahre 1904.
Bu 25. Wie ad 21. Das Unternehmen ift 1903/04 ausgeführt. Beteiligt find die Gemeinden Schobüll, Großenwiehe, Lüngerau und Gillerup.
Zu 26. Wie ad 21. Beteiligt find die Gemeinden Bjolderup, Bollers— leben, Ravit, Todsbüll, Lautrup, Gaaskjer und Schmedeagger. Das Unter: nehmen ift 1904/05 ausgeführt.
Zu 27. Wie ad 21. Beteiligt find die Gemeinden Schafflund und Meyn. Das Unternehmen ift 1904/05 ausgeführt. -
Bu 28. Wie ad 21. Beteiligt find die Gemeinden Keelbet, Sieverftedt, Stenderup, Eggebek, Bollingftedt, Langftedt und Jerrishoe. Mit der Anfuhr des Mergels ift im September 1904 begonnen worden.
Zu 29. Wie ad 21. Beteiligt find die Gemeinden Hörup und Nord: hadftedt. Das Unternehmen ift im Sabre 1905 ausgeführt.
Bu 30. Wie ad 21. Beteiligt find die Gemeinden Kradlund, Fröslee und Weibef. Das Unternehmen ift im Jahre 1905 ausgeführt.
Bu 31. Wie ad 21. Beteiligt find die Gemeinden Eggebek und Sophien— tal. Das Unternehmen ift in der Ausführung begriffen.
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2
Kreis AUpenrade.
Kreis Apenrade.
Röniglicher Tandrat von Uslar.
Der Kreis Apenrade liegt im nd. Teil von Schleswig, zwifchen dem 54° 52’ und 55° 10° n. Breite und zwifchen dem 26° 40° und 27° 18° 8. Länge. Flädheninhalt 685,22 qkm (12,606 [ IMeilen). Einwohnerzahl 29324, die weib- lie Bevölkerung überwiegt. Der Kreis grenzt im N. an den Kreis Haders- leben, im W. an ben reis Tondern, im ©. an die Kreiſe Tondern und Flens— burg, im O. werden der Kleine Belt (Gjenner- und Apenrader Bucht, Alfenfund), der Kreis Sonderburg und die Flensburger Förde berührt. Die Grenzlinie fegt in der Gjenner Bucht ein und zieht ſich bis nahe nach Lügumkloſter Hin, läuft im j. Richtung, indem das Sreiögebiet mit Gemeinden des Amtsbezirks Hellewatt (Bedftedt, Moorbel, Ofterterp) als eine weit vorgejchobene Land: zunge in das Tondernſche Gebiet Hineinragt, und nimmt die Richtung auf die Mitte der Flensburger Innenförde, welche fie bei Randershof erreicht.
Die ö. Kreishälfte umfaßt fchöne und fruchtbare Diſtrikte mit viel Wald, bie w. trägt den Geeftcharalter. Bon ftehenden Gewäſſern find zu nennen: der Hoftruper und der Seegaarder See, und als größeres fließendes Gewäſſer die Behrendorfer Au; von Feineren Auen tverden wir auf unferer Wanderung durch die Amtsbezirke noch einer beträchtlichen Anzahl begegnen. Dieje fördern die Bildung und Pflege der Wiefen und tragen zur Belebung und Verjchönerung der Gegend wejentlich bei. Bodenerhebungen von einiger Bedeutung find der Knivsberg (mit dem Bismardturm) 96 m, der Blauberg 86 m bei Bars: mart, der Braunberg 98 m zwijchen Niesjarup und Schauby, der Tafteberg bei Schobüllgaard 74 m. Hügeliges Gelände, oftmals bewaldet, ift häufig anzutreffen. Dieſes im Verein oder vielmehr im Gegenfaß zur nahen Dftfee läßt Gegenden von Hoher landichaftlicher Schönheit erftehen. Auch die Kreis: ftadt Apenrade erfreut fich einer bevorzugten Lage; ganz nahe der Förde ift fie auf einer mäßigen Anhöhe in twaldreicher, anmutiger Gegend erbaut. Von der umliegenden Hügellette bieten fich ſchöne Ausſichtspunkte auf die Stadt und den Hafen, der wohl etwas frei und fchublos ift, aber doch große Handels: ſchiffe und jelbft die tiefgehenden Kriegsichiffe aufnehmen kann. Schiffbau und Schiffahrt find in früheren Zeiten recht bedeutend